Ringsheim übernimmt eine Vorreiterrolle in Sachen digitale Wasser- und Wärmezähler betonten Paul Spies von Badenova-Netze (von links), Robin Grey von Badenova-Netze mit einem "Gateway", Andrea Vogele von der Gemeinde Ringsheim, Bürgermeister Pascal Weber und Gemeinderatsmitglied Thomas Maurer mit einem digitalen Wasserzähler. Quelle: Unbekannt

Als erste Gemeinde im Gebiet des Energieunternehmens Badenova-Netze wird Ringsheim komplett auf digitale Wasser- und Wärmemengenzähler umstellen.

Das soll für Gemeinde, Unternehmen, aber auch Verbraucher einige Vorteile bringen. Sogar das SWR zeigte Interesse und war vor Ort für einen Beitrag, der später am Dienstag in den 18-Uhr-Nachrichten gezeigt wurde. 

Was genau ist geplant?
Die bisherigen  790 Wasser- und 220 Fernwärmezähler der Gemeinde Ringsheim sollen in allen Haushalten in den kommenden sechs Jahren flächendeckend durch digitale Zähler ersetzt werden. Auch in den Neubaugebieten soll es nur noch digitale Zähler geben. Übermittelt werden die Daten mithilfe der Funktechnik Lo-Ra-Wan.

Was sind die Vorteile  von diesem Wechsel  für die Gemeinde?
Bisher werden die Energie- und Wärmezähler einmal jährlich von Hand abgelesen. Diese Methode ist jedoch fehleranfällig, erklärt Andrea Vogele, die zuständige Sachbearbeiterin im Rathaus Ringsheim.  »Circa zehn Prozent der Meldungen, die wir übers Internet bekommen, sind fehlerhaft. Und fünf Prozent der Gesamtnutzer melden uns gar keine Daten. Zu ihnen müssen wir dann jemanden hinschicken oder den Bedarf schätzen«, erklärt sie.

Was sind die Vorteile für die Kunden?
Die Zähler sind so eingestellt, dass sie größere Abweichungen registrieren. So könnte etwa ein Wasserrohrbruch registriert werden, wenn plötzlich über einen längeren Zeitraum größere  Wassermengen verbraucht werden oder kleinere Mengen sowohl tags- als auch nachtsüber  beständig fließen. Die Gemeinde könnte dann reagieren – selbst wenn der Eigentümer im Urlaub ist. »Wir glauben, dass das für den Kundenservice etwas Wichtiges ist. Wir wollen das aber nicht zu scharf stellen und den Messrahmen nicht zu eng stecken. Unser Ziel ist es nicht, die Bürger zu überwachen«, betont Ringsheims Bürgermeister Pascal  Weber. Zudem wäre es einfacher für den Verbraucher, an Zählerdaten zu kommen oder diese zu melden – was etwa bei einem Umzug von Vorteil wäre.

Wie sicher sind die Daten?
Für die Badenova-Netze haben die neuen Zähler den Vorteil, dass sie die benötigten Energie- und Wassermengen besser überwachen und so die Netze besser und effizienter steuern kann. Sie  erhält jedoch nur Verbrauchsdaten und Zählernummern. Mit den Adressen verknüpft werden die Nummern über eine für die Gemeinde maßgeschneiderte Plattform. Sprich: Nur zuständige Sachbearbeiter sollen Zugang zu den Daten erhalten, in welchem Umfang bestimmt die Gemeinde.

Warum Funk?
Die Technik Lo-Ra-Wan habe zum einen eine  hohe Durchdringung. »Wir verwenden das etwa auch in Schächten. Es funktioniert bei nahezu 100 Prozent der Haushalte«, erklärt Paul Spies, der bei Badenova-Netze Leiter der technischen Umsetzung ist. Zudem sei man unabhängig vom Mobilfunknetz und könne jederzeit auch nachverdichten, sollte die Technik nicht mehr ausreichen.  In Ringsheim werden zwei »Gateways« im Einsatz sein, die die Funksignale übertragen. Zum anderen sei die bei Lo-Ra-Wan verwendete Funktechnik sehr strahlungsarm.

Wie hoch sind die Kosten?
»Die Gemeinde muss in Vorleistung gehen«, erklärt Bürgermeister Weber. Und mit der Gemeinde auch die Wasserbezieher, auf die die Kosten im nächsten Schritt umgelegt werden. Die beiden Gateways werden einen vierstelligen Betrag kosten, für alle neuen Zähler dürften circa 100 000 Euro fällig werden. Die Investition dürfte sich langfristig aber für alle lohnen, betont Weber. So fielen zum einen die Kosten für das Ablesen weg. Zum anderen müssen die regulären Zähler alle sechs Jahre ohnehin getauscht werden. Die neuen Zähler hingegen müssten dies in Zukunft nur alle acht Jahre, wenn sie nach sechs Jahren den Eichtest bestehen. Langfristig hofft Spies sogar, dass ein Wechsel nur alle zwölf Jahre nötig sein wird. 


Gibt es auch Kritik an den neuen Wasserzählern?
Ja. Diese wurde unter anderem bei der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend deutlich. In dieser stand die Verabschiedung einer neuen Wasserversorgungssatzung auf der Tagesordnung, die die rechtlichen Grundlagen für  die digitalen Wasserzähler beinhaltet. Ein Bürger meldete sich zuvor in der Frageviertelstunde zu Wort. »Die neue Satzung ist rechtswidrig«, sagte er und bezog sich dabei auf die Übermittlung der Daten per Funk. Er wollte genau wissen, welche  Daten an Partnerfirmen  für die Auslesung weitergegeben werden. Zudem kritisierte der Bürger die Vorgehensweise des Bürgermeisters und des Gemeinderats. »Es gibt kein rechtlichen Missstände«, entgegnete Weber. Er betonte, dass die Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung eingehalten werden, indem die Daten verschlüsselt gesendet werden. 

Kann  man zum Wechsel  gezwungen werden?
»Theoretisch ja«, erklärt Bürgermeister Weber beim Pressetermin.  Allerdings liege das nicht im Interesse der Gemeinde. Die Bürger könnten individuell gegen die Zähler Widerspruch einlegen, sollte eine besondere Situation vorliegen. Dann würde der betroffene Haushalt zunächst für die kommenden sechs Jahre analoge  Zähler bekommen, dann sehe man weiter. Unserer Redaktion liegt Kenntnis von mindestens   einem Ringsheimer Bürger vor, bei dem diese Ausnahmeregelung bereits gegriffen hat. Im Gemeinderat erläuterte  Weber später, dass jeder Ringsheimer Bürger, der keinen digitalen Wasserzähler möchte, auf die Gemeinde zukommen könne.  Der Gemeinderat beschloss die neue Satzung am  Abend  einstimmig.

Ist das die Zukunft?

Ringsheim übernimmt eine Vorreiterrolle im Badenova-Gebiet, erklärt Robin Grey, Geschäftsführer Badenova-Netze, betont jedoch zugleich auch: "Langfristig wird es bei uns nur noch eine Welt geben, in der Zählerstände digital erfasst werden – und das nicht nur bei Badenova." Die neu eingebauten, digitalen Zähler, die die Presse im Haus von Gemeinderatsmitglied und Badenova-Netze-Angestellten Thomas Maurer schon einmal begutachten durfte, laufen übrigens tadellos, bestätigten sowohl Maurer als auch Spies.