Als Vertreter der Stadt Balingen begrüßte Bürgermeister Verrengia die zahlreichen Gäste des Frauenwirtschaftstags in der Zehntscheuer. Foto: Sabine Stotz

„Rückkehr ins Berufsleben nach der Elternzeit“ war das Motto der diesjährigen Frauenwirtschaftstage. In der Balinger Zehntscheuer trafen sich Podiumsgäste, Vertreter der Stadt und interessierte Zuhörer.

Elternsein und gleichzeitig erfolgreich im Erwerbsleben stehen – das gelingt auch heute nur mit Unterstützung. Zumeist durch ein ganzes Netzwerk. Annette Lassel hat nicht nur das, sondern sie hat auch eine familienfreundlichere Stadt ins Visier genommen: Das Projekt „Nette Toilette“ beispielsweise hat sie mit der Stadt Balingen ins Leben gerufen. Doch nicht nur das: Sie und weitere junge Mütter und Väter haben zum Ziel, Familie und Arbeit gerecht aufzuteilen.

„Wie Eltern gut ins Arbeitsleben zurückkehren“ – darüber diskutierten viele Interessierte, und erstmals trafen sich die Podiumsgäste und Zuhörer in der Zehntscheuer. Die aktuelle Sonderausstellung zum Jahresthema Bildung „100 Jahre Sichelschule“ sowie das Ambiente der Zehntscheuer boten den passenden Rahmen dafür.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Emilio Verrengia begann Katharina Ruoff von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing Balingen, die Podiumsdiskussion. Der Fachkräftemangel sei in aller Munde, und so werde die Erwerbstätigkeit von Frauen zum größten wirtschaftlichen Potenzial, hieß es.

„Familien- und Sorgearbeit erledigen sich nicht nebenher“

Noch immer aber arbeiteten im Jahr 2022 fast 50 Prozent der Frauen in Teilzeit, denn „Familien- und Sorgearbeit erledigen sich nicht nebenher.“ Auch heute noch übernähmen diesen Teil der Arbeit zumeist Frauen. „Sie werden durch die Teilzeitbeschäftigung meist schlechter bezahlt als sie es vor ihrer Elternzeit wurden.

Des Weiteren thematisierten die Mitwirkenden die Themen Homeoffice und Flexitime. Eine der Referentinnen war Annette Lassel, die mit Freundinnen ein Netzwerk für ein familienfreundlicheres Balingen gegründet hat. „Denn die neue Arbeitswelt hat ihre Tücken.“ Ein relativ neuer Begriff ist in diesem Zusammenhang „Mental Load“. Er beschreibt die selbstverständliche Aufteilung der Aufgaben rund um die Familie unter den Ehepartnern. „Wer’s macht, der macht es so gut er es kann“, erklärt Annette Lassel. Wer in einer Leitungsposition in Teilzeit arbeite, müsse folglich auch die Kontrolle über manche Tätigkeiten im Familienleben abgeben können.

Unternehmen bieten zunehmend flexiblere Arbeitsformen

Nadine Breisch berichtete als Leiterin der VHS Balingen darüber, was Frauen darüber hinaus für sich tun können. Immer mehr Unternehmen seien bereit, flexiblere Arbeitsformen umzusetzen, was Sarah Wolff von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bansbach schilderte.

Das habe nicht nur für die Arbeitnehmer Vorteile, sondern auch für Arbeitgeber. Beispiele nannte hier Moritz Miller von „Sinfiro“, die Brandschutzfirma biete immer Arbeitsplätze im Co-Working-Space an und schaffe damit die Möglichkeit für offenere Arbeitsformen.

Neben den Vorträgen stand der Austausch und die Belebung des Netzwerks im Mittelpunkt der Veranstaltung. Nach der Podiumsdiskussion informierten sich die Anwesenden unter anderem noch bei der Agentur für Arbeit über Beratungsangebote. Bei einem kleinen Büffet und Getränken klang der Abend aus. Wer mochte, konnte dabei in aller Ruhe die Exponate der Zehntscheuerausstellung anssehen.