Auf dem Parkplatz des Netto in Rottenburg soll es zu einer rassistischen Beleidigung gekommen sein. Foto: Daniel Begemann

Die Mutter des Jungen, eine 31-Jährige aus Rottenburg, berichtet von dem schockierenden Erlebnis auf einem Supermarktparkplatz. Die Polizei ermittelt.

Der Vorfall ereignete sich am Dienstag, 12. Mai, gegen 16 Uhr auf dem Parkplatz des Netto-Supermarkts in Rottenburg. Die 31-jährige Mutter des Jungen, Svenja Block, lebt in Rottenburg und arbeitet in der Immobilienbranche. Ihr Sohn wird im Juli drei Jahre alt. Sein Vater ist aus Nigeria. Somit sei ihr Sohn ein afrodeutscher Junge, sagt sie.

 

Unserer Redaktion schildert Block, was ihrem Sohn und ihr passiert ist. Es sei eine Erfahrung, die sie erschüttert habe: „Eine Frau parkte auf einem Mutter-Kind-Parkplatz. Ich sprach sie ruhig darauf an – nicht, um Streit zu suchen, sondern nur, um sie höflich darauf aufmerksam zu machen. Daraufhin wurde mein kleiner Sohn rassistisch beleidigt. Die Frau sagte, ich solle mich ’um meinen schwarzen Teufel kümmern’. Gemeint war mein Sohn, der noch nicht einmal drei Jahre alt ist. Er hatte nichts getan, nicht mit ihr gesprochen und saß nur auf seinem Bobbycar. Zusätzlich wurde ich beleidigt, respektlos geduzt und mir wurde gesagt, ich solle mich schämen. Als ich ankündigte, die Polizei zu verständigen, sagte sie nur: ’Mach doch’.“

Mutter ruft die Polizei

Svenja Block berichtet weiter: „Ich habe direkt auf dem Parkplatz die Polizei verständigt. Nachdem die Frau das gesagt hatte, habe ich ihr gesagt, dass das Rassismus ist und ich eine Anzeige mache und sofort die Polizei verständige. Genau das habe ich dann auch getan. Während ich noch mit der Polizei telefoniert habe, kam sie wieder raus. Ich habe zu ihr gesagt ’Sie können da bleiben, die Polizei kommt gleich’. Der Polizist war zu diesem Zeitpunkt noch am Telefon. Ihre Aussage daraufhin war: ’Und das mache ich jetzt, weil du das sagst’, ist in ihr Auto gestiegen und weggefahren.“

Ihrem Sohn habe sie dann erklärt, dass die Polizei jetzt kommt und sie deswegen noch warten müssen. „Ich denke, er hat schon sehr gut gemerkt, dass ich völlig in Rage war, saß aber weiterhin auf seinem Polizei-Bobbycar und hatte seinen Spaß“, berichtet die Mutter. In der schockierenden Situation sei ihr bewusst geworden, dass sie ihren Sohn unglaublich gut auf solche Situationen vorbereiten müsse.

„Ein zufriedenes Kind“

Ihren Sohn beschreibt sie als „ein super zufriedenes, glückliches Kind mit viel Energie“. Dennoch habe er nichts von dieser Frau wollen, habe nicht mit ihr geredet und sei einfach nur auf seinem Bobbycar gesessen und habe seinen Spaß gehabt.

Während des Vorfalls liefen laut Block mehrere Menschen über den Parkplatz. Daher sagt sie: „Wer den Vorfall beobachtet hat, kann sich gerne bei der Polizei melden.“ Auch die Verkäuferin beim Bäcker habe gesehen, dass es eine Auseinandersetzung gab, leider habe sie beim Vorfall nicht zuhören können, da sie Kunden hatte, schildert Block. Andere Kunden, die dann auch gehört hätten, was die Frau gesagt haben soll, seien völlig schockiert gewesen.

Anzeige erstattet

Block sagt, sie habe Anzeige erstattet, weil niemand – erst recht kein Kind – rassistische Beleidigungen erleben sollte. „Leider passiert so etwas viel zu oft, auch Erwachsenen. Rassismus darf niemals normal werden. Darüber darf unsere Gesellschaft nicht schweigen“, sagt sie.

Solch eine heftige Erfahrung habe sie in der Vergangenheit noch nicht machen müssen, erzählt die 31-Jährige. „Jedoch sieht und spürt man immer wieder die Blicke verschiedener Menschen. Erst werde ich angeschaut, dann wird er angeschaut und danach wieder ich, aber es hat noch nie jemand so etwas gesagt. Das Traurige ist, ich weiß, dass so etwas nicht das letzte Mal sein wird“, sagt sie.

Die Polizei ermittelt

Die Polizei bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion den Vorfall und das Vorliegen einer Strafanzeige. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen teilt mit: „Gegen die Autofahrerin wird daher ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beleidigung geführt. Zwischenzeitlich liegt auch eine Gegenanzeige gegen die Mutter des Kindes wegen des Verdachts der falschen Verdächtigung vor. Die Ermittlungen zum genauen Ablauf dauern an.“