Horst Graef verdeutlichte die Möglichkeiten einer Bürgerenergiegesellschaft. Foto: Ulrike Knöller

Die Bildung einer eigenen Bürgerenergiegesellschaft beschäftigte den Gemeinderat in Enzklösterle. Dabei war ENCW-Geschäftsführer Horst Graef, der einen informativen Vortrag hielt.

„Wir gehen dahin, wo der Ruf der Kommune am stärksten ist.“ Mit diesen Worten umriss der Geschäftsführer der ENCW, der Energie Calw, Horst Graef, die Motivation des regionalen Energieversorgers, sich im ländlichen Raum der Region zu engagieren. Eingeladen hatte die Bürgermeisterin der Gemeinde Enzklösterle, Sabine Zenker, im Rahmen der jüngsten Gemeinderatsitzung zu einem informativen Vortrag über die Möglichkeiten der Bildung einer eigenen Bürgerenergiegesellschaft.

 

Wie beim Ehevertrag Das 2007 gegründete Energie-Unternehmen ENCW bietet Städten und Gemeinden die Möglichkeit, dieses gemeinsam umzusetzen. Dabei hält die Kommune 51 Prozent der Anteile, die ENCW bekommt 49 Prozent. Graef sieht das gemeinsame Modell als Partnerschaft: „Es ist wie bei einem Ehevertrag. Jeder bringt sich ein. Die Kommune kennt das Örtliche, wir kommen mit unserem Fachwissen.“ Das wäre beispielsweise für die Beschaffung von Fördermitteln, Anmeldungen und das Buchhalterische wichtig. Autarkie und Nachhaltigkeit, also der Ausbau der lokalen, regenerativen Stromerzeugung, ist das Ziel. Somit wird die Kommune selbst zum Stromvertreiber, die Bürger werden die Kunden. Graef stellte den Idealfall dar: „In der Regel ist es am besten, den Strom selbst erzeugen und selbst verbrauchen.“

Der etwaige Überschuss kann dann sogar noch verkauft werden: „Es macht die Bürger froh, wenn eigener Strom erzeugt wird und eventuell verkauft werden kann.“

Wirtschaftlich muss eine solche Gesellschaft selbstverständlich sein. Graef kann mit der Unternehmensgruppe ENCW, den Stadtwerken Calw und den Tochterfirmen Schwarzwald Energy, Netze Calw, DEER, Schwarzwald Nature und 120 000 Kunden auf einige Erfahrung zurückblicken. Etliche Städte und Gemeinden haben sich bereits zu einer Zusammenarbeit mit der ENCW entschlossen und ihre eigene kommunale Bürgerenergiegesellschaft gegründet. Weil der Stadt, Birkenfeld oder Schömberg sind ein Beispiel für das funktionierende Konzept.

Individuelle Konzepte PV-Anlagen sind ein wichtiger Aspekt der regenerativen Energieversorgung. Horst Graef machte deutlich, dass man individuelle Konzepte erstellen könne: „Man darf sich da nicht klein machen, es gibt Freiflächen, Dachflächen. Ideal wäre es, wenn Sie selbst eine große Freifläche haben.“ Zwei Speicher für überschüssig erzeugten Strom würde die Autarkie möglich machen.

Graef sieht den Vorteil einer Selbstversorgerkommune darin, dass die Bürger für den Strom bezahlen, das Geld aber in der Gemeinde bleibt, anstatt bei einem Fremdanbieter zu landen. Dabei sei klar, dass kein Bürger mehr für den Strom zahlen wolle, weil er in Enzklösterle wohne.

Ein Dorfladen an der Hauptstraße wäre ideal. Foto: Ulrike Knöller

Zufriedenheit Einen weiteren Vorteil für die Kunden stelle laut Graef, die persönliche Betreuung durch Mitarbeiter der ENCW vor Ort dar. „ Wir treten als Stromlieferant unseres eigenen Stroms auf, letztendlich zählt, was dabei rauskommt“, brachte Sebastian Frey die Sache auf den Punkt. Graef meinte: „Die Energiewende muss Spaß machen und Zufriedenheit bringen. Alles, was Sie heute tun, tun Sie für die nachfolgende Generation.“

Sabine Zenker stellte abschließend fest, dass der Vortrag ein lohnenswerter Input sei, freute sich auch über die offenen Worte von Graef, durch die man wisse, wo es lang gehe. Tatsächlich wäre das Heidelbeerdorf die bisher kleinste Kommune im Portfolio der ENCW.

Fragen aus der Bürgerschaft

Dorfladen
Wie es mit dem Dorfladen weitergeht, war eine Frage von Claudia Ollenhauer. Bürgermeisterin Sabine Zenker erklärte, den Berater des Bürgerinfoabends vom Juni 2025, Wolfgang Gröll, angerufen zu haben und warte auf seine Rückmeldung. Fördergelder seien genehmigt, in den nächsten Wochen finde eine Datenerhebung statt. Interessenten für den Dorfladen gebe es, aber die Ladenbesitzer an der Ladenzeile wollten offensichtlich nicht verkaufen oder vermieten. Weniger geeignet seien die Räumlichkeiten der Volksbank und der ehemalige Schwarzwaldladen „Streicher“. Auch bei einem Bauplatz in der Ortsmitte bestehe von Seiten des Eigentümers keine Verkaufsabsicht. Zenker machte deutlich, dass ein Dorfladen nur Sinn mache, wenn Durchgangsverkehr herrsche, er müsse sichtbar sein.

https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.keine-einkaufsmoeglichkeit-enzkloesterle-bekommt-geld-fuer-das-dorfladen-projekt.7eac2cba-f489-423b-8aea-f462cc9ec786.html

Zwischenvermietung
Ob für die ehemalige Volksbank als Treffpunktberatungsstelle eine Zwischenvermietung möglich wäre, wurde aus der Bürgerschaft gefragt. Dabei gehe es um medizinische Beratung, Beratungen durch den Seniorenrat, VdK und mehr. Zenker erklärte, die Volksbank sei gegenüber einer Zwischenvermietung offen. Im Wesentlichen gehe es dabei nur um die Nebenkosten. Man wolle nur noch die Begehung aufgrund des Dorfladens abwarten. Sollte dieser ausscheiden, wäre die Beratungsstelle wieder ein Thema. Da die Volksbankräumlichkeiten ebenfalls Teil des Landessanierungsprogramms sei, gäbe es die Möglichkeit, nicht investive Fördergelder zu beantragen.