Die Schullandschaft soll sich verändern, wenn es nach den Autoren einer Studie geht. Am Beispiel des Landkreises Calw zeigen sie auf, das es bedeuten würde, wenn ihre Vorschläge umgesetzt werden. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Eine Initiative will das Schulsystem im Land reformieren. Am Beispiel des Kreises Calw zeigen die Initiatoren, wie das im ländlichen Raum aussehen soll. Eine Folge: Schulschließungen.

Aus vielen mach zwei: Geht es nach der Initiative für eine Neue Sekundarschule, sollen in Baden-Württemberg künftig alle weiterführenden Schularten – außer den Gymnasien – unter einem Dach zusammengefasst werden.

 

Vor Kurzem legte die Initiative dazu eine Analyse vor, in der die Machbarkeit solcher „Neuer Sekundarschulen“ am Beispiel von vier Landkreisen durchgerechnet wurde. Neben den Kreisen Ludwigsburg, Tübingen und Reutlingen war auch der Kreis Calw dabei – als Beispiel für die Schulsituation im ländlichen Raum.

Das schlagen die Studien-Autoren vor

Bildungsforscher, Schulpraktiker und die Robert-Bosch-Stiftung schlagen in der Analyse vor, künftig eine Mindestgröße von 450 Schülern und drei Parallelklassen für weiterführende Schulen, verpflichtende Ganztagsangebote und intensive Berufsorientierung einzuführen.

Innerhalb der Neuen Sekundarschulen sollen diese selbst entscheiden, ob und wie die Profile von Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen bestehen bleiben.

Als Ziele nennen die Autoren der Studie mehr Bildungsgerechtigkeit, effizienteren Ressourceneinsatz und größere Planungssicherheit für die Schulentwicklung.

Zugleich sollen möglichst viele Schulstandorte erhalten bleiben. Die Zahl der organisatorisch selbstständigen Schulen würde aber deutlich schrumpfen.

Das wäre möglich, da schon heute vielerorts mehrere Schularten an einem Campus oder in unmittelbarer Nachbarschaft angesiedelt sind.

Die Initiative verspricht sich von einem solchen Schritt unter anderem leistungsfähigere und langfristig lebensfähige Schulstandorte, einen geringeren Konkurrenzdruck zwischen den Schulstandorten, eine bessere Lehrerversorgung und ein umfangreicheres Förderangebot.

Diese Standorte im Kreis Calw bleiben bestehen

Für den Kreis Calw würde das der Analyse zufolge bedeuten, dass aus den bislang 17 selbstständigen, nicht gymnasialen weiterführenden Schulen – sieben Realschulen, vier Gemeinschaftsschulen, sechs Werkrealschulen – elf Neue Sekundarschulen entstehen würden.

Konkret schlagen die Autoren der Studie vor, an vier Standorten, an denen zwei Schularten auf einem gemeinsamen Campus oder in unmittelbarer Nachbarschaft liegen, diese zusammenzuschließen.

Im Einzelnen gemeint sind Althengstett (Real- und Gemeinschaftsschule), Altensteig (Real- und Werkrealschule), Calmbach (Real- und Werkrealschule) und die Calwer Kernstadt (Real- und Werkrealschule).

Die Realschulen in Bad Liebenzell, Nagold und Wildberg, die Gemeinschaftsschulen in Neubulach, Nagold und Ebhausen sowie die Werkrealschule in Calw-Heumaden sollen bestehen bleiben.

Diese Standorte im Kreis Calw sollen schließen

Zwei Standorte im Kreis Calw würden der Analyse zufolge aufgrund der geringen Schülerzahl aber geschlossen: die Werkrealschulen in Haiterbach und Schömberg. Haiterbacher Schüler sollen sich demnach Richtung Nagold, Schömberg Schüler nach Bad Liebenzell oder Calmbach orientieren, sobald die Schulen ausgelaufen sind.

Die Gebäude in Haiterbach und Schömberg würden aber weiterhin gebraucht. Und zwar von den Grundschulen, die ab dem Schuljahr 2026/27 den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab der Klassenstufe 1 erfüllen müssen.

Diese Pläne gibt es für eine Oberstufe

Nicht zuletzt haben die Autoren der Studie auch Pläne für eine eigene Oberstufe an zwei Standorten. Eine soll in Althengstett eingerichtet werden, die andere in Neubulach oder Wildberg – wobei letztere als gemeinsame Oberstufe der drei Neuen Sekundarschulen in Ebhausen, Neubulach und Wildberg angepeilt wird.

In Calw, Nagold, Altensteig, Calmbach und Bad Liebenzell seien laut den Autoren der Studie Kooperationen mit den jeweils nahe gelegenen allgemeinbildenden oder beruflichen Gymnasien möglich.

Das versprechen sich die Studien-Autoren

Sollten die Vorschläge wie beschrieben umgesetzt werden, versprechen sich die Autoren der Studie davon langfristig stabile Schulstandorte.

Im Kreis Calw gäbe es dann elf Neue Sekundarschulen sowie vier allgemeinbildende, ein privates und zwei berufliche Gymnasien.

Diese Schulstruktur ermögliche flächendeckend im Kreis Calw ein wohnortnahes Schulangebot, in dem alle Abschlüsse gut erreicht werden können.

Wie geht es weiter?

Ob die Vorschläge aber tatsächlich umgesetzt werden – oder auch nur Gehör finden –, ist derzeit völlig offen. Fest steht, dass darüber zunächst die neue baden-württembergische Landesregierung und der im März neu gewählte Landtag beraten müssten.

Bekanntermaßen befinden sich Grüne und CDU derzeit noch in den Koalitionsverhandlungen. Die konstituierende Sitzung des Landtags ist für den 12. Mai anberaumt.