Von Januar bis Mai wurden dem Gesundheitsamt Ortenaukreis acht FSME-Fälle gemeldet – das sind mehr als im gleichen Zeitraum der vorangegangenen vier Jahre. Evelyn Bressau, Leiterin des Gesundheitsamts, erklärt wie man sich vor Zecken schützen kann.
Schönes Wetter und sommerliche Temperaturen ziehen die Menschen in die Natur. Wer von einem Ausflug zurückkommt, sollte sich gründlich absuchen, denn der Ortenaukreis ist auch in diesem Jahr wieder – wie fast das gesamte Bundesland – als FSME-Risikogebiet eingestuft.
Wo ist die Gefahr besonders groß?
„Zecken kommen überall vor, wo auch die Wirtstiere leben“, erklärt Evelyn Bressau, Leiterin des Ortenauer Gesundheitsamts auf Nachfrage unserer Redaktion. Deshalb gebe es in Wäldern und Wiesen die meisten Zecken. Von Vögeln, Hunden und anderen Tieren würden die Blutsauger oft auch in die Nähe der Menschen getragen. „Somit birgt jeder Aufenthalt in der Natur ein Risiko, auch der im heimischen Garten“, erklärt Bressau.
Wie kann man sich schützen?
Zecken würden auf Gräsern oder Büschen in einer Höhe von bis zu 1,5 Metern warten, dass ein Wirt vorbeikomme. Um sich zu schützen, empfiehlt die Gesundheitsamtsleiterin, das Wandern durch hohe Gräser zu vermeiden, bei jedem Aufenthalt in der Natur langärmelige Kleidung anzuziehen und sich nach jedem Aufenthalt gründlich abzusuchen. Auch die Verwendung von Zeckenspray zeige gute Wirkung.
Was soll man tun, wenn sich ein Tier festgebissen hat?
Um das Risiko einer Borrelien-Übertragung zu senken, müsse die Zecke so schnell wie möglich entfernt werden. „Greifen Sie die Zecke nah an der Einstichstelle am Kopf und ziehen Sie sie vorsichtig heraus“, rät die Expertin. Man könne den Parasit mit einem Werkzeug oder mit den Fingern entfernen. Anschließend muss die Stelle desinfiziert und beobachtet werden. Wer eine „Wanderröte“ – ein Anzeichen einer Borrelien-Infektion – feststellt, soll sich an einen Arzt wenden.
Welche Folgen kann ein Zeckenbiss haben?
Sollte eine Zecke mit dem FSME-Virus infiziert sein, werde ihr Stich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Infektion nach sich ziehen. „Bei einem Stich wird das FSME-Virus quasi sofort übertragen“, so die Expertin. Borrelien würden bei einem Stich einer infizierten Zecke erst nach mehreren Stunden übertragen. Auch eine „normale Infektion“ der Wunde sei möglich.
Wie viele FSME-Fälle gab es bereits?
Im Jahr 2023 seien dem Gesundheitsamt bisher acht FSME-Fälle gemeldet worden. Zwischen Januar und Mai seien mehr Fälle gemeldet worden, als in den Vergleichszeiträumen der vier Jahre davor.
Was sind die Folgen einer FSME-Infektion?
In den meisten Fällen würden diese ohne Symptome verlaufen und gar nicht entdeckt werden. Bei symptomatischen Verläufen würden meist grippeähnliche Symptome auftreten. „Es gibt einen kleinen Prozentsatz an Fällen, die einen schweren Verlauf entwickeln“, berichtet Bressau. Bei diesen könne es zu einer Hirnhaut-, einer Gehirn- oder einer Rückenmarksentzündung kommen. „Selbst nach schweren Verläufen kommt es meist zur völligen Heilung. Etwa ein Prozent der erkrankten Fälle führen jedoch zum Tod“, erklärt sie.
Was sind die Folgen einer Infektion mit Borrelien?
Auch diese Infektion verlaufe meist symptomlos, in manchen Fällen könne es zu einer Borreliose kommen. Neben der „Wanderröte“ könnten dabei Symptome wie Fieber, Lymphknotenschwellungen und Muskel- und Gelenkschmerzen auftreten. Auch das Nervensystem, Gelenke, oder in seltenen Fällen auch das Herz, könnten befallen werden.
Wie kann man den Krankheiten vorbeugen?
„Das Gesundheitsamt Ortenaukreis empfiehlt ausdrücklich eine Impfung gegen das FSME-Virus“, so Bressau. Gegen Borrelien sei dagegen derzeit keine Impfung verfügbar.
Was sind Hyalomma-Zecken?
„Hyalomma“ bezeichnet eine Zecken-Gattung aus 27 Arten, von denen in Deutschland bisher zwei Vertreter gefunden wurden. Mit bis zu zwei Zentimeter Körperlänge könnten sie größer werden als die heimischen Arten. „Außerdem besitzen Hyalomma-Zecken Augen und sind dafür bekannt, dass sie ihre Wirtstiere aktiv jagen“, erklärt Bressau. Zu den bedeutendsten potenziell von Hyalomma-Zecken übertragenen Krankheitserregern gehörten Rickettsia-Bakterien, die das Zecken-Fleckfieber auslösen, das Alkhumra-Virus, das das Arabisch-Hämorrhagische-Fieber auslöst und das Krim-Kongo-Fieber-Virus. „Alle drei Erkrankungen sind schwere Infektionserkrankungen, die auch tödlich verlaufen können“, klärt Bressau auf.
Gibt es diese Zeckenin der Ortenau?
Zum jetzigen Zeitpunkt seien dem Gesundheitsamt keine Sichtungen von Hyalomma-Zecken im Kreis bekannt.
Zecken als Nahrungsquelle
„Man kann davon ausgehen, dass Zecken in der Nahrungskette eine Rolle spielen, etwa als Futter für unsere Vögel“, erklärt Petra Rumpel, Geschäftsführerin des Umweltzentrums Ortenau. Außerdem seien Krankheiten und Parasiten in der Natur mit daran beteiligt, Bestände in gewissen Grenzen zu halten. „Sie können auch bei der Evolution eine Rolle spielen, indem sie Bestände von Tieren oder Pflanzen mit bestimmten Immunitäten zu einem Überlebensvorteil verhelfen“, so die Expertin.