Damit in Kappel-Grafenhausen die Keller trocken bleiben, setzte sich Wolfgang Köbele seit 2002 mit seiner Bürgerinitiative für Hochwasserschutz ein. Foto: Ullrich

Die Bürgerinitiative setzte sich 23 Jahre lang für den Hochwasserschutz in Kappel-Grafenhausen ein. Nun löst sie sich auf. Der Grund: Sie hat ihre Ziele erreicht.

Alteingesessene Bürger werden sich daran erinnern: Sobald es in der Region entlang der Elz stark geregnet hatte, mussten Hausbesitzer aufgrund von Drückwasser um ihre trockenen Keller bangen. Um das Thema Hochwasserschutz voranzubringen, begannen im Jahr 2002 die Planungen für den Polder Elzmündung – und damit auch ein juristisches Tauziehen zwischen der Gemeinde Kappel-Grafenhausen und dem Regierungspräsidium. Letzteres wollte den Bau durchsetzen, die Verwaltung hatte – gemeinsam mit der Gemeinde Schwanau – jedoch Bedenken.

 

„Damals war die Aufregung groß. Wir hatten die Befürchtung, dass sich die Situation der volllaufenden Keller durch das Rückhaltebecken nur verschlimmern würde“, erklärt Wolfgang Köbele im Gespräch mit unserer Redaktion. Aus diesem Grund gründete der 72-Jährige mit drei weiteren Mitstreitern die Bürgerinitiative „Trockene Keller“. Das Ziel: „Wir wollten den Polder nicht abschaffen. Hochwasserrückhaltung ist wichtig – da kann man nicht dagegen sein. Wir wollten Lösungen finden.“ Und diese fand die BI im Jahr 2007 auch: „Wir haben bewirkt, dass die Pumpleistung der Polder erhöht wird und es einen Notstromanschluss gibt. Das sind Punkte, auf die wir stolz sind“, blickt Köbele zurück.

Wolfgang Köbele war Gründungsmitglied und Vorsitzender der BI. Foto: privat

Das eigentliche Problem – also die nassen Keller – habe sich damit jedoch nicht erledigt. „Die ursprüngliche Annahme, dass die große Gefahr für die Kellervernässungen im Tiefgestade von Kappel beim Polder ausginge, hat sich in der Realität schnell widerlegt. Jährlich wiederkehrende Kellervernässungen, zum Teil mehrfach pro Jahr, haben gezeigt, dass das eigentliche Problem die Elz ist“, erklärt der Senior. „Im Verlauf der Arbeit gegen die Polderplanung verdichteten sich die Hinweise, dass das Abflussregime und die Steuerung des Zuflusses zur Elz in Riegel bei Starkniederschlägen die Gründe für die häufigen Kellervernässungen in Kappel waren.“

BI dokumentiert seit 2006 Niederschlagsereignisse

In anderen Worten: Die Gemeinde Riegel kann Wasser der Elz bei Starkregen in den sogenannten Leopoldskanal umleiten, bevor es in Kappel-Grafenhausen ankommt. „Es wurde meist jedoch erst reagiert, wenn die Hilferufe kamen“, erinnert sich Köbele und betont: „Das ist zu spät, weil man es in Kappel erst acht bis zehn Stunden später merkt, wenn die Elz bei Riegel umgeleitet wird.“

Die Konsequenz der BI: „Wir haben stark darauf gedrängt, dass das Wasser bereits bei Unwetterwarnungen in Riegel abgeleitet wird.“ Als Grundlage dienten 18 Niederschlagsereignisse, die von Köbeles Gruppe seit 2006 dokumentiert und aufgearbeitet wurden. Laut Köbele wird der Forderung bereits seit rund vier Jahren nachgegangen. Auch die regelmäßige Reinigung der Elz – damals sei das keine Selbstverständlichkeit gewesen – sei der BI zu verdanken.

Rund 100 Mitstreiter schlossen sich der BI an

Nach 23 Jahren Engagement ist für Köbele und seinen rund 100 Mitgliedern Schluss – für das Vorstandsteam gibt es keine Nachfolger. Für den 72-Jährigen jedoch kein Grund zur Trauer. „Wir haben unsere wichtigsten Ziele erreicht. Trotz der ganzen Arbeit bereue ich es nicht, die Bürgerinitiative ins Leben gerufen zu haben. Ich bin sehr zufrieden“, zieht er Bilanz. Die BI „Trockene Keller“ habe Wort gehalten: „Heute steht kein Wasser mehr in den Häusern.“