Ein heute 63-Jähriger soll vor fünfeinhalb Jahren in Wildberg zusammengeschlagen worden sein – bis heute leide er unter den Folgen. Nun sitzen zwei Männer auf der Anklagebank.
Zwei Männer sollen einen heute 63-Jährigen im Raum Wildberg bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt haben. Im Gericht berichtete das mutmaßliche Opfer von dem Tag im September 2020. Demnach hatten drei Personen in der Nähe seines Wohnhauses mit ihren Mopeds „Burn-Outs“ gemacht, also absichtlich die Hinterreifen durchdrehen lassen. Wegen des Lärms ging er nach draußen und sprach sie an. Einer sei auf ihn zugekommen und habe provoziert, ungefähr mit: „Hau mir doch eine rein“.
Daraufhin hätten sie ihn verprügelt. An die Tat selbst fehlt dem mutmaßlichen Opfer jede Erinnerung. Was danach geschah, als Rettungsdienst und Polizei da waren, habe er wie durch eine Blase wahrgenommen. . „Ich war wie in mir selbst gefangen“, berichtet er. Auch die vermeintlichen Täter habe er gehört. Dabei sei ein Vorname gefallen, der des jetzigen Angeklagten.
„Ich habe erst gedacht, er ist tot“
Seine Frau berichtet im Zeugenstand, einer der Täter habe ihren Mann von hinten gehalten und immer wieder mit der Faust auf den Kopf geschlagen, während der andere ihm von vorne immer wieder mit der Faust ins Gesicht schlug. Der dritte habe weiter hinten gestanden und nichts dagegen getan. Als sie zurück ins Haus lief, um den Notruf zu wählen, waren die Täter geflohen. Ihr Mann habe leblos am Boden gelegen. „Ich habe erst gedacht, er ist tot“, erzählt sie.
Die Folgen für den Mann waren enorm: ein gebrochenes Nasenbein, eine Gehirnerschütterung, Schürfwunden, starke Kopfschmerzen, anhaltende Konzentrations- und Wortfindungsstörungen. Sechs Wochen war er krankgeschrieben. Doch dann, als er wieder bei der Arbeit war, löste sich seine Netzhaut als Spätfolge. Eine OP war nötig, bis heute sieht er auf dem linken Auge dunkler.
Im Gericht schildert er die psychischen Folgen des Vorfalls. Er ziehe sich zurück, meide Menschenmengen. Auch von Angstträumen berichtet er. Besonders belaste ihn, dass die Täter ihn dort einfach so auf der Straße liegen gelassen hätten.
Er habe sich verändert, berichtet auch seine Frau. „Ich habe einen anderen Mann bekommen, seit diesem Tag.“ Mit hinein spielt die Frage: Wer ist es gewesen? Kurz nach der Tat habe er den Täter quasi überall gesehen und „alles und jeden beschuldigt“, bis er regelrecht Angst vor sich selbst bekam. Auch als die Polizei ihm Lichtbilder von Personen vorlegte: „Im ersten Moment hab ich jeden von denen beschuldigt.“
Dass zwei Männer nun auf der Anklagebank sitzen, ist auch die Folge der Initiative der Ehefrau. Nachdem sie sich durch die Polizei nicht recht ernstgenommen fühlte, ermittelte sie schließlich selbst.Auf einem Fest sah sie die beiden späteren Angeklagten – einen von ihnen wollte sie beim Vorfall erkannt haben – und fotografierte sie. Sie zeigte das Bild in der Gegend herum, um die Namen in Erfahrung zu bringen.
Video von anderem Tag zur Täteridentifizierung?
Auch ein Video legte sie vor, das zur Identifizierung der Täter beitragen sollte. Der Rechtsanwalt eines Angeklagten kritisierte dies. Das Video zeigte einige Personen, die am Tag mit Zweirädern dort beisammen waren. Das Video habe keinen Bezug zur Tat.
An dieser Stelle hätten häufig Treffen einer Moped-Gruppe stattgefunden – auch am fraglichen Tag. Einige Mitglieder dieser Gruppe wurden befragt, konnten aber laut ihrer Aussage nichts zur Aufklärung beitragen.
Der Prozess wird am kommenden Dienstag, 10. Februar, im Amtsgericht Nagold ab 9 Uhr fortgesetzt.