Kindergruppe mit Betreuerinnen in „Neve Hanna“ Foto: Neve Hanna

Über die Geschichte eines ganz besonderen Kinderheims berichtet Dagmar Bluthardt am Sonntag, 22. Februar, in Rexingen.

„Moralische Unterstützung und Ermutigung wurden genauso wichtig wie das tägliche Brot.“ So erinnerte sich Tamara Blum 2004 in Israel an ihre Schulzeit in den 1930er Jahren in Rexingen. Ihr Lehrer Wolf Berlinger war ihr hauptsächlich wegen der liebevollen Zuwendung, die er den Kindern in den Zeiten der Bedrückung und Ausgrenzung entgegenbrachte, in Erinnerung geblieben. Nachzulesen ist das in der aktuellen Ausstellung im Museum Jüdischer Betsaal Horb „Man musste doch das Kind irgendetwas lernen lassen“.

 

Viele Fotos und Originalzitate erzählen von dem Mut und der Kraft der Familien, der Bedrängnis zu trotzen und Mittel und Wege zu finden, für eine ungewisse Zukunft gewappnet zu sein. Dabei spielten jüdische Schulen, Kinderheime und Waisenhäuser eine große Rolle, nicht zuletzt auch bei der Rettung von Kindern und Jugendlichen vor den Deportationen.

Über die Geschichte eines ganz besonderen Kinderheims berichtet Dagmar Bluthardt aus Plochingen, Vorsitzende des deutschen Fördervereins Neve Hanna Kinderhilfe am 22. Februar in der Ehemaligen Synagoge in Rexingen.

Wechselvolle Geschichte

Das „Bet Ahawah“ wurde vor mehr als hundert Jahren in Berlin gegründet und siedelte während der NS-Zeit nach Kiryat Bialik ins britische Mandatsgebiet Palästina über. 1974 erfolgte die Neugründung unter dem Namen „Neve Hanna“ durch die Erzieherin Hanni Ullmann. Aus Mitteln ihrer „Wiedergutmachung“ erwarb sie zwei einfache Häuser in den Sanddünen der kurz zuvor gegründeten Stadt Kiryat Gat. Das pädagogische Konzept des Kinderheims mit seiner wechselvollen Geschichte fasste sie in einem Satz zusammen: „Was immer gleich geblieben ist, ist die Liebe zum Kind.“

Inzwischen ist „Neve Hanna“ ein Heim für Kinder und Jugendliche aus sozial-emotional belasteten oder zerrütteten Familien. Krankheit, Drogen, Alkohol, sexueller Missbrauch, Armut und Vernachlässigung sind die häufigsten Gründe, weshalb dem Heim Kinder zugewiesen werden. 80 Mädchen und Jungen im Alter von 4 bis 18 Jahren werden in familienähnlichen Gruppen betreut.

Zur Gesamtanlage gehören ein großer Gemeinschaftssaal, der auch als Synagoge benutzt wird, eine Bibliothek, ein Sportplatz, ein Fitnessraum, ein Streichelzoo und Räume für Freizeitkurse in Töpfern, Malen, Fotografieren und Musizieren. An therapeutischen Möglichkeiten gibt es eine große Auswahl. Psychologische Begleitung nach sexuellen Übergriffen wird für Opfer und für Täter angeboten.

Aktuelle Situation im Heim

Referentin Dagmar Bluthardt promovierte zum pädagogischen Konzept Hanni Ullmanns, der Gründerin von „Neve Hanna“. Seit vielen Jahren steht sie in engem Kontakt mit dem Kinderheim, das nicht weit entfernt vom Gaza-Streifen liegt. Ihr letzter Besuch dort war im Oktober 2025. In ihrem Vortrag wird sie auch über die aktuelle Situation von „Neve Hanna“ berichten.

Referentin Dagmar Bluthardt Foto: Privat

Der Vortrag „Liebe statt Gehorsam“ findet am Sonntag, 22. Februar, um 17 Uhr in der Ehemaligen Synagoge in Rexingen, Freudenstädter Straße 16. Der Eintritt ist frei. Spenden gehen an das Kinderheim „Neve Hanna“.