Inmitten der Hitzewelle traf sich der Ausschuss für Kultur, Umwelt und Soziales im Nagolder Rathaus. Auch im Ratssaal waren die Gemüter erhitzt. Die Zahl der Kinder steigt, es mangelt an Kita-Plätzen und an Fachkräften ebenso.
Nagold - Woher kommt die Sonne eigentlich im Moment? Würde es etwas bringen, ein Fenster zu öffnen? Und wenn ja, welches? Diese Fragen stellten sich zu Beginn der Sitzung des Kusa. Thematisch stand auf der Tagesordnung allerdings ein anderer Schwerpunkt: der Situationsbericht aus den Kindertageseinrichtungen der Stadt.
Vorgestellt und verlesen wurde der Bericht von Birgit Maier, der Leiterin des Amtes für Bildung und Betreuung. Die Zahlen kurz heruntergebrochen: Nagolds Bevölkerung wächst, es werden mehr Kinder geboren. Diesen Teil hebt Oberbürgermeister Jürgen Großmann positiv hervor: "Wir brauchen dieses Wachstum." Auch sei das Maß in dem die Bevölkerung wachsen würde angemessen.
Container-Lösung ist unsicher
Das Problem ist, dass die Anzahl der Betreuungsplätze nicht im selben Maße steigt. Auch 2022 können wieder nicht alle Kinder in die Wunsch-Kita aufgenommen werden. Neue Räumlichkeiten, etwa zwei Waldkindergärten, von denen einer seit März geöffnet ist und ein weiterer im September seine Pforten öffnen soll, reichen bei weitem nicht aus. Auch eine Übergangslösung mit Containern ist aufgrund der Marktlage weiterhin unsicher.
Hinzu kommt der ohnehin herrschende Fachkräftemangel. Die Mitarbeiterinnen in den Kindertageseinrichtungen reichen beileibe nicht aus, um den Bedarf zu decken. Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei und ständige Ausfälle können kaum aufgefangen werden. Neue Fachkräfte anzulocken erweist sich wiederum auch in Nagold als ein schwieriges Unterfangen.
Grundsätzlich ist die Botschaft der Stadt zweierlei. Zum Einen sollen neue Einrichtungen gebaut werden. Insbesondere die neue Einrichtung am Platanen-Kubus gehöre dazu, aber auch die beiden Waldkindergärten. Auch im Finkenweg besteht potenziell die Möglichkeit, eine neue Einrichtung zu bauen, allerdings ist unklar, ob die derzeitige Marktlage das zulässt.
Thema Fachkräftemangel
Andererseits müssen in den neuen Einrichtungen auch dafür nötige Fachkräfte angestellt werden. Zu diesem Zweck habe es vor Ort bereits eine Tariferhöhung für die Mitarbeiterinnen der Kitas gegeben, eine Bemerkung die für auffällige Uneinigkeit bei den als Gäste anwesenden Kita-Mitarbeiterinnen führte. Demnach hätte es keine Tarifanpassungen für Kita-Leitungen gegeben.
Vorschläge der Ausschussmitglieder, leerstehende Wohnungen zu Kitas umzufunktionieren oder besondere Privilegien für neue Mitarbeiterinnen wurden allerdings als logistisch schwierig oder nicht zu rechtfertigen abgetan. Letztendlich fehlt es der Stadt an den nötigen Finanzen, für deren Aufkommen es keine Lösungsansätze gab.
Im Rahmen der öffentlichen Sitzung fielen dann letztlich auch keine Entscheidungen mehr. Zum Abschluss wurde den Kita-Mitarbeiterinnen nochmals mit Beifall gedankt. Wie diese den drohenden dritten Corona-Herbst stemmen sollen, bleibt bei allem Dank unklar.
Info: Situationsbericht Kindertageseinrichtungen
Geburten
Seit 2017 ist die Anzahl der Geburten in Nagold stetig angestiegen. Waren es damals noch 187 neue Geburten, so wurden 2020 schon 246 neue Kinder in Nagold gezählt.
Plätze
Das Verhältnis von Kita-Kindern zu Kita-Plätzen reicht nicht aus. Am schlechtesten steht es um den Teilort Vollmaringen, wo auf 85 Kita-Kinder im Kita-Jahr 2022/23 nur 50 Plätze kommen. Im Kernstadtgebiet mit den Teilorten Lemberg und Kernen kommen im Kita-Jahr 2022/23 389 Kinder auf nur 305 Plätze.
Änderungen
In Hochdorf wurde im Frühling 2022 eine halbe Kita-Gruppe mit zwölf Plätzen neu gestartet. Die Plätze dort sind schon fast voll belegt. In Hochdorf wurde im März ein Waldkindergarten mit 20 Plätzen eröffnet, ein weiterer Waldkindergarten folgt im September in Rötenbach. In Lemberg wurde zudem eine Umstellung zu verlängerten Betreuungszeiten durchgeführt.
Fachkräfte
Der Fachkräftemangel ist weiterhin groß. Zu keinem Zeitpunkt war im Kita-Jahr 2021/22 eine Arbeit mit vollem Personal gegeben. Frei werdende Stellen können wegen geringer Bewerberzahlen und bestehenden Kündigungsfristen oft nur deutlich zeitversetzt nachbesetzt werden.