Wütende VfB-Fans dringen bis an die Werbebande vor, beschimpfen die BVB-Spieler. Foto: IMAGO/RHR-Foto

Den VfB Stuttgart beschäftigen immer noch die Vorfälle gegen Borussia Dortmund. Der DFB ermittelt, Fans drohen ernsthafte Strafen, es gibt erste Konsequenzen. Ein Überblick.

Dass die Vorfälle, die sich beim Spiel des VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund in der Nachspielzeit ereignet haben, Konsequenzen nach sich ziehen würden, war zu erwarten. Mehrere Dutzend Personen verließen ihre Plätze in den Blöcken und betraten über den Fotografengraben den Innenraum. Mehrere Personen wurden handgreiflich gegenüber den Ordnungskräften. Zudem kam es zu Klappstuhl-Würfen auf das Spielfeld. Vorausgegangen waren zwei späte Tore der Dortmunder, die das Spiel auf den Kopf stellten – und auch ein aus Sicht mancher VfB-Anhänger provokanter Jubel der Dortmunder Spieler.

 

Seitdem läuft die Aufarbeitung. Insbesondere intern. So gab es nach Informationen unserer Redaktion eine Gesprächsrunde zwischen Anhängern, den Fanbeauftragten und Clubvertretern. Dabei ging es nicht nur um das Verlassen der Blöcke durch die Personen, sondern auch um die Strafbestände, die teilweise erfüllt wurden, im Detail Hausfriedensbruch und Körperverletzung. Auch Szene-intern wurden die Vorfälle besprochen. Zumal unter den Personen im Innenraum auch welche waren, die versucht haben, deeskalierend einzugreifen.

Dabei wurde Tacheles geredet. Denn klar ist, dass durch den Ausbruch der Fans eine rote Linie überschritten wurde. Zwar sind die Vorfälle von Stuttgart keineswegs mit denen in Dresden gleichzustellen. Dort hatten sich am selben Abend, nur Minuten nach dem Spielende in Stuttgart, vermummte Horden quer über den Platz aufgemacht, um den Auswärtsblock der Herthaner unter anderem mit Pyrotechnik anzugreifen.

Nichtsdestotrotz sieht sich der VfB, der sich bisher bei ähnlichen Vorfällen, wie zuletzt beim Heimspiel gegen Porto, immer für eine tolerante Linie entschieden hat, nun gezwungen, die Zügel anzuziehen. Prinzipiell hätten auch da bereits Stadionverbote ausgesprochen werden können, denn das Betreten des Innenraums per se kann ein solches Strafmaß nach sich ziehen. Das ist nicht passiert, könnte sich nun aber ändern. Denn wenn Ordnungspersonal körperlich angegangen wird und Gegenstände auf das Spielfeld geworfen werden, sieht man eine neue Qualität im negativen Sinne erreicht.

VfB überlegt, Strafen an Fans weiterzugeben

Zwar ist die Entscheidung, ob Strafen ausgesprochen werden, intern noch nicht getroffen. Aber deutlich im Raum steht, dass weitreichende Konsequenzen für Einzelpersonen nicht auszuschließen sind. Nach Informationen unserer Redaktion überlegt man sogar, die Strafen, die vom Verband ausgesprochen werden und die auf das Handeln von Personen zurückzuführen sind, die man eindeutig identifizieren kann, an diese weiterzugeben. Das wäre ein absolutes Novum in Stuttgart.

Auch beim Dortmund-Spiel: VfB-Fans stellen Forderungen an die Politik. Foto: IMAGO/Michael Weber

Klar ist auch, dass seitens des DFB ein Ermittlungsverfahren eröffnet wurde. Bis zu diesem Montag war der VfB dazu aufgefordert, eine Stellungnahme beim Verband abzugeben. Was auch fristgerecht passiert ist, wie der Club auf Nachfrage mitteilte.

Erste Konsequenzen gibt es bereits. So wurde einem Fanfotografen, der sich bei dem Beinahe-Platzsturm ebenfalls danebenbenommen hatte, die Arbeitserlaubnis bis Saisonende entzogen. Auch Gruppen-, beziehungsweise Szene-intern läuft die Aufarbeitung weiter. Denn klar ist, dass solche Vorfälle Wasser auf die Mühlen all derer sind, die sich für eine Verschärfung der Regeln rund um das Thema Stadionsicherheit einsetzen.

Vorfälle wie jene in Stuttgart konterkarieren die Bemühungen der Fans, die sich dagegen stellen. Hardliner aus der Politik forderten zuletzt bereits Kollektivstrafen wie Teilausschlüsse der Anhänger oder Geisterspiele als Konsequenz auf die Vorfälle aus Dresden. Der Club hat zudem gegenüber seinen Anhängern deutlich gemacht, dass sich ein derartiger Vorfall nicht noch einmal wiederholen darf.

Noch ist offen, wann und ob es zu den im Raum stehenden Konsequenzen kommt. Dazu will man auf Clubseite auch die Strafen abwarten, die seitens des Verbandes ausgesprochen werden. Offen ist ebenfalls, ob sich die Staatsanwaltschaft einschaltet. Informationen unserer Redaktion zufolge überlegt man, Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs einzuleiten.