Zwischen Tanzvideos, Glücksgefühlen und Mobbing: Bei dem Vortragsabend „Echt oder Fake“ im Nagolder Kubus wurde viel über die Risiken von Social Media gelernt.
Social Media ist mittlerweile ein fester Bestandteil im Alltag der Jugend. Aber wissen die Eltern eigentlich, was ihre Kinder im Internet machen? Was für Gefahren können dort lauern? Wie kann man davor schützen?
Bei dem Charity-Vortragsabend „Echt oder Fake“ der Vesperkirche im Nagolder Kubus klärte Max Dettling von der Hadi Community auf. Die Social Media Agentur produziert regelmäßig Online Werbespots für Firmen in der Umgebung.
Social Media und Bier
Dettling stieg mit einem für manche sicher schockierenden Fakt ein: Deutschlands Bierkonsum pro Kopf sei seit der Corona-Pandemie massiv gesunken. Ein Grund sei vor allem Social Media.
Die Jugendlichen gingen mittlerweile seltener raus und seien hauptsächlich am Handy, erklärte Dettling. Mögliche Folgen seien Isolation und Einsamkeit. Von den sozialen Medien gehe hohe Suchtgefahr aus.
Sexualisierung für Glücksgefühle
Social-Media-Inhalte seien darauf ausgelegt, bei dem Nutzer das Glückshormon Dopamin auszuschütten, meinte Dettling. Dies werde auf Plattformen wie beispielsweise TikTok oder Instagram unter anderem durch Likes für die Beiträge erreicht.
Das könne junge Mädchen beispielsweise dazu verleiten, sich freizügiger auf Bildern zu präsentieren, um mehr Zustimmung in Form von Likes zu erhalten. Die Folge sei ungewollte Sexualisierung durch Pädophile, warnte er.
Außerdem könne der übermäßige Dopaminausstoß das Gehirn überlasten, so dass Dinge wie Hausaufgaben oder Lesen in der Schule das Hirn zu wenig stimulieren und somit nicht interessant genug seien.
Zerstörung des Selbstbewusstseins
Durch das Messen an Likes und unrealistischen Schönheitsidealen durch oftmals bearbeitete Bilder steige die Unsicherheit der Kinder und Jugendlichen, zeigte Dettling auf. Ebenfalls schädlich für das Selbstbewusstsein seien Schikane durch Cybermobbing.
Auch die Privatsphäre könne unter Social Media leiden, wenn private Daten im Internet preisgegeben werden, fügte er hinzu. Diese gelangen dann möglicherweise in die Hände falscher Personen, die damit dann unter anderem in der Lage wären, KI-Fakes von Stimme und Gesicht des Kindes anzufertigen.
Kein Verbot, sondern Aufklärung
Kinder unter 14 Jahren sollten von den sozialen Medien zunächst ferngehalten werden, findet Dettling. Für Teenager allerdings sei ein vollständiges Verbot die falsche Lösung. Viel wichtiger sei Aufklärung über die möglichen Gefahren im Netz.
Denn Social Media habe auch viele Vorteile, betonte er. Gerade im Bereich der Kreativität und der Bildung biete das Internet Chancen. Wichtig sei, sich nicht vor der Technik zu verstecken, sondern sich damit auseinanderzusetzen und Medienkompetenz zu erlernen, meinte Dettling.
Mögliche Lösungen seien sogenannte Limiter wie die App „One Sec“, die dabei helfen, den Social Media Konsum mit Zeitsperren zu regulieren. Es sei außerdem wichtig, Kindern klarzumachen, keine privaten Daten von sich ins Internet zu laden.
Für Betrugsmaschen mit KI-Fakes empfahl er, ein gemeinsames Codewort zu vereinbaren, um diese digital generierten Fälschungen aufzudecken.
Auch die Eltern sind mitverantwortlich
Kinder schauten sich ihr Verhalten größtenteils von ihren Eltern ab, erklärt Dettling. Deshalb sei es Aufgabe der Erwachsenen, ihnen einen regulierten Umgang mit dem Smartphone vorzuleben.
Außerdem liege es an den Eltern, das Selbstbewusstsein ihrer Kinder durch Mitgefühl und Verständnis zu stärken, fügte Sozialpädagogin Marina Ederle bei der anschließenden Podiumsdiskussion hinzu.
Ein einfacher, aber dennoch effizienter Trick, um seine Kinder zu schützen, ist laut Dettling vor allem eines: Keine Bilder und Videos von seinen Kindern auf Social Media posten!