„Lang lebe der König“: Mit dem Bild von US-Präsident Donald Trump mit Krone und diesem Satz hat Historiker Georg Schild im K3 einen spannenden Vortrag begonnen.
Das politische System der USA nicht wiedererkennen würde James Madison, Vater der US-Verfassung, meint Georg Schild, der im K3 über den „König von Amerika“ referiert hat.
Die Stellung des US-Präsidenten – als einziger bundesweit legitimiert – sei in den vergangenen Jahrzehnten immer wichtiger geworden, und Donald Trump teste seine Grenzen aus. Abgeordnete der Republikanischen Partei sähen sich nicht mehr so sehr als Kontrollorgan des Präsidenten wie früher: „Das System der Checks and Balances hat sich als problematisch erwiesen“, sagt Schild. Der Professor für nordamerikanische Geschichte an der Universität Tübingen kennt aber auch die Theorie von Arthur M. Schlesinger Jr., dass die US-Politik „immer von ganz rechts nach ganz links pendelt – und umgekehrt.
„Ein ungewöhnlicher Präsident“
In seiner ersten Amtszeit sei Trump ein „ungewöhnlicher Präsident“ gewesen, „und in diesem Rahmen kann man ihn noch irgendwie erklären“, so Schild. „Er war Geschäftsmann, dachte bei ‚Staat‘ an Steuern und Gewerbeaufsicht.“ In seinen Casinos habe er illegale Einwanderer beschäftigt, Wohnungen nicht an Farbige vermietet. „Im Kabinett hätten noch Fachleute wie Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister James Mattis gesessen, die „nicht alles machten, was Trump wollte“. Das sei im zweiten Kabinett anders, er sei anders, und eben nicht nur ein „Betriebsunfall der US-Geschichte“. Warum? „Er ist wirklich überzeugt, dass er einer der besten Präsidenten der US-Geschichte ist.“
Von sechs Prozessen gegen ihn nach der ersten Amtszeit sei nur einer zu Ende geführt worden. Seine zweite habe die „New Yorker“-Kolumnistin Susan B. Glasser mit „Donald Trumps Rache“ übertitelt und beschreibe in „Trumps Putinisierung Amerikas“ die Installation von Clans aus Trumps Umfeld im Zentrum der Macht.
240 Executive Orders seit dem Amtsantritt 2025
Seit Amtsantritt habe er 240 Executive Orders unterschrieben, überschreite „sehr häufig seine Kompetenzen“, und wer nicht nachweisen könne, dass er sich legal im Land aufhalte, gelte als Straftäter. Schild mahnte das Publikum im K3: „Haben sie in den USA immer Ihren Pass dabei!“
Demokratie und Bürokratie schwächen ist das Ziel
Mit dem „Project 2025“ wollten Amerikas Konservative die Demokratie und die Bürokratie schwächen, führten „Krieg gegen Homosexuelle und Transgender“. Schild ist überzeugt, dass „Trump nur zu erklären ist als Reaktion auf Barack Obama“, und seine Nichte Mary L. Trump erkläre in ihrem Buch „Zu viel ist nie genug“, wie ihre Familie „den gefährlichsten Mann der Welt“ erschaffen habe.
Parallelen zwischen Trump und Putin
Manche gebrauchten den Begriff „Faschismus“, Historiker Timothy Snyder sehe „Parallelen zwischen Trump und Wladimir Putin“, und die Psychiaterin Bandy Lee habe in ihren Büchern 77 „nicht sehr freundliche“ psychologische Bewertungen veröffentlicht.
Will Trum 2028 nochmals antreten?
Mit einer Base-Cap mit der Aufschrift „Trump 2028“, die auf einem Foto auf dem Tisch lag, verhindere Trump eine Nachfolgediskussion in der eigenen Partei, obwohl die Verfassung nur zwei Amtszeiten zulasse. Zwar kontrolliere er derzeit beide Häuser des Kongresses, doch Schild hält es für denkbar, dass die Republikaner bei den Wahlen 2026 eine Kammer verlieren könnten. „Dann wird das Leben deutlich schwerer für ihn!“
Die Tatsache, dass der selbst ernannte „Sozialist“ Zohran Mamdani zum New Yorker Bürgermeister gewählt worden sei, sei ein Indiz, so Schild, „dass das Pendel in die andere Richtung zurückschwingt“.
Wer wählt Donald Trump?
Auf dem Schaubild,
das Historiker Georg Schild im K3 zeigte, ist erkennbar, in welchen Gruppen der Gesellschaft Donald Trump mehr Wähler gefunden hat als seine Gegenkandidatin bei der Wahl 2024, Kamala Harris von der Demokratischen Partei. Vor ihr lag er bei Männern allgemein (55 Prozent), weißen Männern (60), weißen Frauen (53), Latino-Männern (55), Männern zwischen 18 und 29 Jahren (49), Personen ohne College-Abschluss (56) sowie Personen mit Einkommen unter 50 000 und zwischen 50 000 und 99 000 US-Dollar pro Jahr. Georg Schilds Fazit: „Weiße Männer in ländlichen Gebieten mit schlechter Ausbildung wählen Trump.“