Weshalb Stress eigentlich gut ist und gleichzeitig gefährlich sein kann, erfahren die Besucher beim Vortragsabend des Evangelischen Bauernwerks in Vöhringen.
Unter dem Titel „Ständig unter Strom… geht das gut? Bauernfamilien am Limit – Was tun, wenn alles zu viel wird?“ hatten die Arbeitskreise Sulz und Balingen des Evangelischen Bauernwerks zu einem Vortragsabend ins evangelische Gemeindehaus Vöhringen eingeladen.
Als Referentin war Christiane Mayer von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forst und Gartenbau (SVLFG) zu Gast. In ihrer Stabsstelle für Gesundheitsangebote beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit Präventionsarbeit und möchte, wie sie betonte, „Gesundheitswissen vermitteln und zum Nachdenken anregen – speziell für die grüne Branche“.
Tunnelblick statt Sicherheit
Mit der Feststellung „Stress ist zunächst einmal etwas Gutes“ überraschte die Referentin. Problematisch werde Stress, wenn die durch ihn ausgelösten im Gefahrenmoment so wichtigen Reaktionen nicht mehr abklingen. Dann produziere der Körper über längere Zeit Cortisol, das sogenannte Langzeitstresshormon. Mayer erläuterte: „Das führt zu Tunnelblick, zu schlechter Laune – und nach und nach verliert der Mensch die Fähigkeit, strukturiert zu denken.“
Leidenschaft ist das Problem
Mayer machte deutlich, warum besonders landwirtschaftliche Familien gefährdet sind: Viele brennen für ihren Beruf – doch genau dieses „Brennen“ könne, wenn es zu lange anhalte, im Burnout enden. Zu typischen Stressoren gehören aus Mayers Sicht Perfektionismus, fehlende Pausen, ständiger Zeitdruck, schwierige technische Anforderungen, Lärm, Hitze, familiäre Konflikte, Social‑Media‑Druck, Zukunftsängste und gesundheitliche Probleme.
Entscheidend sei, Herausforderungen bewusst wahrzunehmen und offene Kommunikation zu pflegen. „Kommunikation ist immer ein Minenfeld“, betonte Mayer – aber unverzichtbar, um Konflikte nicht zu Belastungsspiralen werden zu lassen.
Es gibt auch Schutzfaktoren. Zu diesen gehörten ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte, Humor, sinnstiftende Tätigkeiten, Dankbarkeit und Weiterbildung. „Bewegung baut den Stress, der sich im Körper ansammelt, wieder ab“, erklärte sie. Bewusst eingebaute Auszeiten sehe sie als notwendig an.
Die Referentin ging auch auf den Begriff Resilienz ein. Er umfasse Konfliktfähigkeit, Selbstwert, Empathie, Entscheidungsfreude und Resonanzfähigkeit: „Der Mensch ist kein Einzelgänger. Wir haben nur überlebt, weil wir zusammenhalten“, so Mayer.