Klaus Gülker bei seinem gut besuchten Vortrag in Hausach, für den er viel Beifall erhielt. Foto: Buchta

Der langjährige SWR-„Wanderreporter“ Klaus Gülker ist den Westweg abgelaufen. Der Clou daran: Er absolvierte den legendären Fernwanderweg entgegen der normalen Gehrichtung.

Volles Haus hieß es am Sonntag im Hausacher Feuerwehrgerätehaus: Der Schwarzwaldverein hatte zu Klaus Gülkers Reportage„Westweg in Gegenrichtung“ eingeladen.

 

In Gegenrichtung deshalb, weil der ehemalige Radiomoderator und engagiertes Mitglied des Schwarzwaldvereins den Klassiker unter den Fernwanderwegen von Pforzheim nach Basel von Basel aus unter die Wanderstiefel genommen hatte. Die zahlreichen Westwegwanderer kamen ihm also entgegen – und genau das hatte er für seine interessanten Begegnungen beabsichtigt.

Der Anlass für diese 285 Kilometer lange Wanderung, bei der mehr als 1000 Höhenmeter zu bewältigen waren und für die Gülker 15 Tage brauchte, war das 125-jährige Bestehen des Westwegs im vergangenen Jahr: Der Westweg wurde 1900 von den Westweg-Pionieren um Philipp Bussemer ins Leben gerufen.

Gülker startete seine Wanderung in Basel

Start der Wanderung entlang der roten Raute war für Gülker also am Badischen Bahnhof in Basel. Es gab viele Begegnungen, zufällige ebenso wie verabredete: Mit Westwegwanderern aus aller Welt, oft mit ganz eigener Philosophie, mit Wegewarten und Hüttenwirten – und mit Meinrad Joos, dem Präsidenten des Schwarzwaldvereins.

Die längste Tagesetappe umfasste 30 Kilometer, die anstrengendste war der Aufstieg auf den Blauen, wo der Wanderer auch noch eine Umleitung verpasste, erzählte Gülker seinen interessierten Zuhörern. Vorbei an passgenauen Holzbiegen, skurrilen Bank-Standorten und mitten hinein in ein Bogenturnier. Köstlich amüsierten auch einige der überraschenden Einträge ins jeweilige Hüttenbuch, etwa an der Hasemannhütte auf dem Farrenkopf.

Eine Begegnung mit Kaiserin Sissi wurde von KI generiert

Am Titisee gab’s natürlich eine Schwarzwälder Kirschtorte, so viel Klischee muss sein, und in Hausach wurden gebackene rote Rauten gereicht. Von der Hohenlochenhütte wurde Gülker gar von einem Trompeter verabschiedet. Auf dem Kurhaus Sand überraschte eine KI-generierte Begegnung mit Kaiserin Sissi. Im Nordschwarzwald dann die unendlichen, kerzengeraden Wege durch dicht bewaldete Einsamkeit und am Dobel das skurrile Hinweisschild: „Genau an dieser Stelle ereignete sich am 14. Oktober 1779 absolut gar nichts.“ Die Westwegwanderung endete für Gülker an der Goldenen Pforte bei Pforzheim.

Die Zuhörer dankten für seinen informativen Reisebericht mit großem Beifall.

Der Westweg

Er ist der Klassiker und der bekannteste Fernwanderweg im Schwarzwald: Der Westweg wurde 1900 vom Schwarzwaldverein als erster Fernwanderweg angelegt und führt einmal von Nord nach Süd durch den Schwarzwald. Noch immer ist er einer der bekanntesten und beliebtesten Fernwanderwege in Europa. Der mit der roten Raute markierte Höhenweg folgt auf knapp 285 Kilometern im Wesentlichen dem Hauptkamm des Schwarzwaldes. Er berührt die höchsten Gipfel wie Hornisgrinde, Schliffkopf, Brend, Feldberg, Herzogenhorn, Belchen und Blauen und bietet fantastische Aussichten, im südlichen Teil bis zu den schneebedeckten Alpengipfeln. Ab Titisee führt er in zwei Varianten Richtung Basel. Im Jahr 2006 wurde er den Bedürfnissen moderner Wanderer angepasst und zum „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ umgestaltet. Er zählt außerdem zu den „Top Trails of Germany“, den besten Fernwanderwegen in Deutschland.