Kalender aus früheren Jahren Foto: Jauch

Um die Strukturierung der Zeit als Ergebnis kulturhistorischer Prozesse geht es am 19. Mai im Landesmuseum in Hechingen.

20.000 Kalender hat der Sammler Friedrich Bayer zusammengetragen, rund 200 sind in der aktuellen Sonderausstellung des Hohenzollerischen Landesmuseum in Hechingen zu sehen.​

 

Wofür man Kalender braucht und wie sich die Strukturierung des Jahreslaufs historisch entwickelt hat, dazu referiert im Museum am Dienstag, 19. Mai, 19 Uhr, der studierte Germanist und Volkskundler Helmut Groschwitz aus München. Groschwitz leitet die Beratungs- und Forschungsstelle „Immaterielles Kulturerbe Bayern“ der Kommission für bayerische Landesgeschichte an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Unter dem Titel „Wie’s im Kalender steht. Was ein alltäglicher Gegenstand über Zeitstrukturierung, Kulturgeschichte und Wissensvermittlung erzählt“ beleuchtet der Referent die kulturhistorische Bedeutung des Kalenders.

Ein Ergebnis gesellschaftlicher Verhandlungen

Der Blick in oder auf den Kalender gehört unzweifelhaft zu den häufigeren Routinen im Alltag – sei es zur Orientierung, sei es zur Planung oder Vorbereitung. Manchmal erscheint er uns zu voll, manchmal zu leer und oft genug sind die Einträge an den „falschen“ Stellen.

Über diesen Gebrauch hinaus möchte der Vortrag den Kalender von einer ungewohnten Seite betrachten. Denn der gregorianische Kalender, wie wir ihn heute verwenden, ist eine faszinierende Verdichtung kulturhistorischer Entwicklungen, er trägt in sich Spuren transkultureller Verflechtungen, religiöser und wissenschaftlicher Vorstellungen und Konflikte, verlegerischen Geschicks und der vielschichtigen Konstruktion dessen, was wir unter „Zeit“ verstehen. Denn so unausweichlich, wie uns der Lauf der Zeit erscheint, sind Zeitlichkeiten und die zeitliche Strukturierung des Alltags nicht gegeben und „natürlich“, sondern das Ergebnis gesellschaftlicher Verhandlungen.

Die Sonderausstellung „Kalender-Retrospektive – Die Sammlung Friedrich Bayer“ ist bis Pfingstmontag, 25. Mai, im Hohenzollerischen Landesmuseum in Hechingen zu sehen.

Weitere Informationen unter www.hzl-museum.de