Der kanadische Thriller „Power Play“ wurde in den 1970er-Jahren teilweise in Lahr gedreht. Werner Schönleber vom Museum hat die Geschichte des Films vorgestellt.
Die kanadische Garnison und die malerische Altstadt Lahrs sind eine gute Kulisse, wenn es um einen Militärputsch in einem fiktiven, möglicherweise südeuropäischen Land geht. Der Historiker Werner Schönleber, der über das kanadische Militär in Lahr und in Söllingen promoviert hat, stellte einige ausgewählte Szenen des Films „Power Play“ in einem Vortrag vor. Unter anderem wurde in den Kasernen, auf dem Langenhard und in der Lahrer Innenstadt zwischen dem 22. und 28. April 1974 gedreht.
Auch wenn der Thriller in den 1970er-Jahren spielt, sind Bezüge wie die derzeitigen Machtspiele der US-amerikanischen Regierung vor der Küste Venezuelas nicht zu übersehen. Mit Peter O’Toole als Colonel Zeller und David Hemmings als Colonel Narrimen ist der Film, der 1978 in die Kinos kam, hochkarätig besetzt.
Einen nachhaltigen Eindruck hat der Thriller allerdings in der Kinogeschichte nicht hinterlassen. Eine Kritik in der englischen Ausgabe der Wikipedia bezeichnet die Story als „banal“ und „vorhersehbar“. Colonel Narrimen wird von seinem Lehrer Jean Rousseau (Barry Morse) überzeugt, aufgrund eines bevorstehenden Staatsstreichs im Dienst zu bleiben. Am Ende gelingt der Putsch und Zeller drischt hohle Phrasen, wie sie bisher nach einem jeden Militärputsch an jedem beliebigen Ort auf der Welt auftauchen. Rousseau korrumpiert sich gegenüber den neuen Machthabern.
Fiktiv, aber sehr realistisch dargestellt
Schönleber hat in seinem Vortrag nicht die Absicht gehabt, die Qualität des Films zu bewerten. Es ging ihm vielmehr darum, auf ein – nicht nur historisches – Muster hinzuweisen, das mit Militärputschen zusammenhängt. Das werde, so der Referent, gerade in diesem Film besonders deutlich. „Was passiert nach dem Putsch?“ Nach der letzten Szene des zwar fiktiven, aber auch sehr realistisch dargestellten, Putsches konnte Schönleber zu Recht mit der rhetorischen Frage antworten: „Hat sich etwas geändert?“
Die erste gezeigte Szene ist im Film eine Art Ouvertüre, die alle Themen des gesamten Inhaltes kurz anspielt. Andere Szenen – teilweise nachts aufgenommen – zeigen die Zeit nach dem Putsch. Die neuen Machthaber wenden Gewalt an und die Folter gehört selbstverständlich dazu. Laut Schönleber spiegelt das Erschießungskommando exakt die Szene aus der Eingangssequenz, wo – vorerst – nur die Gewehre gezeigt werden.
Die gezeigten Szenen waren aufgrund des Beamers, einer mehr als 50 Jahre alten Aufnahmetechnik und der fehlenden Synchronisation nicht besonders qualitativ. Auch war der Vortrag am Donnerstagabend nicht allzu gut besucht.
Schönleber übersetzte die Dialoge, wenn es wichtig war, wörtlich, um seine Intention zu untermauern. Ein Zitat, das fälschlicherweise, so Schönleber, Bertolt Brecht zugeschrieben wird, war hier wichtig: „Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“ Dem stellte der Referent zwei Leitfragen gegenüber: Wer bestimmt, was Recht und was Unrecht ist? Und: Welche Methoden gibt es, um Recht (wieder)herzustellen?
Das Jahrzehnt der Militärputsche
Seine klare Antwort war, dass der Film ein „Statement gegen einen jeden Putsch“ sei. Das wurde nicht immer so gesehen: Denn, laut Vorspann im Film, hatten die Drehbuchautoren sich von einem realen „Putschhandbuch“ aus dem Jahr 1968 inspirieren lassen. Schönleber erinnerte daran, dass die 1970er-Jahre das Jahrzehnt waren, in dem es sehr viele Militärputsche gegeben hat.
Genannte Beispiele waren der von den USA unterstützte Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende in Chile (1973) oder ein Militärputsch in der Türkei (1971). Allerdings, das ist eine seltene Ausnahme, gab es auch die Nelkenrevolution in Portugal 1974. Das Militär half, den rechten Diktator António Salazar zu stürzen.
Lahrer Statisten
In der Eingangsszene von „Power Play“, in der die Lahrer Innenstadt aufgrund der schnellen Schnitte immerhin zu erahnen ist, werden zwei Minister der im Film „legitimen“ Regierung verhaftet, dargestellt von Statisten aus Lahr. In einem Vortrag vor rund 20 Jahren, als Teile des Films in der Stadtmühle gezeigt wurden, stellte der langjährige Kulturamtsleiter Bernhard Maier die Statisten namentlich vor. Ein Minister wurde von Kuno Franz gespielt, damals im Lahrer Ordnungsdienst in Uniform tätig; den anderen Minister mimte Roland Huber (Wirt der Gaststätte „Terass“). Maier selbst ist für etwa zwei Sekunden im Film zu sehen.