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Wachstum Ein Blick über den Zaun

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Die Entwicklungsflächen für neue Immobilien sind in der Landeshauptstadt durch die Lage begrenzt. Foto: Mierendorf

Stuttgart - Ein Koffer steht gepackt hinter ihrem Schreibtisch. Ob das schon die Vorzeichen der internationalen Immobilienmesse Mipim seien? Ines Aufrecht, seit knapp einem Jahr als Nachfolgerin von Klaus Vogt die neue Wirtschaftsförderin der Landeshauptstadt, schüttelt den Kopf. Nein, ein Kongress in Berlin steht an. Eine von vielen Verpflichtungen in diesen Tagen.

In der Tat hat die Wirtschaftsförderin alle Hände voll zu tun, die aktuellen Themen abzuarbeiten. Zwar hat auch Ines Aufrecht das Ergebnis des Volksentscheides zu Stuttgart 21 mit Erleichterung aufgenommen, allerdings lösen die auf die Zukunft gerichteten Planungen nicht die aktuellen Flächenprobleme der Stadt. Nach wie vor suchen Immobilienentwickler händeringend geeignete Wohn- und Gewerbeflächen in der Landeshauptstadt. Hinzu kommt, dass die von weiten Teilen der Immobilienwirtschaft in den zurückliegenden Jahren immer wieder angemahnten Marketingmaßnahmen für den städtebaulichen Teil von Stuttgart 21 bislang aufgrund des noch sehr weit in der Ferne gelegenen Baubeginns eher auf Sparflamme gehalten wurden. Ines Aufrecht hält jetzt aber die Zeit für reif, „die Chancen und Perspektiven” dieses Städtebauprojektes stärker in den Vordergrund zu rücken. Erste Gelegenheit dazu hat die Wirtschaftsförderin auf der internationalen Immobilienmesse in Cannes, an der sich die Landeshauptstadt in diesem Jahr wieder mit einem repräsentativen Messestand beteiligt.

In Stuttgart herrscht latente Knappheit an brachliegenden Flächen

Allerdings steckt Ines Aufrecht dabei in einem zeitlichen Dilemma. Während auf dem Stuttgart-21-Areal frühestens in 15 bis 20 Jahren ein neues Baugebiet entsteht, herrscht in der Landeshauptstadt schon seit Jahren eine latente Knappheit an brachliegenden Flächen. Vor allem das produzierende Gewerbe findet in der Landeshauptstadt schon lange keine Flächen mehr. Für Ines Aufrecht könnte eine Lösung des Problems in interkommunalen Gewerbegebieten liegen.

Doch „Echterdingen-Ost”, das erste gemeinsame Gewerbegebiet von Stuttgart und Leinfelden-Echterdingen, liegt derzeit auf Eis. Die Filder-Stadt hatte vor gut zwei Jahren die Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt abrupt beendet. Der Gemeinderat fühlte sich damals von der Stuttgarter Verwaltungsspitze bei der Frage des Standortes für den neuen Fernomnibusbahnhof überrumpelt. Zwar redet man mittlerweile wieder miteinander, über erste Absichtserklärungen der Wirtschaftsförderungen sind aber bislang beide Seiten nicht hinausgekommen. Das liegt weniger am Willen der beiden Städte als auch an der Grundstückssituation. Vermutlich weiß man noch nicht, wie man das Problem des Grundstückserwerbs lösen soll, ohne Mondpreise für die benötigten Flächen an die Eigentümer bezahlen zu müssen. So bleibt der Wirtschaftsförderin derzeit nichts anderes übrig, als freie Flächen über die Nachverdichtung in der Stadt zu generieren. Doch auch das sei schwierig, gibt sie unumwunden zu, da viele der infrage kommenden Grundstücke ebenfalls nicht im Bestand der Stadt sind. Deshalb konzentriert sich die Wirtschaftsförderung derzeit auch darauf, für das einzige nennenswert große städtische Grundstück, den Neckarpark in Bad Cannstatt, vernünftige Nutzungen zu finden. Weitere Potenziale sieht Ines Aufrecht auch auf dem Schoch-Areal. Hier setze sie darauf, dass der Bestand gesichert werden könne. Darüber hinaus werde sich die Stadt sicher auch beim frei werdenden Hansa-Areal in Möhringen überlegen, welche Gestaltungsmöglichkeiten man über das Baurecht habe.

Büroetagen stehen leer - meist wegen vernachlässigter Infrastruktur

Während auf der einen Seite in der Landeshauptstadt - vor allem in den begehrten Innenstadtlagen - händeringend Flächen gesucht werden, stehen in Stadtrandlagen wie Weilimdorf immer öfter ganze Büroetagen leer. Die Gründe sind vielschichtig. Schwer wiegt allerdings die vernachlässigte Infrastruktur für einen modernen Bürostandort, wie die fehlenden Möglichkeiten zum Einkaufen und Einkehren sowie die Ansiedlung von Dienstleistern.

Zumal heute viele Unternehmen im Wettbewerb um die besten Fachkräfte auch den Standort in die Verhandlungen mit einbringen müssen. Das weiß auch Ines Aufrecht. Allerdings warnt sie auch davor, das Gebiet „schlechter zu machen, als es ist”. Immerhin habe das Gewerbegebiet eine exzellente Verkehrsanbindung. Und was die restliche Infrastruktur betrifft, wurde der Wirtschaftsförderung zumindest signalisiert, neue Planungen für kleinflächigen Einzelhandel nicht von vornherein abzulehnen. So könnte sich Aufrecht durchaus vorzustellen, dass das eine oder andere Unternehmen aus dem Stadtbezirk eine Dependance im Gewerbegebiet errichtet. Ein anderes Anliegen ist Ines Aufrecht das nachhaltige Bauen. So sollen beim diesjährigen Immobiliendialog Region Stuttgart Ende Juli die vorgestellten Projekte auch unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit betrachtet werden. Hier sehe sie ein großes Potenzial für die Stadt. Allerdings müsse es dazu auch gelingen, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen.

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