Thomas Hitzlsperger verabschiedet sich schon jetzt als Vorstandsvorsitzender vom VfB Stuttgart. Foto: dpa/Tom Weller

Thomas Hitzlsperger sitzt an diesem Samstag ein letztes Mal als Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart auf der Tribüne. Doch im Vorfeld hat es mächtig Ärger gegeben – das sind die Hintergründe.

Der Plan steht. Thomas Hitzlsperger soll an diesem Samstag verabschiedet werden. Die Begegnung mit dem FC Augsburg ist sein letztes Spiel als Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart. Sein finaler Arbeitstag im Stadion, ehe am Montag Alexander Wehrle kommt und die Nachfolge antritt. So weit ist das ein guter Plan, weil er suggeriert, dass der Übergang zwischen dem neuen und dem alten AG-Boss ohne Ärgernisse geregelt wurde. Und weil er beinhaltet, dass ein wichtiger Angestellter nach zweieinhalb Jahren an der Clubspitze einen gebührenden Abgang erhält.

 

Doch die Realität hält sich nicht immer an Pläne. Hinter den Kulissen hat es nach Informationen unserer Redaktion wieder gerumpelt – und in einer Hauptrolle steckt Claus Vogt. Denn seit vergangenem Dezember ist zwar der Wechsel in der Führungsetage des Fußball-Bundesligisten bekannt, doch monatelang hatte sich der Präsident in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender offenbar nicht aktiv darum gekümmert, wie die Stabübergabe tatsächlich erfolgen soll.

Die Idee des Präsidenten Claus Vogt

Intern galt die Angelegenheit mit der kleinen Abschiedszeremonie nicht als gesichert. Jedenfalls so lange nicht, bis Vogt die Aufhebungsvereinbarung mit Hitzlsperger unterschrieben hat. Das erfolgte erst kurzfristig am Donnerstagabend, obwohl es einen langen Vorlauf gab. Vogt liebäugelte jedoch bis zuletzt mit der Idee, dass Hitzlsperger mit Wehrles Amtsantritt zwar nicht mehr Vorstandschef ist, aber bis zum Saisonende eben noch Sportvorstand. Hitzlsperger und Wehrle sollten das Ganze unter sich ausmachen. Sie verstehen sich ja, und der Ex-Nationalspieler sollte in Vogts’ Vorstellung gemeinsam mit dem Sportdirektor Sven Mislintat der Mannschaft im Abstiegskampf zur Seite stehen.

Hitzlsperger und Wehrle haben sich auch ausgetauscht. Der vom 1. FC Köln geholte Geschäftsführer soll dabei entspannt signalisiert haben, dass sein Vorgänger gerne sportlich weiter wirken dürfe, wenn es dem VfB am Ende helfen könnte. Eine Einarbeitungszeit benötigt der erfahrene Wehrle auf der Sachebene allerdings nicht. Hitzlsperger hatte zuvor betont, dass er bis zur letzten Dienststunde alles für seinen Herzensclub geben werde. So wie Wehrle am Geißbockheim, wo es kürzlich einen emotionalen Abschied gab.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Die Erfolgsformel des VfB

Unter dem roten Clubdach an der Mercedesstraße herrscht jedoch eine andere Atmosphäre zwischen e.V.- und AG-Verantwortlichen. Argwohn regiert – und Hitzlsperger will gleich weg, offiziell nun zum 31. März. „Der VfB muss sich voll und ganz auf das Ziel Klassenerhalt fokussieren. Ein reibungsloser, professioneller Übergang auf der Position des Vorstandsvorsitzenden ist dafür jetzt das Beste. Alexander Wehrle erhält von mir jede Unterstützung, die er braucht“, sagt Hitzlsperger.

Der Profibetrieb des VfB ist ja auch keine Abteilung eines Amateurvereins, in der man per persönlicher Präsidentenbitte sein Engagement kurz mal verlängert oder verkürzt, sondern die Fußballer sind in eine Aktiengesellschaft ausgegliedert. Da gibt es eine AG-Satzung, an die man sich halten muss. Da gibt es arbeitsrechtliche Formalien, die es zu beachten gilt. Und da gibt es Verträge, die hoch dotiert, aber zu ändern sind, wenn sich der Ressortzuschnitt im Vorstand ändert. Dennoch ist Vogt nicht auf Hitzlsperger zugegangen, um über eine Lösung zu sprechen. Obwohl es zudem um einen ordentlichen Gehaltsbetrag gegangen ist, den sich die Stuttgarter einsparen, wenn der Meisterspieler von 2007 sein ursprünglich bis 31. Oktober 2022 datiertes Arbeitspapier nicht aussitzt.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Alexander Wehrle kommt früher als gedacht

Nach Darstellung des Präsidenten war die Unterhaltung mit dem AG-Chef aber nicht mehr nötig, da sich schon der Aufsichtsrat mit seinem Vorschlag nicht anfreunden konnte. Das wäre jedoch die Voraussetzung gewesen, um die Rochade durchzuführen. Denn das Kontrollgremium hätte Hitzlsperger als Vorstandsvorsitzenden abberufen – und ihn gleichzeitig als vorübergehenden Sportvorstand wieder bestellen müssen. Möglich ist das, üblich keineswegs. Allerdings teilte Vogt das Stopp des Aufsichtsrates nicht mit, so dass sowohl Hitzlsperger als auch die Öffentlichkeit davon ausgehen mussten, dass er dieses Vorhaben weiterverfolgt. Schließlich hatte er die Idee medienwirksam platziert – ohne sich abzustimmen.

Wie läuft es mit dem Aufhebungsvertrag?

Lesen Sie aus unserem Angebot: Warum beim VfB eine trügerische Ruhe herrscht

Das hat zu Irritationen geführt. Höflich ausgedrückt, da das Verhältnis zwischen Hitzlsperger und Vogt nicht erst seit dem Machtkampf von 2021 zerrüttet ist. Weshalb Hitzlsperger seinen Aufhebungsvertrag mit zwei anderen Aufsichtsratsmitgliedern verhandelte. Die Vereinbarung beinhaltet den Blitzausstieg, wenige Tage der Übergabe an Wehrle – und der VfB spart einen niedrigen sechsstelligen Betrag an Gehalt ein.

Letztlich musste die Kernbotschaft vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg noch nach außen kommuniziert werden. Die Fans sollen wissen, dass Hitzlsperger den VfB bereits verlässt, um den entsprechenden Rahmen in der Arena zu bilden. Das geschah am Donnerstagabend. Natürlich wird dabei der Schein gewahrt, dass sich die Wege harmonisch trennen. „Thomas Hitzlsperger hat den VfB positiv geprägt, verändert und mit Mut auch durch schwierige Zeiten geführt“, sagt Vogt in der Stunde des Abschieds.