Obwohl sie kaum Deutsch können, hörte die Vorbereitungsklasse gebannt zu, was Jürgen Fischer vorlas. Foto: Hoffmann

Jürgen Fischer entführte zahlreiche Grundschüler in spannende Welten – auch diejenigen, die kaum Deutsch verstehen. Ab nächstem Jahr übernimmt er außerdem die Koordination des Aktionstages.

Von der zeitreisenden Hannah, römischen Latrinen und dem Freilichtmuseum in Hechingen-Stein handelte die Geschichte, die Jürgen Fischer am Freitagmorgen Kindern in der Grundschule Hechingen vorlas. Schon seit zehn Jahren trägt er am bundesweiten Vorlesetag Erzählungen an die Schüler heran, im Laufe der Zeit habe er sich einen ganzen Fundus an Kinderbüchern angeschafft, wie er erzählt.

 

Künftig wird Fischer den Aktionstag koordinieren

Im kommenden Jahr kommt dann eine weitere Aufgabe auf Fischer zu: Der Ehrenämtler wird den Vorlesetag zukünftig organisieren. Seine Motivation: „Ich finde es einfach wichtig, dass man Kinder an die Bücher heranführt und ihnen zeigt, dass es noch ein anderes Medium als das Tablet gibt.“ Dass Lesen großen Spaß machen kann, merkt man Fischer auch beim diesjährigen Vorlesetag an. Insgesamt vor drei Klassen erzählt er in lebhaftem Ton, die Kinder lauschen gespannt.

Kinder verstehen kaum Deutsch

Ob sie die vorgelesene Geschichte verstehen? Vermutlich nicht, denkt Lehrerin Claudia Weihing. Bei Fischers jungem Publikum handelt es sich nämlich um eine Vorbereitungsklasse (VKL) mit Kindern zwischen sechs und neun Jahren aus Albanien, Griechenland, der Türkei, Philippinen, der Ukraine, Bosnien und Ungarn. Die meisten von ihnen sind erst seit Kurzem in Deutschland und verstehen die Sprache kaum.

Eine besondere Herausforderung für Jürgen Fischer, der sich darum bemüht hatte, eine einfache Geschichte für die Aktion auszusuchen. Aber mit kleinen Rätseln und einem verblüffenden Kartentrick sicherte er sich die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer.

„Für die Kinder ist es wichtig, dass sie auch mal zuhören“, findet er. Auch Weihing ist vom Engagement des Hechingers begeistert: „So bekommen sie in Kontakt zur deutschen Sprache, den sie sonst vielleicht nicht hätten. Das ist ein schöner Impuls.“

Philipp Hahn und Otto Pflumm lesen in Stetten

Neben Fischer waren auch Bürgermeister Philipp Hahn und Stettens Ortsvorsteher Otto Pflumm als Vorleser aktiv. Hahn besuchte die Viertklässler der Nachbarschafts-Grundschule Stetten-Boll und las ihnen aus dem Kinderbuch „Die schlimmste Klasse der Welt“ vor. Er plädierte außerdem für das Lesen zu Hause als Alternative zu Computerspielen.

Pflumm hingegen wählte ein heimatgeschichtliches Thema und präsentierte die Sage von der Heiligkreuzkapelle nach Ludwig Egler, wodurch er den Kindern regionale Geschichte näherbrachte.

Frühstück in der Albert-Schweizer-Schule

Bei der Albert-Schweitzer-Schule stand neben dem Vorlesen ein weiteres Highlight auf dem Programm: Ein reichhaltiges Frühstücksbuffet erwartete die Schüler am Morgen. Im Anschluss daran wurden sie in den Bann von Sylvia Sanktjohanser gezogen, die mit einem japanischen Erzähltheater Geschichten lebendig werden ließ.

Hellstern: Ich wollte heute noch mal dabei sein

Beim Café-Trinken im Lehrerzimmer der Hechinger Grundschule war auch Heidi Hellstern anzutreffen. Bisher hat sie den Vorlesetag koordiniert, ihre langjährigen Verdienste wurden erst kürzlich von Bürgermeister Hahn gewürdigt. Mit unüberhörbarer Wehmut in der Stimme sagt sie: „Ich wollte heute noch mal dabei sein.“ Auch die Erste Beigeordnete Hechingens, Dorothee Müllges, war mit einem Buch am Schlossberg.

Fischer hofft auf viele Vorleser

Viele Freiwillige, die an diesem Aktionstag teilhaben, wünscht sich Jürgen Fischer auch für das kommende Jahr: „Ich will auf jeden Fall noch ein bisschen Werbung betreiben bei den Vorlesern“, nimmt er sich daher vor. Alle Interessierten dürften sich jederzeit bei ihm melden, so Fischer.