Massive Versorgungsengpässe werden schon lange beklagt. Die Stadt VS sieht sich in der Pflicht, gegenzusteuern. Einhellige Zustimmung findet die Idee, eine Genossenschaft zu gründen. Diese soll dann die Trägerschaft eines künftigen MVZs übernehmen. Was konkret geplant wird, war Thema im Verwaltungsausschuss.
„Kritisch“ – so sieht die VS-Verwaltung die haus- und kinderärztliche Versorgung. Das gilt für Villingen-Schwenningen, aber auch für den gesamten Landkreis.
Aktiv wolle man auf die Versorgungsengpässe reagieren und die Versorgungssicherheit kurzfristig, aber auch langfristig sichern, um so „die hohe Attraktivität des Standorts und der Lebensqualität weiterhin zu gewährleisten“, hieß es in der Vorlage für den Verwaltungsausschuss des Gemeinderats. Dafür soll – so ist es ja schon länger der erklärte Wille – ein Medizinisches Versorgungszentrum aufgebaut werden. Und dafür wiederum soll nun eine Genossenschaft gegründet werden.
In der Ausschusssitzung war der Tenor eindeutig: Alle Fraktionen sprachen sich für dieses Vorgehen aus. Zuvor hatte Oberbürgermeister Jürgen Roth die Gewährleistung der ärztlichen Versorgung als „eine Riesen-Herausforderung“ bezeichnet und klargemacht: „Unsere Bürger sind daran interessiert, dass wir das Problem lösen“.
Hilfe aus Melsungen
Für den Aufbau eines Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), das man benötige, um ärztliches Personal nach VS zu holen, favorisiere man für die Trägerschaft das Genossenschaftsmodell gegenüber der Gründung einer GmbH. Um das umzusetzen, habe man lange nach einem geeigneten Partner gesucht – und ihn in Form der Firma Diomedes gefunden.
Das Unternehmen aus Melsungen hat deutschlandweit schon zahlreiche solcher Genossenschaftsgründungen mit aufgebaut und bei der Einrichtung von MVZs entsprechend mitgewirkt.
Diomedes-Mitarbeiter André Saliger war in der Ausschusssitzung vor Ort und berichtete unter anderem vom Gesundheitsnetzwerk Heuberg im Landkreis Tuttlingen in Bubsheim, das er mit betreut hat.
Dass eine Genossenschaft Träger des MVZ werden soll, habe viele Vorteile: ein damit einhergehendes, vergleichsweise niedriges Haftungsrisiko, die Gemeinwohlorientierung, eine Zusammenarbeit von Ärzten und Kommunen und dass man es hier nicht mit einem Übernahmeobjekt für Finanzinvestoren zu tun habe. Gleichzeitig betonte er: Der Aufbau eines MVZ brauche „Glaube, Zuversicht und Geduld“. Bis das MVZ betriebswirtschaftlich erfolgreich arbeite, werde sicher eine gewisse Zeit ins Land gehen. Allen müsse bewusst sein, „dass es eine Teamaufgabe ist.“
Einstimmige Empfehlung
Die Ausschussmitglieder gaben einen einstimmigen Empfehlungsbeschluss an den Gemeinderat ab, die Verwaltung zu beauftragen, gemeinsam mit dem Schwarzwald-Baar-Klinikum die Gründung einer gemeinnützigen Genossenschaft vorzubereiten.
Aus den Fraktionen kam einhellige Zustimmung zu dem Vorgehen. Katharina Hirt (CDU) sagte: „Wie freuen uns, wenn die Idee Fahrt aufnimmt“, Veronika Bastian (FWV) meinte:„Das ist mehr oder weniger alternativlos“.
Olaf Barth erklärte für die AfD-Fraktion, dass diese „der Idee grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber“ stehe, aber auch den Landkreis stärker in der Verantwortung sehen möchte. OB Roth betonte, dass der Kreis schon große Anstrengungen unternehme, etwa durch das Gesundheitsnetzwerk oder auch durch den Weiterbildungsverbund. Gleichzeitig sei es möglicherweise denkbar, dass der Kreis als Teil der Genossenschaft beim MVZ mit agiere; das wolle man anstoßen.
Ulrike Merkle (Grüne) sagte: „Wir stehen vollkommen hinter dem MVZ und die Genossenschaft ist für uns das tragfähigste Modell.“ Zwar könne ein solches Zentrum sich keine Ärzte backen, aber es bilde wenigstens einen Anreiz.
Birgitta Schäfer erklärte für die SPD-Fraktion: „Wie halten ein MVZ für eine Herausforderung, aber auch für eine Chance“ und „für eine langfristige Investition für unsere Kommune.“ Kathrin Piazolo (FDP) unterstützte das Vorgehen ebenfalls.
Auf dem Weg zum MVZ
Was ist ein MVZ?
Es handelt sich um eigenständige Leistungserbringer, in denen mehrere ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte kooperativ unter einem Dach zusammenarbeiten. Inhaberschaft und ärztliche Behandlungstätigkeit werden organisatorisch getrennt. Die Leitung eines MVZ muss in der Hand eines Arztes oder einer Ärztin liegen. Gründen können MVZs aber auch Kommunen oder Landkreise, ebenso wie Ärzte selbst oder Krankenhäuser, gemeinnützige Träger oder Praxisnetze. Die Genossenschaft
Gründungsvoraussetzung sind mindestens drei Genossenschaftsmitglieder. Hier wird neben der Stadt an das Schwarzwald-Baar-Klinikum und den Landkreis oder eine andere Kreiskommune gedacht. Möglich wäre als Genosse eventuell aber auch die städtische WIR GmbH. Der Standort
Langfristig werden zwei MVZ-Standorte angestrebt – einer in Villingen und einer in Schwenningen. Die Kosten
Anhand von Vergleichswerten wird für den laufenden Betrieb eines MVZ mit vier Ärzten mit Kosten von rund 762 000 Euro gerechnet. In der Anfangsphase geht man von Defiziten aus, die es auszugleichen gelte.