Sucht die SPD schon einen Gegenkandidaten zu OB Jürgen Roth? Aussagen aus Stuttgart, Geldfragen und die OB-Wahl in Offenburg sorgen für Bewegung.
Gut informierte Kreise wollen es genau wissen: Die SPD sucht bereits aktiv nach einem Kandidaten, der bei der Oberbürgermeisterwahl am 4. Oktober 2026 seinen Hut gegen den amtierenden CDU-OB Jürgen Roth in den Ring wirft, heißt es.
In der Tat: Im aktuellen Wahlkampftreiben ums Stuttgarter Parlament und den Wahltag am 8. März kaum wahrnehmbar, rückt auch dieser Wahltermin unaufhaltsam näher. Doch suchen die Sozialdemokraten tatsächlich?
Wir haben uns umgehört bei einem, der es wissen muss.
Blick nach Stuttgart
Nicola Schurr, der Fraktionssprecher der SPD im doppelstädtischen Gemeinderat, lacht. „Klar, wir suchen immer“, gibt er freimütig zu. Doch was nach einer Bestätigung der Gerüchte klingt, entpuppt sich bei genauerer Nachfrage dann doch als äußerst vage. Die Sozialdemokraten stimmten sich, gibt Schurr Einblick, seit etwa 15 Jahren auf Landesebene laufend über anstehende Bürgermeister- oder Oberbürgermeisterwahlen in Baden-Württemberg und geeignete Kandidaten ab. Aktuell aber sei es für Villingen-Schwenningen noch etwas zu früh, denn: Erst nach den Landtagswahlen am 8. März werde erfahrungsgemäß in den Ministerien „ausgesiebt“. Nach den Wahlen finde meist das große Stühlerücken statt und sei dann auch der Zeitpunkt, bei dem sich mögliche Kandidaten für Bürgermeister-Wahlen aus dieser Ecke aus der Deckung trauten. „Wir haben noch keine tatsächliche Person auserkoren“, lässt Schurr daher gegenwärtig wissen, bestätigt aber auch, dass eine „Findungsgruppe“ sich sehr wohl bereits zum Thema ausgetauscht habe.
In Konkurrenz zu Offenburg
Und beim Gedanken an die OB-Wahl von VS richtet sich der Blick unweigerlich auf eine weitere OB-Wahl nicht allzu weit entfernt: Offenburg braucht einen neuen Oberbürgermeister, Amtsinhaber Marco Steffens – übrigens ein gebürtiger Villingen-Schwenninger – tritt nicht mehr an, wie er Anfang Januar in einer Pressekonferenz aus persönlichen Gründen erläuterte. Er wolle seinen erkrankten Vater in Villingen pflegerisch unterstützen, hatte er mitgeteilt.
Die Oberbürgermeisterstelle in Offenburg aber gilt als finanziell lukrativer als die Position in Villingen-Schwenningen – das in Kombination mit der Tatsache, nicht gegen einen Amtsinhaber antreten zu müssen, dürfte also ein echtes Argument für potenzielle Oberbürgermeisterkandidaten im deutschen Süden sein, ihren Hut in Offenburg, statt in VS in den Ring zu werfen.
Teure Angelegenheit
Dass dieser Schritt indes keine Kleinigkeit ist, geht aus einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hervor: So ein OB-Wahlkampf kostet viel Geld, der Studie nach müsse der Kandidat pro Einwohner der betreffenden Stadt etwa einen Euro aufbringen – im Falle von VS wären das also knapp 90 000 Euro.
Wer sich zutraut, den amtierenden OB Jürgen Roth, der seine Kandidatur schon angekündigt hat, aus dem Amt zu kegeln und wem dieser Versuch das nötige Kleingeld wert ist, das wird sich also noch zeigen müssen. Und während in Stuttgarter Kreisen zu hören ist, die Grünen suchten – gleichzeitig mit der SPD – bereits auf Hochtouren nach einem potenziellen Roth-Nachfolger, bleibt man vor Ort in der Baden-Württemberg-Stadt noch gelassen und hält man es nicht für unwahrscheinlich, dass sich die Grünen, wie beim letzten Mal, an den Wahlvorschlag der SPD anhängen werden.