Im Falle einer Katastrophe ist die Bevölkerung auf Hilfe von Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz angewiesen. Aber jeder kann seinen Teil dazu beitragen.
Wer hat heutzutage noch ein batteriebetriebenes Radio zu Hause? Und wie steht es um einen gepackten Notfall-Rucksack?
Laut Umfragen haben in Deutschland gerade einmal sieben Prozent der Befragten einen Notfall-Rucksack daheim.
Der Stromausfall in Berlin dieser Tage zeigte indes deutlich, wie verwundbar viele Menschen sind. Und wie schnell es zu einer Ausnahmesituation kommen kann.
Mutmaßlich aufgrund eines linksterroristischen Brandanschlags auf Stromleitungen hatten in Berlin rund 45 000 Haushalte und 2200 Betriebe tagelang weder Strom noch Heizung. Am Mittwoch – Tag fünf des Ausfalls – waren schließlich wieder alle Haushalte am Netz. Es handelte sich um den längsten Ausfall der Nachkriegsgeschichte.
Was, wenn der Kreis Calw von einem ähnlichen Ereignis getroffen wird? Und was kann und sollte jeder selbst tun? Wir haben nachgehakt.
Der Kreis Calw ist gut auf Katastrophen vorbereitet
Durch viele engagierte Helfer der Feuerwehr und der Hilfsorganisationen sei der Kreis Calw gut auf eine Vielzahl von Ereignissen vorbereitet, erklärt dazu Mara Müssle, die Pressesprecherin des Calwer Landratsamt, auf Anfrage unserer Redaktion.
Weiter sorgten behördliche Vorgänge, beispielsweise Hochwasser- und Brandschutz, sowie human- und tiermedizinische Vorbereitung, für zusätzlich für Sicherheit.
Mithilfe der Bevölkerung ist entscheidend
Die spontane Mithilfe der Bürger mache laut Müssle aber einen entscheidenden Unterschied.
Die Pressesprecherin verweist jedoch auf eine repräsentative Bevölkerungsbefragung der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern – Landau mit dem Titel „Notfall- und Katastrophenvorsorge in Deutschland“. Obwohl es wichtig sei, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, haben 56 Prozent der Befragten sich nicht damit auseinandergesetzt. Besonders hoch ist die Zahl demnach bei den 16- bis 29-Jährigen. Von ihnen geben mehr als 70 Prozent an, sich nicht mit dem Thema beschäftigt zu haben.
Vorbereitung der Bürger sieht schlecht aus
Zwar geben rund neun von zehn Befragten an, eine ausreichende Lichtquelle zu besitzen, doch nur sieben Prozent haben einen gepackten Notfall-Rucksack zu Hause.
Müssle berichtet, dass Verständnis für die Vorsorge wachse durch die Krisen. Insbesondere die Berichterstattung der Medien trage dazu bei. Sie betont: „Im Allgemeinen ist die Vorbereitung jedoch nicht ausreichend.“
Was jeder Einzelne tun kann
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat im Oktober einen neuen Ratgeber mit dem Titel „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ veröffentlicht. Unter anderem beschreiben sie, wie viele Vorräte an Wasser und Nahrungsmittel man pro Person pro Tag brauche. Weiter geben sie Tipps für die Vorsorge von Personen mit Beeinträchtigungen. Dabei betont das BBK: „Vorbereitung muss nicht aufwendig sein.“
Die Ausnahmesituationen werden sich häufen
Die Bürger müssten davon ausgehen, dass auch der Landkreis Calw irgendwann vermehrt von Katastrophen betroffen sein könne. Das liege, so die Pressesprecherin Müssle vom Landratsamt Calw, an klimatischen und geopolitischen Veränderungen.
International gesehen steige der Trend der Naturkatastrophen schließlich. Der inflationsbereinigte Schaden seit 1980 belaufe sich auf ungefähr 6,9 Billionen US Dollar. Als Quelle nennt sie dafür die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft.
Das Wichtigste in einer Krise ist Zusammenarbeit
Menschen müssten zusammenarbeiten um schwierige Situationen zu überstehen, erklärt Müssle. Das sei sowohl im Kleinen, wie in der Familie oder der Nachbarschaft der Fall, als auch im Großen, bei Behörden und Hilfsorganisationen.