Erstmals dürfen bei der kommenden Landtagswahl auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben – eine Neuerung, die auch an den Calwer Schulen intensiv aufgegriffen wird.
Die Landtagswahl am 8. März ist in aller Munde und auch in Schulen ist sie Thema – in diesem Jahr vielleicht sogar noch mehr als sonst. Denn erstmals darf ab 16 Jahren gewählt werden. Darauf bereiten die Calwer Schulen ihre Schützlinge auch über den Unterricht hinaus vor.
Lag das Mindestalter für die aktive Wahl bislang bei 18 Jahren, dürfen in diesem Jahr auch 16-Jährige wählen. „Damit wird das Wahlrecht für das Landesparlament an das Kommunale angepasst“, ist auf der Internetseite der Landeszentrale für politische Bildung (LPB) nachzulesen.
Laut LPB sei die Neuregelung gesellschaftlich auf breite Unterstützung gestoßen. Nicht zuletzt aufgrund der „positiven Ergebnisse bei Kommunalwahlen“.
Hermann-Hesse-Gymnasium
Schulen lässt diese Neuregelung nicht kalt. Markus Köcher, Schulleiter des Hermann-Hesse-Gymnasiums (HHG) Calw, erklärt, dass „das Thema Landtagswahl durch die Senkung des Wahlrechts auf 16 Jahre seit Wochen ein zentrales Thema im Gemeinschaftskunde-Unterricht ab Klasse 10“ ist.
In dieser Klassenstufe seien circa 50 Prozent der Schüler wahlberechtigt, so Köcher. In den Klassenstufen 11 und 12 seien es alle Schüler, die eine deutsche Staatsbürgerschaft haben.
Podiumsdiskussionen vor der Wahl
Ab der 8. Klasse behandele man Themen rund um die Wahl. Dabei würden die Schüler umfassend über das Wahlsystem sowie die Parteien und deren Schwerpunkte informiert werden. Laut Köcher gebe es auch „exemplarische Podiumsdiskussionen zu ausgewählten aktuellen politischen Themen“. Darüber hinaus würde die Rolle der Medien beleuchtet werden – mit Blick auf den Vergleich zwischen den klassischen Medien und den neuen Medien wie beispielsweise Instagram oder TikTok.
Nach der Wahl werde es dann zu einer Reflexion der Wahlergebnisse kommen, so der Schulleiter des Gymnasiums.
Maria-von-Linden-Gymnasium
Auch am Maria-von-Linden-Gymnasium (MvLG) ist die bevorstehende Landtagswahl Thema – vor allem im Fach Gemeinschaftskunde ab Klasse 8, wie Evi Baum, Fachbetreuerin für Gemeinschaftskunde, erklärt. Dabei werde thematisiert, für welche Politikfelder die Bundesländer vor allem zuständig sind und welche Relevanz die Wahl hat.
Genauer beleuchtet werden laut Baum das Wahlsystem, „wie aus Wahlstimmen Sitze im Landtag werden und wie eine Landesregierung gebildet wird“. Auch die Positionen der Parteien würden mit den Schülern erarbeitet, damit die Schüler „eine fundierte Wahlentscheidung treffen können“.
Juniorwahlen am MvLG
Über den Unterricht hinaus gibt es eine Politik-AG, in der politisch besonders interessierte Schüler vertieft verschiedene Positionen zur Landespolitik diskutieren.
Kurz vor der eigentlichen Landtagswahl wird es außerdem für Schüler ab der 8. Klasse Juniorwahlen am MvLG geben. Bereits im vergangenen Jahr hat es eine solche zu der vorgezogenen Neuwahl zum Bundestag gegeben. Die Ergebnisse dieser würden anschließend im Foyer veröffentlicht und im Gemeinschaftskundeunterricht besprochen – genau wie auch die Ergebnisse der eigentlichen Landtagswahlen am 8. März.
Heinrich-Immanuel-Perrot-Realschule
Lukas Hutter, zuständig für Pressearbeit und Gemeinschaftskunde an der Heinrich-Immanuel-Perrot-Realschule, erklärt, dass die Wahl auch an der Realschule im Gemeinschaftskundeunterricht in der Klassenstufe 7 bis 10 thematisiert wird. Dabei nehme man Bezug auf einige Unterlagen der Landeszentrale für politische Bildung.
Regelmäßig seien aktuelle Nachrichten, die die Kinder vorstellen dürfen, Thema im Unterricht. Auch den Wahlomat habe man gemeinsam mit den Schülern eingesetzt.
Verschiedene Politikebenen kennenlernen
Über den Unterricht hinaus gebe es auch außerschulische Veranstaltungen, weiß Hutter. So hatten die Schüler beispielsweise die Möglichkeit, eine Gemeinderatssitzung mitzuverfolgen und den Landtag oder das EU-Parlament zu besuchen – und so verschiedene Politikebenen kennenzulernen.
Mit Blick auf die vergangenen Schuljahre berichtet Hutter von diversen Podiumsdiskussionen, darunter eine im Landtag selbst.
Eine Juniorwahl habe es im vergangenen Jahr anlässlich der Europawahl gegeben. In diesem Jahr gibt es eine solche nicht.
Im Bezug auf die jetzigen Erstwähler geht Hutter davon aus, dass sie gut auf die Landtagswahl vorbereitet sind.