Juraprofessorin Isabel Feichtner zeigte auf Einladung von Linken und SPD Möglichkeiten auf, Wohnungsnot und steigenden Mieten entgegenzuwirken.
Isabel Feichtner wuchs in Rottweil auf, studierte in Freiburg, Berlin und New York und ist heute Professorin an der Uni Würzburg. In ihrem Vortrag ging sie auf die Entwicklung von Boden als Privateigentum ein, um die völkerrechtliche Sichtweise.
Wem gehört Boden? Und wer profitiert davon? Das einfache Beispiel der Professorin: Stehen die Obstbäume der Allgemeinheit zur Verfügung, haben alle was vom Obst, wenn der Obstgarten im privaten Eigentum ist, nur der Besitzer, der damit Geschäfte machen kann.
Landvermessung und Kartierung waren, so Feichtner, die Basis der Entwicklung, die heute auch zu hohen Mieten, immer ungleicher verteilten Vermögen und Problemen in der Landwirtschaft führt. Große Wohnungskonzerne wie Vonovia nutzen Wohnraum als Spekulationsobjekt, orientieren sich mehr an den Wünschen der Aktionäre als an den Bedürfnissen der Mieter, wodurch Wohnraum immer teurer wird. Im landwirtschaftlichen Bereich macht Bodenspekulation den kleinen bäuerlichen Betrieben das Leben schwer, da die Preise für Ackerland steigen.
Genossenschaften als Chance
Feichtner zeigte aber auch auf, welche Möglichkeiten es gibt, dagegen etwas zu unternehmen. Nämlich unter anderem mit Genossenschaften. Hier gebe es viele Beispiele, auch in der Region, wo sich Menschen zusammentun und Boden sowie Wohnraum gemeinsam erstehen und verwalten. Denn dadurch, dass Boden und Wohnraum zum Spekulationsobjekt geworden sind, werde die Diskrepanz zwischen arm und reich immer größer.
Dem lasse sich mit gemeinsam verwalteten Besitz entgegenwirken. Unterstützt werden diese Genossenschaften dabei von Organisationen wie dem Mietshäuser Syndikat, ein Projektverbund von über 200 Hausprojekten und Initiativen, der sie unterstützt, auch dabei, leerstehende Häuser rechtssicher zu übernehmen. Sollen solche Häuser dann saniert oder verkauft werden, müssen alle Beteiligten zustimmen. Auf diese Weise kann Boden der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.
Leerstand in Rottweil
Leerstand gibt es, das ist auch in Rottweil so, er liegt im Schnitt bei drei bis fünf Prozent, wie Guido Speiser vom Mieterverein berichtete. Wobei man das für Rottweil nicht genau sagen könne, denn hier wurde das bislang nie erhoben.
In der anschließenden Diskussion auch mit den beiden Kandidaten von Linken und SPD, Daniel Hettich und Ali Zarabi, ging es unter anderem um die Wohnsituation in Rottweil und den Leerstand.