Villingen-Schwenningen will das eigene Profil schärfen. So manchem dauert der Prozess aber deutlich zu lange. Mehr Tempo forderten im zuständigen Ausschuss jetzt Mitglieder des Gemeinderats.
Was ist der Markenkern von VS? Wie will sich die Stadt nach außen darstellen und wie will sie erreichen, dass die Bürgerinnen und Bürger sich verstärkt mit ihr identifizieren? Ideen dafür gibt es – und die sollen in eine Stadtmarke gegossen werden.
2023 hat die Stadt den Prozess dafür angestoßen. Stadtmarketingchef Matthias Jendryschik gab jetzt im Verwaltungs- und Kulturausschuss des Gemeinderats einen Überblick darüber, wie weit es damit jetzt her ist.
Demnach gab es bisher Gespräche mit mehreren Beteiligten, Stadtspitze, Amtsleitern, Stadtmarketing, WIR GmbH und Gewerbeverband Oberzentrum „zur Zielsetzung und zum Vorgehen“. Zudem habe man sich informiert, wie andere Kommunen das Ganze angegangen sind. Mit Agenturen führte man „erste Sondierungsgespräche“ und besprach mögliche Herangehensweisen. Weil allerdings im vergangenen Jahr viel los war, habe man die Ausschreibung noch nicht fertigstellen können, was man jetzt aber demnächst umsetzen möchte.
„Es zieht sich in die Länge“
Bernd Bucher kritisierte seitens der Freien Wähler im Ausschuss, dass man „in den kleinen Sachen nicht weiter“ komme. „Den Zeitstrahl, den Sie uns vorgeben, können wir fast gar nicht akzeptieren”, monierte er in Richtung Matthias Jendryschik, „es zieht sich in die Länge.” Der Stadtmarketingleiter und WIR-Geschäftsführer räumte daraufhin ein: „Auch wir hätten es gerne früher gehabt.” Man versuche nun, „an der einen oder anderen Stelle vielleicht zu beschleunigen.”Zur Angebotsabgabe sollen mindestens fünf Agenturen direkt angesprochen werden. Die Angebote sollen bewertet und die drei besten Agenturen zu einer kurzen Präsentation eingeladen werden.
Ein Auswahlgremium soll sich dann letztendlich für eine Agentur entscheiden, die den Markenbildungsprozess begleiten wird. Wichtig bei der Auswahl der Agentur ist den Verantwortlichen unter anderem, dass diese Erfahrungen im Stadtmarketing hat, die Komplexität von Städten und Stadtverwaltungen kennt. Bei der Stabsstelle Stadtmarketing sind für 2025 die Summe von 100 000 Euro im Haushalt vorhanden. Die Gelder werden für die Beauftragung der externen Agentur sowie für ein begleitendes Gestaltungskonzept eingesetzt. Gelder für die Umsetzung der Maßnahmen aus dem Markenbildungsprozess werden in den Doppelhaushalt 2026/2027 eingeplant.
„Nur heiße Luft“
Olaf Barth meinte für die AfD: „Wir halten uns eine leistungsfähige Stabsstelle und eine ganze Geschäftsstelle.” Von einer Agentur sei nur „heiße Luft” zu erwarten. Seine Fraktion seien nicht bereit, „auch nur einen Cent in eine private Agentur hineinzugeben.”
Ulrike Merkle (Grüne) bedankte sich dafür, dass man sich des Themas annehme, stellte aber auch die Frage, ob denn tatsächlich mehrere Planungsgruppen sinnvoll sind. Eine sogenannte Spurgruppe soll in regelmäßigen Abständen Zwischenstände und Ergebnisse zur weiteren Bearbeitung freigeben und gemeinsam mit der Projektgruppe die Begleitagentur auswählen. Der Spurgruppe soll neben dem Oberbürgermeister auch jeweils ein Vertreter der Fraktionen angehören. Im Verlauf des Stadtmarkenbildungsprozesses sollen zudem verschiedene Interessensgruppen und Interessensvertreter, Bürgerinnen und Bürger sowie der gesamte Gemeinderat miteinbezogen werden, zum Beispiel durch Workshops, Interviews oder Befragungen. In „circa einem Jahr“ will man die „definierten Bausteine fertig erarbeitet“ haben.
Balance ist gefragt
Ulrike Merkle fragte, ob die Vielzahl der Eingebundenen das Ganze nicht vielleicht etwas aufblähe? „Könnte man es nicht kompakter gestalten?“, fragte sie. Matthias Jendryschik entgegnete, dass man unbedingt zum Mitmachen motivieren und möglichst die Stadtgesellschaft gut abbilden wolle. Es gelte dabei aber natürlich auch, die richtige Balance zu finden.
Birgitta Schäfer (SPD) sagte, dass ihre Fraktion angesichts des vorgelegten Tempos „etwas enttäuscht” sei, „wir denken, dass das Ganze ein bisschen schneller vorangehen kann.“ Auch die Sozialdemokraten meinen, dass die Einbindung zu vieler Gruppen nicht erforderlich ist, sähen aber „ die Idee dahinter“ und denke grundsätzlich, dass das Bemühen um eine Stadtmarke „ eine sinnvolle Sache ist”.
Nächster Workshop im Herbst
Ein weiterer Workshop für den Stadtbezirk Villingen soll im Herbst stattfinden. Angestoßen ist zudem eine Tourismuskonzeption, die parallel läuft. Und auch die Ausrichtung der Heimattage Baden-Württemberg 2027 soll von den Konzeptionen profitieren, während diese Großveranstaltung wiederum gleichzeitig als Multiplikator der neuen Stadtmarke dienen soll.