Ein alarmierender Vorfall ereignete sich auf Steinener Gemarkung: Ein Pferd kam zu Tode. Was steckt dahinter?
Eine Meldung aus Freiburg lässt aufhorchen: Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) verschickte am Dienstag eine Pressemitteilung, wonach am Freitag, 28. November, nahe der Gemeinde Steinen ein verletztes Pferd gefunden wurde.
Laut der FVA waren die Verletzungen des Tieres so schwer, dass es eingeschläfert werden musste. Nun wird nachgeforscht, ob das Pferd eventuell von einem Wolf attackiert und verletzt wurde. Nach den ersten Untersuchungen konnte dies weder bestätigt, noch ausgeschlossen werden.
Die Forschungsanstalt in Freiburg teilte am Dienstag auf Nachfrage mit, dass der Fund des verletzten Pferdes in Steinen vor Ort dokumentiert wurde. Es seien Abstrichproben genommen worden, die nun untersucht werden. Zudem erfolgten pathologische Untersuchen am Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt, das in Freiburg angesiedelt ist.
Micha Herdtfelder, Leiter des Arbeitsbereich Luchs und Wolf beim FVA-Wildtierinstitut in Freiburg, möchte indes keine näheren Angaben zum Tierhalter in Steinen machen. Das sei der ausdrückliche Wunsch der Pferdebesitzer gewesen, die ohnehin emotional stark mitgenommen seien. Fest stehe: Der Pferdehalter habe den genau richtigen Weg eingeschlagen, indem er die FVA informierte. Diese gibt ihre Informationen dann an den jeweiligen Wildtierbeauftragten des Kreises weiter.
Erfahrene Pathologen werden nun das Tier genau untersuchen. In den nächsten Tagen dürfte klar sein, ob sich der Verdacht auf einen Wolfsriss bestätigt. Falls ja, könne eine genetische Analyse absolute Klarheit bringen. „Das dauert dann ungefähr zwei Wochen.“
Steinen ist Wolfspräventionsgebiet
Steinen liegt im Fördergebiet Wolfsprävention. Was bedeutet das für die Tierhaltung? Baden-Württemberg unterstützt finanziell den Herdenschutz im Wolfspräventionsgebiet Schwarzwald mit umfassenden Schutzmaßnahmen. Das Ministerium des Landes informiert auf seiner Website darüber, was im Falle eines Wolfsübergriffs an Erstattungen erfolgen.
Aufgeführt werden Ausgleichszahlung für gerissene oder verendete Nutztiere (auch Gebrauchshunde), Tierkörperbeseitigung, Tierarztkosten, Kosten für Medikamente für verletzte Tiere sowie der Arbeitsaufwand für die Suche, das Einfangen oder die Bergung versprengter Tiere. Heißt: Sollte sich in Steinen der Riss des Pferdes durch einen Wolf bestätigen, wird der Halter entschädigt.
Viele Fragen offen
Im Jahr gehen bei der FAV rund 1000 Meldungen über Wolfsverdacht aus ganz Baden-Württemberg ein, berichtet Herdtfelder. Darunter seien hauptsächlich Sichtungen, die oft nicht verifizierbar seien. „Die Meldungen haben zugenommen. Die Sensibilität ist gewachsen, und jeder hat ja sein Handy dabei.“
Egal, was aber bei dem Steinener Fall herauskommt: Pferdebesitzer im Umkreis müssten nicht in Panik geraten, so der Experte. In Baden-Württemberg sei – anders als in Niedersachsen oder Spanien – noch kein einziges Pferd von einem Wolf gerissen worden. „Hier bei uns gehören Pferde nicht zum klassischen Beuteschema des Wolfes. Es gibt genug weniger wehrhafte Tiere wie Rehe oder Schafe, bei denen das Verletzungsrisiko für den Wolf geringer ist.“
Auf einen Blick
Die FVA
ist als Forschungseinrichtung des Landes für den Wald und die Forstwirtschaft in Baden-Württemberg zuständig. Sie übernimmt Aufgaben, die für die gesamte Gesellschaft wichtig sind. Forschung, Monitoring, Fortbildung und die Beratung von Politik, Verwaltung und Betrieben.
Auf der Homepage
können Einwohner einen Wolf oder andere Wildtiere melden wie Luchs, Wildkatze oder Habicht (Telefon: 0761/4018-274). Das gilt auch für Betroffene, die einen Riss haben mit Verdacht auf große Beutegreifer beziehungsweise Sichtungen, Fährten oder Losungen, die auf Luchs oder Wolf hindeuten könnten. Derlei sollte schnellstmöglich der FVA per Mail oder telefonisch gemeldet werden, so der Appell der Forschungsanstalt. Hinweise können auch per Online-Formular angemeldet werden.