Rund 35 Cliquen und Guggen belebten die Umzugsmeile in Marzell. Foto: Ines Bode

Die Grabedierer Marzell hatten zum Fasnachtsumzug eingeladen.

Die närrische Weisheit „Je fröhlicher die Maske lacht, umso energischer wird man eingeseift“ kam auch beim Umzug der Marzeller Grabedierer zum Tragen: Mehr als 35 Fußgruppen, Cliquen und Guggen verwandelten ödes Straßenpflaster in eine farbige Fasnachtsmeile.

 

Kurz bevor es losging, erklärte die Mama ihren Sprösslingen, dass sie lieber hinten stehe, denn sie sei „immer dran“. Aber es half nichts: Bis in die letzte Ecke, den unscheinbarsten Winkel, auf die unauffälligste Erhebung drangen die Narren vor, um säckeweise Konfetti unters Volk zu bringen. Einem Vater mit Baby am Bauch wurde eben von hinten der Hut gelupft, um ihm ein Pfund Papierschnipsel unterzujubeln. Die Frauen mussten eh dran glauben, und auch manch Narr in seinem Häs, der im Publikum stand, wurde nicht verschont.

Den Auftakt machten die Gastgeber um ihren Oberzunftmeister Kevin Schurek, die sozusagen ihre Kollegen der Wälder Chnorzi im Schlepptau hatten. Beide Cliquen verstanden es, die graue heimatliche Teerdecke im Nu mit einem bunten Teppich aufzuhübschen.

Bonbons, Lollis & Co. fliegen durch die Luft

Die offensichtliche Intention der Grabedierer und ihres aktiven Nachwuchses war, einen proppenvollen Wagen Süßkram leer zu kriegen. Denn auch mit Naschwerk wurde nicht gegeizt. Bonbons, Lollis, Gummibärchen und Popcorn flogen durch die Lüfte, dass es eine Freude war. Mancher Knirps hatte sich vorsorglich mit Stoffbeutel eingefunden, um ordentlich Beute zu machen.

Knapp eine Stunde lang zogen Hexen und Häxen vorbei, ebenso wie Teufel, Wölfe und ähnlich animalische Gesellen. Manche waren als weibliche Figur zu erkennen, andere setzten auf eine sagenhafte Abstammung. Von schön bis schaurig war alles vertreten.

Als sonnengelb-befrackte Musikanten sorgten die Nodedaig Chnädder Kandern für einen Lichtblick, denn in Marzell herrschte zu diesem Anlass fieses Wetter. Doch was ein echter Narr ist, der präsentiert auch bei Wind und Schneeregen nackte Waden.

Pik- und Karo-Assals Hingucker

Und das Publikum hielt kräftig mit: Kurze Röckchen waren zu bewundern, ebenso wie Haifisch-Hüte oder Damenperücken für Herren. Ein Hingucker waren zwei Buben als Pik- und Karo-Ass. Da war kaum jemand zu sehen, der unkostümiert erschien.

Zum guten Ton trugen zudem Schopfheims D’Namelose bei, die kürzlich ihre signalrote Baskenmütze durch eine monarchische Krone ersetzt hatten. Auch die Höllsteiner Frösche-Clique zog mit Pauken und Trompeten vorbei.

Zu guter Letzt zeigten sich neue Ideen: Was passiert, wenn ein Laubbläser und ein Konfettisack gemeinsame Sache machen? Das zeigte ein Experiment der einfallsreichen Narren, das ordentlich Schnipsel-Staub aufwirbelte.