Die Weinreben auf dem Schutterlindenberg. Für die Lahrer Winzer wird das Überleben immer schwieriger. Foto: Stadt Lahr/Thomas Sattler

Die Auflösung nach 55 Jahren hat nicht nur wirtschaftliche Gründe, berichtet Georg Bader.

Auch wenn sie nicht mehr überraschend kam, hat die Nachricht Anfang März für Bestürzung gesorgt: Die Winzergenossenschaft Lahr löst sich auf. Vorsitzender Georg Bader blickt im Gespräch mit unserer Redaktion auf die Anfänge der WG – und auf die Gründe für das Aus.

 

Die Winzergenossenschaft Lahr wurde im Jahr 1971 gegründet. 110 Mitglieder hatte sie damals, diese bewirtschafteten eine Rebfläche von rund 60 Hektar. Die WG Lahr war stets eine sogenannte trockene Genossenschaft. Das hat nichts mit trockenen oder lieblichen Weinen zu tun, erklärt Bader, sondern bedeutet, dass der Wein nicht in Lahr hergestellt wurde, sondern die Winzer lediglich ihre Trauben abgegeben haben. Das geschieht noch bis Ende des Jahres in Hugsweier. Damit aus den Trauben Wein wurde, wurden sie von der Sammelstelle zum sogenannten „Ausbau“ nach Breisach gebracht.

Bader berichtet, dass das Sortiment einst breit gefächert war. Es gab trockene und liebliche Rotweine, Weißburgunder, Grauburgunder, Spätburgunder Weißherbst, Chardonnay, Auxerrois bis hin zu Schwarzriesling. Auch Sekt aus Lahr wurde früher ausgebaut. Seit einigen Jahren jedoch gibt es nur noch drei Sorten: einen Grauburgunder, einen Weißherbst und einen Rotwein. „Mit drei Sorten am Markt ist es schwierig zu bestehen“, so Bader.

Winzer haben Nachwuchssorgen

Der Winzer, zugleich Ortsvorsteher von Hugsweier, nennt weitere Gründe für das wohl alternativlose Aus der Winzergenossenschaft. „Unsere Mitgliederschaft ist stark gesunken“, erklärt er. Nur 19 Mitglieder waren es am Ende. Wenn früher ein Winzer aus Altersgründen aufgehört und keine eigene Nachfolge gefunden hatte, hätten größere Betriebe seine Rebfläche übernommen. Heute wolle dies niemand mehr tun. Das habe zur Folge, dass die Anbaufläche auf 12,7 Hektar gesunken ist. „25 Hektar bräuchten wir zum Überleben“, schätzt Bader. Also fast doppelt so viel. Auch für Verantwortungspositionen innerhalb der WG habe sich der Nachwuchsmangel bemerkbar gemacht.

Hinzu komme, dass die Ausgaben für die Winzer steigen, während die Absatzmöglichkeiten sinken. „Die Kosten decken sich nicht mehr“, bringt es Bader auf den Punkt. Ein entscheidender Punkt: Die Menschen trinken immer weniger Wein (siehe Info). Laut Bader bekommen dies die Winzer auch in der Vermarktung an die Gastronomie zu spüren. Der Mindestlohn und Bürokratie-Auflagen würden es den Winzern zusätzlich schwer machen. „Das kann man nicht für immer machen.“ All das habe dazu geführt, dass die Mitglieder Ende des vergangenen Jahres die Auflösung beschlossen haben.

Für die übrig gebliebenen Winzer stellt sich nun nach dem Aus der WG die Frage, wie aus ihren Trauben jetzt Wein wird. Bader kündigt an, dass die WG noch in diesem Jahr die Ernte übernehme. Am dem kommenden Jahr seien die Winzer auf sich selbst gestellt. Einige würden dann mit der Winzergenossenschaft Oberschopfheim zusammenarbeiten.

Bader selbst hat bereits im Jahr 2023 die Zeichen der Zeit erkannt und sich mit seinem Sohn Steffen Bader selbstständig gemacht. Die beiden betreiben gemeinsam ein Bio-Weingut, vertreiben Auxerrois, Müller-Thurgau und Co. über einen Hofverkauf und im Internet.

Weinkonsum ändert sich

Laut dem Deutschen Weininstitut trank ein Erwachsener im Durchschnitt von August 2024 bis Ende Juli 2025 21,5 Liter Wein. Im Wirtschaftsjahr zuvor seien es noch 22,2 Liter gewesen, im Wirtschaftsjahr 2020/21 gar noch 24,3 Liter.