Die beiden Städte sind unterschiedlich gerüstet. Diese Abläufe und Strukturen sind im Krisenfall oder bei längerem Stromausfall vorgesehen.
Nach dem großflächigen Stromausfall im Schwarzwald-Baar-Kreis im Februar rücken auch Donaueschingen und Hüfingen ihre Krisenvorsorge in den Fokus. Beide Städte betonen, auf Notlagen vorbereitet zu sein – allerdings auf sehr unterschiedliche Weise.
Donaueschingen verweist auf ein seit mehr als zehn Jahren systematisch ausgebautes System für außergewöhnliche Schadenslagen und Krisenfälle. Grundlage sind ein Gefahrenplan und eine Stabsdienstordnung für die Leitungsgruppe bei besonderen Schadensereignissen. Sie wurde im Jahr 2018 vollständig neu aufgestellt und wird derzeit erneut überarbeitet. Darin sind Zuständigkeiten, Abläufe und Einsatzbereiche innerhalb der Stadtverwaltung klar geregelt, ebenso die Aufgaben des städtischen Krisenstabs im Ernstfall.
Krisenmanagement versteht die Stadt ausdrücklich nicht als Papierübung, wie Pressesprecherin Beatrix Grüninger mitteilt: Die Mitglieder des Verwaltungs-Krisenstabs werden regelmäßig geschult, Abläufe trainiert und Zuständigkeiten gefestigt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit den Blaulichtorganisationen, also Feuerwehr, Polizei, Technischem Hilfswerk (THW), dem Roten Kreuz (DRK) und weiteren Hilfsorganisationen.
Sehr konkret ist Donaueschingen beim Thema Infrastruktur und Anlaufstellen: Die Stadt hat organisatorische und technische Vorsorgemaßnahmen getroffen, um die Ausfallsicherheit wichtiger Infrastrukturen zu erhöhen und hat eine Ersatzwasserversorgung im Gewann Ruckhalde implementiert sowie Diesel im Vorrat und ein Notstromaggregat.
Anlaufstelle Feuerwehrgerätehäuser
Für die Bevölkerung sind die Feuerwehrgerätehäuser in der Kernstadt und allen Ortsteilen als Notfall‑Treffpunkte definiert, die mit Notstromaggregaten ausgestattet sind. Dauert ein Stromausfall länger als 30 Minuten, können Bürger dort Notrufe absetzen und Hilfe anfordern.
Die Stadt beteiligt sich seit Jahren am bundesweiten Warntag und empfiehlt die Nutzung der Warn‑App NINA, die neben Gefahreninformationen auch konkrete Handlungsempfehlungen liefert.
Hüfingen beschreibt sein Krisenmanagement als eng angelehnt an die offiziellen Handlungsempfehlungen des Innenministeriums Baden-Württemberg zur Stabsarbeit in Gefahrenabwehr und Krisenbewältigung. Bei einem Blackout oder einer anderen flächendeckenden Krisenlage soll umgehend ein administrativer Stab einberufen werden, der Lage, Prioritäten und Ressourceneinsatz steuert.
Zugleich setzt die Stadt stark auf Eigenvorsorge und Nachbarschaftshilfe: Bürger sollen batteriebetriebene oder solarbetriebene Radios nutzen, behördliche Durchsagen verfolgen und den Anweisungen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten folgen, wie Bürgermeister Patrick Haas ausführt.
Organisatorisch arbeitet Hüfingen gemeinsam mit der unteren Katastrophenschutzbehörde regelmäßig an der Krisenbewältigung und plant für dieses Jahr einen großen Schritt: Zwischen dem zweiten und dritten Quartal soll zusammen mit der EnBW das Handbuch für kommunales Notfall- und Krisenmanagement detailliert überarbeitet werden, verbunden mit einer Stabsrahmenübung in Workshopform.
Personalwechsel an wichtigen Stellen
Die Stadt reagiert damit nach eigenen Angaben auf weltpolitische Entwicklungen und auf Personalwechsel an „neuralgischen Punkten“ im Rathaus, etwa beim Bürgermeister, der Hauptamtsleitung und der zuständigen Sachgebietsleitung.
Konkrete Notfalltreffpunkte existieren in Hüfingen noch nicht in ausdefinierter Form. Das Land hat zwar Rahmenempfehlungen vorgegeben, doch die Ausgestaltung und Festlegung möglicher Treffpunkte für die Kernstadt und Ortsteile soll erst im Zuge der anstehenden Weiterentwicklung des Notfall- und Krisenmanagements finalisiert werden. Erst dann will die Stadt Standorte und Ausstattung – etwa Notstrom, Kommunikationswege für Notrufe und Erste Hilfe – öffentlich machen.
Krisenhandbuch wird überarbeitet
Die Sicherung kritischer Infrastrukturen wie Wasserversorgung, Abwasser, Kommunikation und Feuerwehr bezeichnet Hüfingen als Kernbestandteil seiner Notfallplanung, wie Haas ausführt. Die stark besetzte Feuerwehr soll im Krisenfall voll einsatzfähig sein und als erstes Bindeglied zur Bevölkerung fungieren. Im Rahmen der Überarbeitung des Krisenhandbuchs will die Stadt die Schnittstellen und Notbetriebskonzepte prüfen, unter Einbindung von Wassermeister, Elektriker und Stadtbaumeister.
Ergänzend nutzt die Stadt das neue landesweite Krisenmanagement-Handbuch und setzt auf flexible Stabsstrukturen, die bei Unwettern ebenso wie bei Energieausfällen oder Spannungs- und Kriegsfällen greifen sollen. Ein regelmäßiger Austausch mit der unteren Katastrophenschutzbehörde über eine digitale Plattform soll die Verzahnung mit der Landkreisebene sichern.