Ein Sortiment an Proben von Schadstoffen, die er in der Umwelt der Region gesammelt hat, präsentierte Umwelt-Aktivist Dieter Berger im Hofgut Leo. Foto: Gerald Nill

Der Umweltaktivist Dieter Berger referierte kürzlich im Hofgut Leo in Gresgen über Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

„PAK ist sehr krebserregend“, schickt Berger an die rund 20 Interessierten im Saal vorweg. Sein Publikum fesselt der BUND-Umweltschützer, weil er einfach nicht locker lässt. Auch wenn Behörden ihn mit Aussagen wie „keine Gefahr“, „ordnungsgemäß abgelagert“ oder „unbedenklich“ abspeisen wollen, hakt er weiter nach.

 

Erst ab 1984 wurde in Deutschland der Einbau von teerhaltigem, das heißt krebserregendem Material verboten. Alte Straßen sind dementsprechend belastet. Im Landkreis sind jetzt auf Hunderten von Kilometern die Fahrbahnen aufgerissen worden, um flächendeckend Glasfaserleitungen zu verlegen. Auch für die Nahwärmenetze werden Fahrbahnen aufgerissen. Da es sich um alte Straßen handelt, ist Berger als ehemaligem Baggerfahrer die Brisanz der Bauarbeiten bewusst.

PAK-Vergiftung am eigenen Leib erfahren

Rückblick: Leo-Moderator Benni Klipfel kennt die Vita des Referenten genau und berichtet, dass Dieter Berger durch eine schwere PAK-Vergiftung in seiner aktiven Zeit auf die Gefährlichkeit des Stoffes buchstäblich am eigenen Leib stieß. Jetzt deckt Dieter Berger einen mutmaßlichen Umweltskandal nach dem anderen auf. Was ihn aber am meisten bedrückt, ist die praktische Folgenlosigkeit. Berger nennt das Kleine Wiesental, wo vor gut vier Jahren Tausende Tonnen möglicherweise belasteter Straßenaushub direkt am Fuß des Belchen abgekippt worden sei.

Sieben Ablagerungsstellen zählt Berger im Neuenweger Gebiet, hat mit Detektorspray geprobt und höchste PAK-Belastungen festgestellt. Ein paar Teerbrocken hat er auch zum Hofgut Leo mitgebracht, besprüht sie vor Ort und zeigt die intensive tiefgelbe Verfärbung.

Berger: „Die Natur hat keinen Anwalt“

Im Labor seien zum Beispiel an der Breitband-Baustelle von Schlechtbach bei Gersbach sagenhafte 4800 Milligramm des Giftes nachgewiesen worden. Auf Bergers Intervention stoppte diese Baustelle und musste belastetes Material fachgerecht entsorgt werden. „Laut Bodenschutzsatzung hätte auch das Zeug im Kleinen Wiesental längst abtransportiert werden müssen“, sagt Berger. „Aber die Natur hat keinen Anwalt.“ Behörden säßen das Problem einfach aus, weil eine ordnungsgemäße Entsorgung mit immensen Kosten verbunden wäre.

Angeblich koste ein Lastwagen mit Straßenaushub, der ordnungsgemäß zur Deponie rollt, inzwischen 3500 Euro. Ein Millionen-Aufwand also. Aber wer soll zahlen?

Leo-Mitstreiterin Ruth Vogel, die ein paar Sphärenklänge zur Nervenberuhigung spielt, ist Dieter Berger dankbar: „Es macht mich betroffen, wie unsere Quellen versaut werden und es imponiert mir, wie Leute wie Dieter Berger immer wieder den Finger in die Wunde legen.“