Dass ein Laienspieltheater „so was“ auf die Beine stellt, ist einfach bombastisch.Mit der Wiederaufnahme von „Der nackte Wahnsinn“ ist dem Ensemble ein toller Wurf gelungen.
Das Stück kann man gar nicht nacherzählen, weil es Schlag auf Schlag ging. Im wahrsten Sinn des Wortes flogen die acht Türen des Bühnenaufbaus ständig auf und knallten zu. Nur so viel: Es handelt sich jeweils um die erste Szene eines Stückes, das von einem zweitklassigen Tourneetheater aufgeführt wird. Einmal die Generalprobe mit vielen Regieanweisungen und einem aus der Fassung geratenen Regisseur. Dann wurde die Bühne gedreht und man konnte das „Off“ sehen.
Dabei erlebte man, wie sich die Schauspieler streiten und von Eifersüchteleien geplagt werden, während auf der Rückseite die erste Szene läuft. Und zum Schluss die Dernière, wieder mit gedrehtem Bühnenaufbau, wo alles aus vollends dem Ruder läuft.
Wenn man das so aufzählt, ahnt der Leser nicht, wie lustig das ganze Theater ist. Das Publikum hatte wirklich viel zu lachen. Und die Schauspieler boten jede Menge körperlichen Einsatz. Wie viel mal die Schauspieler umeinander gepurzelt sind, konnte man gar nicht zählen. Und Kämpfe haben sie sich auch noch geliefert.
Lacher gab es auch, wenn die folgende Ansage mehrfach wiederholt wurde: “Meine Damen und Herren, nehmen Sie bitte Ihre Plätze ein. Die Vorstellung beginnt in 3 Minuten – oder 2 oder 1 Minute(n). Das kam völlig chaotisch immer wieder vor, wenn einzelne Schauspieler nicht aufzufinden waren.
Unfall bremst Karlsruher Fans aus
Die Leistung der Agierenden war passgenau und hatte großes komödiantisches Talent. Es war einfach eine Einheit, und das war ein besonderes Merkmal der Aufführung. Mitspieler waren Marie-Christin Baur, Moritz Keller, Carolin Stang, Alberto Terriuolo, Kübra Alabay, Sven Gebhard, Noah Schreiner, Lisa Gerstenmeyer und Raphael Mohrlok. Nur so viel: Es gibt einen Fanclub für einen der Schauspieler, der weite Wege auf sich nahm. So reisten sie von Reutlingen an und von Karlsruhe wären sie angereist, hätte sie nicht ein Unfall mit Straßensperrung daran gehindert.
Der große Wurf kam nicht von ungefähr: da steckte eine Menge Arbeit drin. Von Silvester Keller, dem Regisseur, konnte man erfahren, dass für die Aufführung 150 Stunden geprobt wurde. Andreas Lemke, für Bühnenbild und Requisite verantwortlich, berichtete über den Bühnenaufbau, dass sie zu sechst sechs ganze Samstage daran gearbeitet haben. Und er war passgenau auf die nicht zu große Bühne gezirkelt. Der Aufbau war zweiteilig und die Zuschauer konnten genau verfolgen wie die beiden Teile so gedreht wurden, dass keine Hand mehr dazwischen passte und man den Atem anhalten musste, ob das wirklich hinhaut.
20-jährige Erfolgsgeschichte
Den Regisseur und sicher auch die Regieassistenten, Noah Schreiner, Lisa Gerstenmayer und Helen Knab-Rieger, erfüllt Dankbarkeit, mit einer solch engagierten Gruppe spielen zu können. Keller sagte: „Die waren alle immer spielfreudig und riesig geduldig beim Proben“.
20 Jahre „Vorhang auf“ ist eine Erfolgsgeschichte. In der Seminarturnhalle waren sämtliche Plakate von „Vorhang auf“ ausgestellt. Eine wahrlich beeindruckende Sammlung. Vor 20 Jahren traute man sich nicht mehr als zwei Aufführungen zu. In diesem Jahr sind es neun! Und die Premiere endete mit Standing Ovations. Heute keine Seltenheit mehr, aber diesmal sehr berechtigt.
Ein Zitat aus dem Stück: „Wenn du’s einmal in der Nase hast, wirst du es niemals wieder los – die Theaterluft.“Und Kurt Volz, der Vorsitzende von „Vorhang auf“, sagte zum Abschied: „Die Leute sollen einfach nur kommen und das Stück wirken lassen!“. Als gute Empfehlung ist dem nichts hinzuzufügen!