Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) unterhält sich mit zwei Pornodarstellern (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer) am Set. Foto: BR

Der neue „Tatort: Hardcore“ aus München ist mehr Milieustudie als Krimi, aber absolut sehenswert.

Stuttgart - Was Sie schon immer über gefilmten Sex wissen wollten, aber nie zu fragen wagten, der neue „Tatort: Hardcore“ aus München bietet Anschauungsmaterial zuhauf. Längst wird das Geschäft in digital-vernetzten Zeiten nicht mehr von Porno-Imperien und Film­studios beherrscht. Heuer kann sich der kleine Mann samt Nachbarn und Bekannten mit seinem Hochleistungs-Smartphone in dem Genre austoben. Nebenerwerbsfilmer halten den Laden am Laufen. Das ist nicht die Erkenntnis einer Fernsehdokumentation, sondern eines höchst unterhaltsamen, stark besetzten Sonntagskrimis. Marie Wagner, Künstlername Luna Pink (Helen Barke), wird nach einem Porno-Dreh, bei dem sie gut zwei Dutzend maskierte Männer zufrieden­zustellen hatte (Fachjargon Bukake), in einem sterilen Hochhausapartment tot aufgefunden.

Unbedarfte Seher könnten googeln

Theoretisch kann der unbedarfte Seher die Zeit vor der Glotze mit Googeln verbringen, denn womöglich ist ihm nicht immer klar, welche Sexualpraxis sich hinter welchem Fachbegriff oder welcher Abkürzung verbirgt. Aber besser, er taucht einfach ein in diese enthemmte, brutale Welt, wie es die beiden Kriminalhauptkommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) tun. Sie wirken wie moralische Statthalter aus der Steinzeit, als Sex noch mit so was wie Liebe einherging.

Je schärfer die Szene, desto unschärfer das Bild

Dass das alles funktioniert, ist auch der Kamera von Jonas Schmager zu verdanken. Allein wie er die Charakterköpfe der beiden Polizisten bei einer Aufzugfahrt ins Licht rückt! Als Faustregel gilt: Je schärfer die Szene, desto unschärfer das Bild. Aber vermutlich wird das dem Boulevard reichen, um sich wort- und bildreich über den Krimi zu echauffieren. Wetten, dass?

ARD,
Sonntag, 20.15

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