Viele Stellen in der Stadtverwaltung sind derzeit nicht besetzt. Die Stadt will daher die Suche nach neuen Mitarbeitern modernisieren. Doch das geht ins Geld. Entsprechend viel Kritik gab es daher nun im Gemeinderat.
Der Fachkräftemangel wird auch für die Freudenstädter Stadtverwaltung immer mehr zum Problem. Daher hatte die CDU bereits vor einem Jahr beantragt, dass ein neues Personalgewinnungskonzept erarbeitet wird.
Mit Videos und Beiträgen in Sozialen Netzwerken sollen potenzielle Bewerber jenseits herkömmlicher Stellenausschreibungen erreicht werden. Wie genau das umgesetzt werden kann, darüber soll das Personalgewinnungskonzept Aufschluss geben.
Erarbeitet werden soll es aber nicht von der Stadtverwaltung, sondern von einer Beratungsfirma. Über die entsprechende Ausschreibung musste nun der Gemeinderat entscheiden.
Widerstand im Gremium
Doch prompt gab es Widerstand im Gremium. „Mir erschließt sich nicht, warum wir 60 000 bis 70 000 Euro in finanziell engen Zeiten ausgeben sollen“, meinte Beate Gernsheimer von der Freien Wählervereinigung (FWV). „Ich glaube nicht, dass der Fachkräftemangel durch bessere Stellenausschreibungen behoben wird.“
Und Gernsheimer kündigte an: „Unsere Fraktion wird dem Beschlussvorschlag nicht in Gänze folgen.“ Passend dazu stellte auch Hermann John (FWV) klar: „Ich kann dem so nicht zustimmen.“
Bürgeraktion ist sich nicht einig
Auch Klaus Fellerman von der Bürgeraktion (BA) kritisierte die hohen Kosten und verwies darauf, dass es mit der Erstellung des Konzepts nicht getan ist und mit Folgekosten zu rechnen sei.
Doch offenbar war sich die Bürgeraktion bei dem Thema nicht einig. So meinte Bernd Leix (BA): „Es kommt bekanntermaßen nicht so oft vor, dass ich einem Vorschlag der Verwaltung zustimme. In diesem Fall tue ich es aber vorbehaltlos.“ Denn für Leix war klar: „Wir brauchen für die Stadt Freudenstadt unbedingt eine Arbeitgebermarke. Ohne das geht es in Zukunft nicht.“
Zustimmung für das Vorhaben gab es auch aus den Reihen der CDU. Wenig verwunderlich – schließlich war es die CDU-Fraktion, die das Personalgewinnungskonzept ursprünglich angestoßen hatte. Andreas Bombel (CDU) erklärte, dass es ja auch darum gehe, Menschen zu einem Stellenwechsel zu bewegen, denen gar nicht bewusst sei, dass die Stadt für sie als Arbeitgeber in Frage kommen könnte.
„Letztendlich ist es ganz entscheidend, dass sich Menschen bei der Stadt bewerben, die nie in irgendeinen Stellenmarkt reinschauen würden“, erklärte Bombel. „Über Soziale Netzwerke erreicht man die Menschen da, wo sie sind.“
„Ich bin stark verwundert“
Axel Reich (CDU) zeigte sich regelrecht erstaunt darüber, dass überhaupt so lange über das Thema diskutiert wurde. „Ich bin stark verwundert“, meinte Reich. „Wir haben es damals fast einstimmig beschlossen“, meinte Reich mit Blick auf die vorangegangene Entscheidung für das Personalgewinnungskonzept. „Und jetzt wird es grundsätzlich in Frage gestellt.“
Doch auch, wenn es im Gremium ordentlich Gegenwind gab, konnte der Beschluss noch mit einer stabilen Mehrheit gefasst werden. Von Einstimmigkeit konnte zwar keine Rede mehr sein, doch immerhin stimmten noch 18 Stadträte für den Beschluss. Zehn stimmten dagegen.