Holger Härter. Foto: dpa

Ein Mitarbeiter der französischen Bank BNP Paribas entlastet Ex-Porsche-Finanzchef Holger Härter vom Vorwurf des Kreditbetrugs.

Stuttgart - Beim Versuch, den VW-Konzern zu übernehmen, hat der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche Ende 2008 und Anfang 2009 offenbar ein großes Geheimnis um seine Finanzlage gemacht. Darauf lassen erste Zeugenaussagen vor dem Landgericht schließen, wo sich der damalige Porsche-Finanzchef Holger Härter sowie zwei seiner früheren Abteilungsleiter wegen des Vorwurfs des Kreditbetrugs verantworten müssen. Demnach ist Härter der französischen Großbank BNP Paribas, die als eine von mehr als einem Dutzend Banken an einem Kredit über zehn Milliarden Euro beteiligt war, viele Antworten schuldig geblieben. „Was wir wollen und was wir bekommen, ist nicht immer das gleiche“, sagte ein Kundenberater der deutschen Tochter von BNP, der die Kreditvergabe im März 2009 maßgeblich betreut hat. In E-Mails an Härter sowie bei persönlichen Treffen hatte er Bedenken über die Risiken eines Kredits geäußert und mehrfach Fragen etwa nach einem Alternativplan gestellt, wenn bei dem Übernahmeversuch etwas schief geht. Antworten darauf gab es kaum, eine detaillierte Auflistung der beim Prozess strittigen Optionspositionen von Porsche auf VW-Aktien habe er „nie gesehen“, sagte der Zeuge am Montag. Ab einem gewissen Zeitpunkt hat er wohl auch nicht mehr damit gerechnet: „Am Ende werden wir nicht sehr viel schlauer werden“, schrieb er Mitte Februar 2009 an BNP-Kollegen.

 

Porsche soll seinen Finanzbedarf um 1,4 Milliarden Euro zu niedrig beziffert und sich somit schöngerechnet haben

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, im Zuge der Kreditanfrage falsche Angaben gegenüber der Bank gemacht zu haben, um schneller an ein überlebenswichtiges Darlehen zu kommen. Demnach soll Porsche seinen Finanzbedarf um 1,4 Milliarden Euro zu niedrig beziffert und sich somit schöngerechnet haben. Die Angeklagten weisen die Beschuldigungen zurück und werfen der Behörde ihrerseits vor, Finanzbegriffe falsch übersetzt und sich verrechnet zu haben. Selbst dreieinhalb Jahre nach dem Scheitern der VW-Übernahme ist ihr Interesse allerdings groß, die tatsächliche Finanzlage Porsches zur damaligen Zeit unter Verschluss zu halten. Auf die Frage von Richter Roderich Martis hin, ob sich der Zeuge mal „mit der Liquiditätssituation von Porsche beschäftigt“ habe, wollte die Verteidigung die Öffentlichkeit vom Prozess ausschließen lassen, da Geschäftsgeheimnisse preisgegeben werden könnten. Der Richter begnügte sich allerdings damit, ein an die Wand projiziertes Schaubild auszuknipsen, das unter anderem den Porsche-Schuldenstand gegen Ende 2008 zum Inhalt hatte. Wie bei anderen Unternehmen inmitten der Finanzkrise überstiegen damals auch bei dem Autobauer zeitweise die Ausgaben die Einnahmen. Laut dem Zeugen sei die BNP aber zu dem Schluss gelangt, Porsche werde sich erholen und der Kredit sei ausreichend abgesichert. Zum Beispiel über den Anteil von über 50 Prozent der VW-Aktien, den Porsche damals besaß.

Dass die Bank das Darlehen trotz lückenhafter Informationen gewährt hat, konnte der Zeuge nicht für alle glaubhaft begründen. Letztlich hätten „die Angaben ausgereicht, um eine Kreditentscheidung zu treffen“, sagte er. In einer abschließenden E-Mail kurz vor der Kreditvergabe akzeptierte er sogar handschriftliche Streichungen durch Porsche, „bei uns hat sich wegen unseres Kredits niemand wirklich schlaflose Nächte gemacht“, betonte er. Die Frage des Richters, ob ein zusätzlicher Liquiditätsbedarf über 1,4 Milliarden Euro die Kreditentscheidung beeinflusst hätte, vermochte der Bank-Mitarbeiter im Nachhinein nicht zu beantworten. Er sah darin aber keine „signifikante Verschlechterung“, da sich Porsche ohnehin das gesamte Geld zur geplanten Aufstockung seines VW-Anteils von knapp über 50 auf knapp über 70 Prozent leihen musste. Ob nun 4,1 Milliarden (Härter) oder 5,5 Milliarden Euro - „hätte den Kohl nicht fett gemacht“. Auch dass zum Schluss alles anders gekommen ist und VW Porsche übernommen hat, „ändert nichts an der Werthaltigkeit des Kredits“, betonte der Zeuge. Dazu werden sich in den nächsten Prozesstagen seine BNP-Vorgesetzten in Deutschland und Frankreich äußern.