Im nächsten Jahr macht sich Wächters Runde zum 175. Mal auf Tour. Bei den Führungen setzen die Akteure die Villinger Geschichte in Szene. Der Vorverkauf startet am Samstag.
Wenn der Kaufmann Vatz Wöhrlin aus Fryburgen zu später Stunde am Riettor um Einlass und der Scharrwächter Balthasar Schwarzer durch die Stadt führt, dann geht es zurück ins mittelalterliche Villingen – und das seit 20 Jahren.
Als Gunther Schwarz die „Wächters Runde“ geschrieben und nach einem Probelauf zusammen mit zahlreichen Akteuren die erste Führung 2006 in Szene gesetzt hatte, habe es keiner für möglich gehalten, dass sie auch 2026 noch durch die Stadt ziehen, erinnert sich Klaus Richter.
An die 16 000 Teilnehmer haben sich seither mit der Truppe auf einen Streifzug gemacht, trafen auf den Juden Salomon, Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostella oder den Steinmetz, der die Münsterkanzlei herstellt. Auch dunkle Kapitel wie eine Hexenverbrennung und das blutige Ende des Bauernaufstands schlägt die szenische Führung auf. Sie legt in gut drei Stunden einen Halt an sieben Schauplätzen ein – einmal quer durch die Innenstadt.
An jeweils vier Terminen im März und im Oktober steht das Historienspiel auf dem Programm. 39 Mitwirkende sind Abend für Abend vor und hinter den Kulissen auf den Beinen, erzählt Michael Schonhardt, ob bei Regen, Schnee oder Minusgraden. Da sind Schauspieler ebenso im Einsatz wie Musiker, Chorsänger, Feuerkünstler oder Jongleure. Eine wichtige Rolle spielen zudem Techniker, die manche Station ins richtige Licht rücken oder Straßen absperren, und ein Küchenteam für den Abschluss des „Spektakulums“in der als „Schwarze Mohrin“ genutzten Bastion, in der sich die Besucher nach der Tour durch das nächtliche Villingen bei allerlei mittelalterlichen Vorführungen mit „Spezereien“ stärken können .
Drei Altersgruppen tragen zum Erfolg bei
Dass inzwischen drei Altersgruppen zum Erfolg von „Wächters Runde“ beitragen, freut Schonhard. Seit der ersten Runde mit von der Partie sind Klaus Richter und Anselm Säger, andere von Beginn an aktive Akteure legten zwischendurch mal eine Pause ein. Immer wieder stießen neue Mitwirkende wie jetzt im Herbst Alina Wagner zu der Gruppe, die so durch jüngere Leute von unten nachwachse, sieht Schonhardt der Zukunft optimistisch entgegen.
Die Karten seien weiter gefragt, die Führungen meistens ausverkauft, schildert er das große Interesse. Die „175. Spielung“steht am Freitag, 16. Oktober, an. Bei jeder Runde seien neue Teilnehmer dabei, aber auch solche, die seit Jahren immer wieder kommen, aus Villingen ebenso wie aus einem weiten Umkreis, oder Vereine und Gruppen, die in wechselnder Besetzung anzutreffen seien.
Gute Zusammenarbeit mit der Stadt und Organisationen
Und wenn ein neuer Amtsleiter oder Geschäftsführer seinen Dienst in Villingen antrete, bekomme er „zur Integration“ eine Karte, verrät Schonhardt mit einem Lächeln. Und die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und Organisationen wie der Feuerwehr gewährleiste einen reibungslosen Ablauf, betont Jörg Westermann.
Dass nicht nur die Akteure und die Zuschauer an dem Historienspiel ihren Spaß haben, sondern auch noch soziale Projekte davon profitieren, freut das Team besonders. Außer den notwendigen Investitionen in die Technik oder die Ausstattung seien Einnahmen und Spenden, die beim Umtrunk in der „Schwarzen Mohrin“ eingehen, für verschiedene gemeinnützige Zwecke gedacht, stellt Schonhardt fest. Geld sei beispielsweise an Refugio, die Katharinenhöhe, die Sternenkinder oder zuletzt auch an die Opfer des Brandes in der Gerberstraße gegangen.
Karten oft schnell ausverkauft
Der Besuch des Spektakels lohnt sich also doppelt. Und eine Karte biete sich als ideales Weihnachtsgeschenk an, erklärt Richter. Er rät übrigens, sich beim Vorverkauf zu beeilen, denn die Tickets für Wächters Runde seien begehrt.
Karten
Termine
Die nächsten Wächters-Runden durch Villingen stehen jeweils donnerstags und freitags im Frühjahr am 19. und 20. März, 26. und 27. März sowie im zweiten Durchgang im Herbst am 16., 22. und 23. Oktober auf dem Programm. Die Touren starten um 19 Uhr am Riettor. Karten gibt es im Vorverkauf für 20 Euro am Samstag, 6. Dezember, von 9 bis 10.30 Uhr im Laubengang vor dem Franziskanermuseum. Um schon mal auf die szenische Stadtführung einzustimmen und mögliche Wartezeiten zu überbrücken, tritt der Chor der Wächters Runde auf. Kontakt gibt es untrer E-Mail waechter-runde-villingen@gmx.de.