Die Rangendinger E-Ladestation am Evangelischen Gemeindehaus wird schon genutzt. Foto: Nowotny

Was passiert hinter der Steckdose und in unserem Stromnetz? Unter diesem Thema berichteten Thomas Ruoff und Daniel Lupfer von der Netze BW über die Netzsituation in Rangendingen.

Rangendingen - Ein "Netzedialog" fand in der Gemeinderatssitzung am Montag im Gemeindehaus Rangendingen statt. Thomas Ruoff und Daniel Lupfer von der Netze BW sprachen über die Weiterentwicklung des Stromverteilnetzes, über die aktuelle Netzsituation, sowie über die anstehenden Herausforderungen an die zukünftige Netzinfrastruktur.

Neben betrieblichen Themen, wie die Versorgungssicherheit, wurden auch die getätigten und geplanten Investitionen um Rangendingen vorgestellt. Ebenso wurden die Entwicklung der erneuerbaren Energien, der Elektromobilität und die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf das Stromnetz erläutert.

Sichere Stromversorgung in Rangendingen

Ruoff berichtete im ersten Teil über den aktuellen Stand in Rangendingen. "Die Gemeinde hat eine sichere Stromversorgung" betonte er. Dies zeigen die Ausfallzeit über alle Netzkunden in Minuten pro Jahr. Mit durchschnittlichen Strom Ausfallzeiten von 4,9 Minuten im Jahr 2022 (Januar bis Oktober) steht Rangendingen sehr gut da. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 12,7 Minuten. Verursacht werden die Ausfälle vor allem durch Witterungsverhältnisse, Tiere oder andere Fremdeinwirkungen, erklärt der Regionalmanager.

Hohe Summen wurden investiert

Insgesamt wurden Baumaßnahmen von 1,747 Millionen Euro in den Jahren 2017 bis 2021 in die Gemeinde Rangendingen investiert. Schwerpunkte bildeten: Die Netzverstärkung, die Netzerweiterung und die Netzerneuerung Dies sei eine hohe Summe für eine kleinere Kommune erklärte Ruoff. Jedoch habe Rangendingen viel Industrie und Gewerbe, die diese Summen mit erklären. Für 2023 plant Netze BW den Ausbau und die Erneuerung von Kabeln, um die 470 000Euro.

Weniger Treibhausgase

Laut des Energiekonzepts des Landes soll bis 2030 eine Treibhausgasminderung um 65 Prozent erreicht werden. Bis 2040 soll die Treibhausgasneutralität umgesetzt werden. Aktuell werden 11 Prozent des verbrauchten Stromes in Rangendingen vor Ort regenerativ erzeugt. Ruoff stellt klar, damit liege die Gemeinde im Quervergleich mit anderen Kommunen im Hinblick auf die bereits erreichte klimaneutrale Energieerzeugung im unteren Drittel. "Die derzeitige Positionierung ist im Wesentlichen jedoch strukturell begründet. Ein überdurchschnittlich hoher Anteil am gesamten Strombedarf der Gemeinde entfällt mit über 70 Prozent auf industrielle und gewerbliche Kunden", erklärt Ruoff. Diesen Bedarf komplett aus lokalen erneuerbaren Energiequellen zu decken entspräche einer enormen Herausforderung, die letztendlich nur mit großen klimaneutralen Erzeugungseinheiten vor Ort zu bewerkstelligen seien, verdeutlicht er. Haug glaube nicht, dass man in einem Industrieland wie Deutschland die Energiewende hin zur nur noch Erneuerbaren Energiequellen schaffen könne.

2747 E-Autos bis 2040

Anschließend zeigte Ruoff Entwicklungen für Rangendingen auf. Um die hohen Ziele zu erreichen, müsse vor Ort einiges geschehen. Dies veranschaulichen die Zielwerte der Kommune. Zum Beispiel bei der Anzahl der E-Autos. 2021 hat Rangendingen 36 zugelassenen E-Autos. Um die Ziele zu erreichen, müsste die Summe der elektrisch betriebenen Fahrzeuge im Jahr 2030 auf 1850 und im Jahr 2040 auf 2747 Autos steigen. Nicht nur Ruoff hält diese Ziele für ambitioniert, auch Bürgermeister Haug sieht Schwierigkeiten. Doch bei einem ist sich Ruoff sicher, "Wir haben für die Zukunft verbindlich festgeschriebene Klimaziele. Mit dieser Energiewende steigt auch die Komplexität im Verteilernetz. Damit das Netz die Belastungen aushält, wird es unsere Aufgabe sein, es auszubauen und zu erneuern".