Nach der Entführung aus Rulantica im August 2025 erheben die Eltern schwere Vorwürfe gegen den Europa-Park (Symbolfoto). Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Am Rande des Missbrauchsprozesses erhoben die Eltern des Kindes Vorwürfe gegen den Europa-Park: Das Personal in Rulantica habe nicht bei der Suche geholfen, so die Eltern.

Bereits nach dem ersten Verhandlungstag des Prozesses gegen den Rulantica-Angeklagten scheint klar: Der 31-jährige Rumäne, der über seinen Anwalt ein Geständnis ablegte, dürfte am Ende des Prozesses zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt werden. Einige drängende Fragen sind aber noch offen. Etwa: Was waren die Beweggründe des Mannes?

 

Am Rande des Prozesses vor dem Freiburger Landgericht kam am Montagabend nach der letzten Zeugenaussage eine weitere Frage hinzu: Hätte die Entführung und der Missbrauch der Sechsjährigen möglicherweise verhindert werden können?

Nach Angaben der Eltern sei das damals sechs Jahre alte Mädchen bereits um etwa 19.15 Uhr an jenem verhängnisvollen Abend im August in Rulantica an einem Stand für Einmal-Tattoos verschwunden. Nur kurz habe der Vater, der wenige Meter entfernt stand, nicht hingesehen – und plötzlich war seine Tochter weg.

Mehr als eine Stunde soll das Kind im Spaßbad verschwunden gewesen sein

Aber: Erst um 20.21 Uhr soll der 31-Jährige laut Anklageschrift das Bad mit dem – nur mit einem Bikini und Badeschlappen bekleideten – Mädchen verlassen haben. Das Kind wäre demnach noch mehr als eine Stunde in Rulantica verschwunden gewesen und wurde von seinen Eltern gesucht.

Lautsprecherdurchsagen sollen den Eltern verwehrt worden sein

Dabei wendeten sich die beiden auch hilfesuchend an das Personal im Spaßbad, berichtete Rechtsanwalt Thorsten Schulte-Günne, der das Mädchen als Nebenklägerin vertritt, am Rande des Prozesses. Die Bitte, eine Lautsprecherdurchsage zu machen – auch durch die Eltern selbst auf Türkisch, die Muttersprache des Mädchens – sei mehrfach abgelehnt worden. Es solle keine Panik ausgelöst werden, hieß es Angaben der Eltern zufolge. Zudem seien weder Security noch das Personal im Kassenbereich über die Suche nach der Sechsjährigen informiert worden. Der Anwalt sprach von einer Pflichtverletzung des Personals.

Europa-Park äußert sich nicht zu den aktuellen Vorwürfen

Eigenen Angaben zufolge hat der Europa-Park in seinem Bad die Sicherheitsvorkehrungen nach dem Vorfall im August verschärft – unter anderem lassen sich optional Armbänder im Familienverbund koppeln. Zu den konkreten Vorwürfen der Eltern wollte sich das Unternehmen am Dienstagmorgen nicht äußern. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns nicht zu laufenden Gerichtsverfahren äußern“, teilte ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Was passierte in den 60 Minuten nach dem Verschwinden in Rulantica?

Was in den rund 60 Minuten zwischen dem Verschwinden des Mädchens und dem Verlassen des Bads passiert ist, ist nach wie vor unklar. Zwar räumte der Angeklagte am Montag alle Vorwürfe gegen ihn ein, detailliert zur Sache äußerte er sich jedoch bislang nicht. „Ich bereue es sehr, was geschehen ist, und möchte mich bei den Eltern und dem Kind entschuldigen“, ließ er über seinen Verteidiger erklären.

Klar ist, dass er bereits seit etwa 12 Uhr in Rulantica war. Am Abend soll er dem Mädchen angeboten haben, ein Taxi zu rufen – stattdessen verließ er um 20.21 Uhr mit ihm das Bad, draußen soll er sexuelle Handlungen vollzogen haben. Nachdem sich das Kind mehrfach wehrte, warf er es in ein Gebüsch und flüchtete. Nach 22 Uhr wurde sie von einem Pizzalieferanten in Kappel-Grafenhausen aufgegriffen, dessen Frau verständigte die Polizei.

Auch die Polizei steht in keinem guten Licht da

Die Aussagen der beiden Zeugen am Montag warfen zudem kein gutes Licht auf die Polizei. Erst nach mehrfachen Anrufen und rund 40-minütiger Wartezeit sei die Polizei gekommen, berichteten die beiden. Weil die Polizei zudem den Ort nicht gefunden haben soll, mussten die Zeugen – mit dem nach langem Fußmarsch erschöpfen Mädchen – zur Festhalle in Kappel fahren. Obwohl das Kind Schürfwunden an den Beinen hatte und von Schmerzen berichtete, soll sie gesamten Abend über nicht medizinisch versorgt worden sein, heißt es vom Nebenkläger-Anwalt.

Eine Anfrage unserer Redaktion ans Offenburger Polizeipräsidium leitete dieses „zuständigkeitshalber an die Staatsanwaltschaft Freiburg“ weiter. Von der Freiburger Behörde hieß es am Dienstagmittag: „Bitte haben Sie allerdings Verständnis dafür, dass während einer laufenden Hauptverhandlung keine Auskünfte zu Fragen gegeben werden können, die sich aus einzelnen Zeugenaussagen ergeben. Derzeit liegt die Auswertung und Würdigung der einzelnen Beweiserhebungen sowie der Gang der Beweisaufnahme allein beim erkennenden Gericht.“

Am Mittwoch geht der Prozess weiter – der Vater des Mädchens sagt aus

Am zweiten Verhandlungstag an diesem Mittwoch dürften vor allem die Vorwürfe gegen den Europa-Park im Fokus stehen. Denn der Vater des Kindes soll – anders als zunächst vorgesehen – nun doch öffentlich aussagen.