Eine Ettenheimer Delegation hat vom Besuch in der ukrainischen Partnerschaft Vilkhovetska berichtet. Wie die Menschen mit dem Krieg umgingen, sei beeindruckend. Trotz allem gehöre neben Weinen auch Lachen zum Alltag und der Kampfeswille sei weiter da.
Anfang Oktober besuchte eine dreiköpfige Ettenheimer Delegation die Gemeinde Vilkhovetska in der Westukraine. Für diese Gemeinde hat die Stadt auf Initiative des Bundespräsidialamtes und nach einstimmigem Beschluss des Gemeinderates im vergangenen Jahr eine Solidaritätspartnerschaft übernommen. Im November 2023 weilte der Bürgermeister von Vilkhovetska, Mykhailo Psiryk, mit einer Delegation zur Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde in Ettenheim. Bürgermeister Bruno Metz, Hauptamtsleiterin Julia Zehnle und der frühere Stadtrat Kristian Herdick statteten nun den Gegenbesuch ab.
In einem Vortrag vor leider überschaubarer Zuhörerschaft im Bürgersaal berichteten sie in Wort und Bild von diesem Besuch. Ihre Bilanz: „Die Eindrücke waren unglaublich beeindruckend.“ Sie gewannen den „Eindruck eines sehr starken Volkes“, das sich dessen bewusst sei, dass Gemeinsamkeit stark macht. Eine deprimierte Stimmung vermochten die Besucher aus Ettenheim nicht auszumachen. „Lachen und Weinen gehören zum Alltag“, bekamen sie von den Bewohnern rückgemeldet, wenn die Sprache auf eigene Familienmitgliedern oder gute Freunde kam, die an der Front im Kampf gegen Russland ihr Leben verloren haben.
Ettenheim liefert Hilfsgüter
Als beeindruckend beschrieben sowohl Metz wie auch Zehnle und Herdick die Gastfreundschaft der ukrainischen Gastgeber. Diese signalisierten immer wieder auch eine große Dankbarkeit für die aus Deutschland kommende Militärhilfe und die aus Ettenheim kommende Unterstützung der Infrastruktur der Gemeinde mit ihren rund 13 500 Einwohnern mit ihren sechs Ortsteilen (Metz: „Welche Parallelität zu Ettenheim!“). Inzwischen hat Ettenheim nach dem Feuerwehrauto zu Beginn der Patenschaft inzwischen auch Baufahrzeuge (Bagger, Grader) sowie Solarmodule mit finanzieller Mithilfe aus Bundesfördertöpfen nach Vilkhovetska geliefert. Im Dezember steht ein Transport eines Bauhoffahrzeugs mit Anhänger und Zubehör an. Mit Spenden (in Höhe von knapp 10 000 Euro) von Firmen und Privatpersonen aus Ettenheim und dem Umland konnten bislang drei Chargen an Hilfsgütern in die ukrainische Partnergemeinde geliefert werden. Zur Hälfte werden sie jeweils für die Soldaten an der Front (Powerbanks, Thermoskannen, Schlafsäcke, Kleidung, Schuhe mit Stahlkappen, Medikamente) und für ein Gerät zur Förderung der Motorik in einem Kinderreha in Vilkhovetska verwendet.
Ukrainer stehen hinter der Politik von Selenski
Fragen aus dem Publikum bezogen sich vor allem auf die Einstellung der ukrainischen Bevölkerung zu den Kriegshandlungen. Sowohl Metz als auch Zehnle und Herdick berichteten von deutlich überwiegender Entschlossenheit zum Kampf. „Wir können Putin nicht trauen, wir müssen kämpfen – und wir wissen, wofür wir kämpfen“, so habe man immer wieder gehört. Geschätzt werde offenbar auch die Hilfe der Bundesrepublik; gegenteilige Klagen seien ihnen jedenfalls nicht zu Ohren gekommen. Klar artikuliert worden sei in diesem Zusammenhang der Wunsch nach weitreichenden Waffen.
„Sie stehen hinter der Politik von Selenski“, gab Metz wieder und bekräftigte die Sichtweise, dass der Kampf der Ukraine auch ein Kampf für Europa gegen Putin und sein totalitäres System sei.
Bevölkerung verschiedener Religionen lebt friedlich zusammen
Zu Beginn des Vortrags vermittelte Bruno Metz mit Lichtbildern einen Eindruck von der Partnerstadt und ihrer teils landwirtschaftlich geprägten, teils steppenartigen Umgebung in diesem Teil von Transkarpatien. Durchweg habe sich die Bevölkerung, in der Katholiken, Orthodoxe und Juden friedlich zusammenleben, der Besuchergruppe gegenüber sehr freundlich gezeigt. Neuere Baumaßnahmen befänden sich auffällig im Stillstand, weil alle Materialien in die Kriegswirtschaft fließen. Bedrückend das Foto von einem Gebäude, in das die Schüler des Gymnasiums bei Alarm flüchten.
Spendenkonto
Die Stadt Ettenheim hat zwei Spendenkonten für die Partnerstadt Vilkhovetska eingerichtet: Sparkasse Offenburg/Ortenau mit der Iban DE 54 6645 0050 0070 0000 14 und Volksbank Lahr mit der Iban DE 58 6829 0000 0060 0998 04. Bei einer Spende bitte als Stichwort „Verwendungszweck Ukraine“ angeben.