Amadou Balde aus Senegal (links) und Modou Ndiaye aus Gambia (Mitte) sind froh, bei Holzland Beha mit Inhaber Karl-Martin Beha (zweiter von links) und Sohn Niklas Beha (zweiter von rechts) einen Arbeitsplatz gefunden zu haben. Auch Klaus Meusel (Jobclub VS) freut sich für seine Schützlinge. Foto: Simone Neß

Über die Sahara nach Libyen und Italien bis nach Villingen-Schwenningen, mit dem Wunsch zu arbeiten und hier ein besseres Leben führen zu können – die beiden afrikanischen Männer Amadou Balde und Modou Ndiaye haben es geschafft.

Glücklich und zufrieden in einem familiären Umfeld – Karl-Martin Beha, Inhaber von Holzland Beha in Villingen, ist froh um die beiden Männer, die durch eine glückliche Fügung Arbeit bei ihm gefunden haben. Und dabei sieht er sich nicht nur als Arbeitgeber. „Es sind die Menschen, die da dahinter stecken“, erzählt er. Denn auch emotional bewegen den Geschäftsinhaber die Geschichten von Amadou Balde aus Senegal und Modou Ndiaye aus Gambia.

 

Wie kam Amadou Balde nach Deutschland?

Amadou Balde ist gerade mal 16 Jahre alt, als er sein Heimatland Senegal verlässt. Von der Familie ist er getrennt, seine einzige Bezugsperson, seine Oma, verstirbt. Der Wunsch nach Arbeit kann dem jungen Mann in Senegal nicht erfüllt werden. Deshalb entscheidet er sich sein Heimatland zu verlassen, durchquert die Sahara und gelangt bis nach Libyen. Dort flüchtet er in einem Schlauchboot nach Italien. Hier wird er erstregistriert, entscheidet sich dann aber weiter nach Deutschland zu gehen. Ein ganzes Jahr lang ist er unterwegs.

Angekommen in Villingen-Schwenningen spricht der junge Mann kein Wort Deutsch, besucht daraufhin die Albert-Schweitzer-Schule, um der Sprache mächtig zu werden. Der Kontakt mit Holzland Beha entsteht durch ein Schülerpraktikum, im Anschluss bekommt er dann sogar eine Lehrstelle. Doch das Glück bleibt nur von kurzer Dauer: Dem heute 24-Jährigen wird wegen fehlender Ausweisdokumente die Arbeitserlaubnis entzogen. Und damit auch die Möglichkeit, eine Ausbildung bei Holzland Beha zu absolvieren. Gleichzeitig steigt die Angst, jederzeit abgeschoben zu werden, denn der Lehrvertrag war eine Sicherheit für den 24-Jährigen. Zwei Jahre lang kann er nichts tun, ehe die Problematik hinsichtlich seiner Identität geklärt wird. Und dann bekommt er eine zweite Chance bei dem Holzunternehmen – ganz ohne Ausbildung arbeitet er hier nun inzwischen schon seit rund vier Jahren.

Wie kam Modou Ndiaye nach Deutschland?

Ein ähnliches Schicksal hat auch Modou Ndiaye erfahren. Der heute 33-Jährige hat vor rund acht Jahren Gambia verlassen, um nach Deutschland zu kommen und eine Arbeit zu finden. Denn sein Heimatland hat faktisch keine Industrie, die Menschen Leben von kleinen Ackerparzellen. Auch sein Weg führt über die Sahara nach Libyen und von dort aus geht es über Italien weiter nach Deutschland. Zurück lässt der Gambier, der trotz dem Schicksal nie seinen Humor verloren hat, seine Frau und seinen heute zehnjährigen Sohn.

Wirklich gut beginnt für den Gambier das Leben im Schwarzwald-Baar-Kreis aber nicht: Der 30-Jährige habe zunächst als Waldarbeiter in Unterkirnach gearbeitet, schildert Klaus Meusel vom Jobclub VS, einer Asyl-Unterstützergruppe im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Ndiaye habe unter dem Mindestlohn verdient und sei buchstäblich ausgebeutet worden. Umso schöner, dass der Flüchtlingshelfer einen Kontakt zur Firma Beha herstellen konnte. Hier arbeitet Ndiaye inzwischen seit über einem Jahr. „Diese Firma ist sehr gut“, sagt er und man merkt ihm an wie glücklich er ist, hier seinen Platz gefunden zu haben. Auch wenn auch bei ihm die Angst präsent ist, jederzeit abgeschoben werden zu können.

Was sagt der Geschäftsinhaber?

Heute sind die beiden Männer als Lagerist bei Holzland Beha tätig – ganz ohne Ausbildung, denn dem Inhaber war es wichtig, dass die Männer so schnell und so lange wie möglich hier arbeiten können. „Das war für uns der richtige Weg“, sagt Beha. Zentrale Rolle hat dabei auch der Führerschein für den Gabelstapler gespielt. Etwas, dass für den Job als Lagerist enorm wichtig, für jemanden, der allerdings nur gebrochen Deutsch sprechen kann, eine enorme Herausforderung sein kann.

Man habe jedoch eine gute Lösung gefunden, damit Balde und Ndiaye den Führerschein machen können und gleichzeitig die entsprechende sprachliche Unterstützung bekommen. „Heute fahren sie besser als jeder andere“, freut sich der Inhaber.

Beha ist merklich froh über die personelle Unterstützung. „Personal- und Mitarbeiternot haben wir immer“, schildert er die Problematik, „wenn die beiden nicht da wären, wären wir arm dran.“ Nicht nur deswegen seien Balde und Ndiaye wertvolle Mitarbeiter und ein „Glücksfall“. Unterstützt werden sie zudem auch fernab von Holzland Beha. So wurde dem 24-Jährigen geholfen, eine eigene Wohnung inklusive Möbel zu finden. „Da hat die ganze Firma mitgeholfen“, freut sich der Inhaber.

Wie geht es für die beiden Männer weiter?

Für Balde und Ndiaye heißt es bald Aufatmen: Das zum 1. Januar in Kraft getretene Chancen-Aufenthaltsgesetz bietet den aus Afrika stammenden Männern die Möglichkeit, einen Antrag auf Aufenthaltstitel zu stellen und damit in Deutschland dauerhaft bleiben zu können. Denn sie erfüllen die dafür notwendigen Anforderungen.

Dann könnte Ndiaye auch endlich seine Familie in Gambia besuchen, denn dann wäre es ihm gestattet, aus dem Land auszureisen. „Sie sind auf dem Weg neue Deutsche zu werden“, bringt es Meusel auf den Punkt.

Jobclub VS

Der Verein
Der Jobclub VS versteht sich als eine Asyl-Unterstützergruppe im Schwarzwald-Baar-Kreis und als Impulsgeber für überregionale Flüchtlingspolitik, heißt es auf der Webseite. Der gemeinnützige Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Asylbewerber zu beraten und zu begleiten, politisch Einfluss zu nehmen und die Gambia Entwicklungshilfe vor Ort zu unterstützen. Derzeit leben in der Doppelstadt Menschen aus 138 Nationen.