Neben der Eichenbachhalle wird kein neuer Skatepark entstehen. Foto: Reinhard

Nach jahrelanger Planung zieht Haslach die Reißleine: Der Rat hat entschieden, den Skatepark nicht weiter zu verfolgen. Die Entscheidung sorgte für emotionale Reaktionen.

Die Entscheidung ist gefallen: Der Haslacher Skate-Park wird nicht wieder aufgebaut – zumindest nicht in der ursprünglich geplanten Form. Das hat der Haslacher Gemeinderat am Montagabend beschlossen. Das Votum nahm nicht jeder im Saal gefasst auf. Bürgermeister Armin Hansmann musste sogar die Polizei anrufen.

 

Wie berichtet hatte die Stadt seit fast fünf Jahren den Plan verfolgt, an der gleichen Stelle, an der früher der Haslacher Skatepark zu finden war, einen neuen zu errichten. Der alte neben der Eichenbach-Sporthalle hatte beim Neubau des Stadions weichen müssen. Für die Gemeinderatssitzung am Montagabend hatte die Verwaltung das Projekt erneut auf die Tagesordnung gesetzt und empfohlen, dessen Weiterführung in der ursprünglich gedachten Form zu überdenken. Als Gründe waren unter anderem die angespannte Haushaltslage der Stadt sowie planerische Schwierigkeiten an der angedachten Örtlichkeit angeführt worden. Bürgermeister Hansmann selbst nannte im Gespräch mit unserer Redaktion als weiteren Grund den „überschaubaren“ Nutzerkreis des Skateparks und regte an, stattdessen eine Art Funpark anzustreben, der nicht nur ein paar Elemente für Skater, sondern auch beispielsweise einen Basketballkorb und einen Bolzplatz biete – und das am besten an einem vollkommen anderen Ort.

Der Gemeinderat schien diese Ansicht zu teilen und stimmte am Montagabend dafür, den Skatepark in seiner ursprünglich angedachten Form nicht weiter zu planen. Stattdessen soll nach einer Alternative gesucht werden, sowohl vom Umfang her als auch bezüglich des Orts. „Wir müssen da noch einmal reingehen“, fasst Hansmann es zusammen.

„Neue Runde“ für Förderung ist nötig

Dies soll unter Mitwirkung von sachkundigen Bürgern geschehen. Dazu könnten Menschen mit Skatebezug gehören sowie welche aus der Jugendsachbearbeitung. Angedacht ist, das Ganze an den Ausschuss für Jugend und Soziales anzubinden. Es soll noch ein Aufruf in Nachrichtenblatt erfolgen, eventuell auch in den sozialen Medien. Hansmann betont aber, dass die Zahl der sachkundigen Bürger überschaubar gehalten werden soll, um Entscheidungsprozesse nicht zu verlangsamen.

Sicher ist aber schon jetzt, dass auch in Sachen Förderung eine „neue Runde“ eingelegt werden muss. Die zugesagten Leader-Gelder in Höhe von knapp 150 000 Euro waren nämlich an den bisherigen Plan gekoppelt. Ein Grund mehr, warum der Bürgermeister das Votum des Gremiums als „schwierige, aber richtige Entscheidung“ bezeichnet.

Er habe damit gerechnet, dass sie nicht überall auf Zustimmung stoßen würde, gerade bei den zahlreich anwesenden Skatern. Um die Kollegen vor Ort zu unterstützen, waren viele nach Haslach gekommen. Auch Vertreter des Offenburger Vereins zur Förderung des Skatesports (OG Skateboard) waren dabei. Nachdem der Rat den Antrag der LHL-Fraktion (Liste Haslach Lebenswert) abgelehnt hatte, zur Finanzierung des Skateparks eine Bettensteuer von zwei Euro einzuführen, sei einer der skatenden Zuhörer laut geworden, berichtet Hansmann. Er sprang von seinem Platz auf und stürmte nach vorn, wobei nicht ganz klar gewesen sei, ob er sich dabei in Richtung des Bürgermeisters, der den Sachvortrag zum Thema gehalten hatte, oder zu jemand anderen hin bewegen wollte. Bevor er aber jemanden erreichen konnte, hätten einige der anderen Zuhörer schon eingegriffen und ihn zur Tür hinaus bugsiert. Dort wurde der Störenfried handgreiflich, so dass der Bürgermeister, der vor seinem Amtsantritt selbst bei der Bundespolizei tätig war, vorsichtshalber die Polizei rief. Deren Eingreifen war dann aber nicht mehr nötig, der Mann verließ das Gebäude.

„Es gab ganz schön Gerumpel im Rathaus. Ich hatte mit Buh-Rufen und störenden Meldungen gerechnet, aber nicht mit dieser Heftigkeit“, gibt Hansmann zu. Er betont aber, dass es sich um das Handeln einer einzelnen Person handle, der nicht stellvertretend für die Skater-Community stehe. Die anderen seien die Sitzung über friedlich geblieben.

LHL-Gemeinderat Hinzmann ist frustriert

Diese soll in den weiteren Prozess miteingebunden werden. Die Haslacher Verwaltung will Kontakt mit OG Skateboard aufnehmen, um mit ihnen zu eruieren, was aus ihrer Sicht alles möglich ist. Desweiteren sollen als nächster Schritt gezielt Bürger angesprochen werden, die als Sachkundige in Frage kommen und weitere per Aufruf gesucht werden. Mit ihnen soll ein Grobkonzept abgestimmt werden.

Nicht überzeugt – weder vom weiteren Vorgehen noch vom Votum des Gremiums – ist Gemeinderat Yannik Hinzmann. Er und die LHL hatten im Vorfeld dafür geworben, den Skatepark zu erhalten. Er glaubt nicht mehr daran, dass aus dem Projekt etwas wird – auch nicht in abgeänderter Form. „Der Beschluss ist ein Signal, das Ganze auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben. Meiner Meinung nach ist das Projekt damit beerdigt“, ist er sich sicher. Mit den geplanten anstehenden Ausgaben zum Beispiel für die Schwimmbad- oder Kanal-Sanierung sei klar, dass für die Jugend nichts mehr übrig bleibe. Hinzmann moniert, dass über zu wenig Geld geklagt werde, aber der Vorschlag der LHL zum Generieren von Einnahmen abgelehnt wird. „Ich war in meiner ganzen politischen Karriere noch nie so frustriert“, gibt er zu. Es brauche dringend einen Ort für die Jugendlichen, „sonst hängen sie irgendwo herum“.

Rückblick

Das ursprüngliche Vorhaben gründete sich auf einer Umfrage. Bei dieser wurden 2021 Jugendliche befragt, was mit dem Areal des ehemaligen Skateparks geschehen sollte. Die Mehrheit wünschte sich eine neue Anlage. Bei einem Treffen im November 2022 wurde mit Skatern ein mögliches Konzept besprochen. Im Mai 2024 stellte die Haslacher Verwaltung einen neuen Plan für den Skatepark vor.