Der Glasfaserausbau in Neuried ist seit 2021 Dauerthema in der Gemeinde. Nun soll ein Ende in Sicht sein: Die Deutsche Glasfaser strebt das erste Quartal 2027 als Ende der Ausbauarbeiten an. Foto: Schuldt/dpa

Der Breitbandausbau in Neuried soll im ersten Quartal 2027 beendet sein. Dies versprach Joe Diehl, Regionalmanager der Deutschen Glasfaser, in der Gemeinderatssitzung.

„Man liest viel über finanzielle Schieflagen, aber wir sind nach wie vor solide finanziert“. Joe Diehl als Vertreter der Deutschen Glasfaser, die für den Ausbau in Neuried zuständig ist, stellte zunächst klar, dass die Arbeiten weitergehen. Neuried sei von Absagen nicht betroffen – und „uns geht’s auch zu langsam“. Diese Aussage quittierten die Gemeinderäte und die Zuhörer mit einem spöttischen Lachen.

 

Man wolle die Kunden nicht verärgern, dies sei nicht im Interesse der Firma. Aber nachdem Subunternehmen insolvent gingen und nun auch ein Qualitätsmangel bei den Baupartner festgestellt worden sei, sei man zu einem Baustopp gezwungen gewesen, rechtfertigte sich Diehl. Deswegen habe man mit einer Fortsetzung erst im dritten Quartal 2026 geplant.

Nun gebe es aber gute Nachrichten: „Die Arbeiten können doch früher aufgenommen werden als gedacht, es stehen genügend Arbeiter zur Verfügung. Daher halten wir eine Fertigstellung des Glasfaserausbaus im ersten Quartal 2027 für realistisch.“ Man habe aus früheren Fehlern gelernt und wolle vor allem die Kommunikation mit den Bürgern verbessern, erklärte der Regionalmanager abschließend.

Nach Ostern sollen die Arbeiten weitergehen

Heftiger Gegenwind kam zuerst von Bürgermeister Tobias Uhrich, der die „Hände über den Kopf geschlagen“ hat, als er vom Baustopp erfahren hatte. Das angestrebte Datum sei aus seiner Sicht unrealistisch, „ich sehe doch, was noch alles gemacht werden muss“. Er könne die Entscheidungen nicht mehr verstehen und wollte zudem wissen, wie man mit dem Angebot von „1&1“ umgehen solle. Diese habe Flyer im Ort verteilt und auf das Sonderkündigungsrecht nach zwei Jahren bei nicht erbrachter Leistung hingewiesen.

„,1&1’ ist ein Kooperationspartner der Deutschen Glasfaser“, antwortete Diehl. Beide greifen auf dasselbe Netz zu, das in Neuried ausgebaut werde. Wenn es Mängel gebe, müsse die Firma zudem einen Baustopp einlegen. Da sei man streng und konsequent. Der Gemeinde wolle man den Ausbauplan zur Verfügung stellen. „Wir haben uns das nicht so erhofft mit den Insolvenzen, das macht uns langsam“, stellte Diehl klar.

Das Hin und Her mache auch die Arbeit der Verwaltung und des Gemeinderats langsam, hielt Uhrich dagegen. Zudem habe es einen zu häufigen Wechsel der Ansprechpartner gegeben. Das koste Zeit und Manpower, weswegen er von Diehl forderte: „Ich will, dass Sie mir besser zur Seite stehen. Seit fünf Jahren kommt nichts.“

Die fehlende Transparenz ist ein Kritikpunkt

Für Bernd Uebel (SPD) ist das ganze Unternehmen ein „Schneeballsystem“ mit vielen beteiligten Unternehmen. Es könne nicht sein, dass er vier Jahre darauf warten müsse, bis die Arbeit getan ist. „Wo sind eigentlich meine Daten?“, hakte er nach. Diese seien sicher abgelegt, betonte Diehl. Wenn Subunternehmen sie nicht weitergeben, sei man machtlos.

Hans-Jörg Hosch (UL) sprach erst ein Lob aus: „Die Baufirma in Ichenheim hat sauber gearbeitet“. Dies müsse man trotz aller Unzufriedenheit anerkennen. Er fragte sich, was passiert, wenn man nicht im Tiefbau fertig wird. „Wir arbeiten in zwei Teams, eines ist für den Tiefbau und eines für die Aktivierung zuständig.“ Dadurch seien sie unabhängig voneinander im Einsatz, unterstrich der Regionalmanager. Hosch kritisierte aber die fehlende Transparenz, etwa bei den Flyern.

Ratskollege Alex Fischer (UL) erkundigte sich, ob die Deutsche Glasfaser Zuschüsse für den Ausbau erhalten habe. Man orientiere sich nur an der Wirtschaftlichkeit, in den Ausbaubereichen gebe es keine Förderung, so Diehl.

Unternehmen klagen über den langsamen Ausbau

Bernd Reinboldt (FWV) sprach stellvertretend für die Gewerbetreibenden in Neuried, für die jetzige Situation sehr schwierig und ein „Drama“ sei. Man sei auf eine gute Internetverbindung angewiesen. „Ich hoffe, dass sich ihre Voraussagen bewahrheiten und nicht als Grimms Märchenstunde herausstellen“, richtete er seinen Wunsch an den Vertreter der Deutschen Glasfaser.

Die Deutsche Glasfaser

Die Deutsche Glasfaser ist ein führender deutscher Anbieter, der sich auf den Ausbau von reinen Glasfaseranschlüssen (FTTH – Fiber To The Home) in ländlichen und suburbanen Gebieten spezialisiert hat. Das Unternehmen plant, baut und betreibt Glasfasernetze, die bis direkt in die Wohnung führen, und ermöglicht so Internetgeschwindigkeiten von bis zu 1000 Megabit pro Sekunde oder mehr.Die Firma hat ihren Sitz in Borken.