Bei der Vorderlader-EM in Portugal gingen acht Medaillen an Schützen aus der Umgebung, allein dreimal Gold an Achim Bailer aus Eutingen.
„Wie der Vater, so der Sohn?“ Diese Frage stellt sich dieser Tage bei der Eutinger Familie Bailer in der Pfarrgasse. Denn nachdem Alfred Bailer nach den Weltmeisterschaften das Wettkampfschießen bei den Vorderladerschützen nach 22 aktiven und äußerst erfolgreichen internationalen Jahren beendet hatte, stieg dieses Jahr sein Sohn Achim (32) nach fünfjähriger Pause beim Schwarzpulverschießen wieder ein und trat gleich auf Anhieb in die Fußstapfen seines Vaters.
Er qualifizierte sich über die Rangliste des Deutschen Schützenbundes (DSB) für die Europameisterschaften im portugiesischen Fervenca und kehrte mit vier Gold- und drei Silbermedaillen erfolgreich zurück. Die Welt- und Europameisterschaften wechseln sich im zweijährigen Rhythmus ab. Das deutsche Vorderlader-Team schnitt nun vergangene Woche bei der EM wie im Vorjahr bei der WM wieder „gewohnt stark ab“.
Mit dazu hat nicht nur Achim Bailer beigetragen, sondern auch Tanja Eichert aus Nagold. Die 33-Jährige konnte nach ihren Weltmeistertiteln von 2022 und 2024 nun den Titel einer Mannschaftseuropameisterin in der Disziplin „Amazons“ hinzufügen. Außerdem wurde sie Fünfte in der Einzelwertung der Disziplin „Walkyrie“. Im Schnitt nahmen in den Einzeln immer 80 Schützen teil.
Titel gesammelt
„Richtig abgesahnt“ aber hat Bailer mit vier Gold- und drei Silbermedaillen in den verschiedenen Disziplinen. Er holte seine Europameistertitel im Einzel in den Disziplinen „Pforzheim“ (Perkussion), „Gustav Adolph“ (Muskete aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon) und „Pennsylvania“ (Steinschlossgewehr Replika), jeweils über 50 Meter stehend, dazu noch Gold mit der Mannschaft in der Disziplin „Grand Prix de Versailles“.
Silber gab es für ihn in den Disziplinen „Rigby“ (Freigewehr über 100 Meter), „Königgrätz“ (Original-Dienstgewehr, 50 Meter) und „Pauly“ (Dienstgewehr, 50 Meter). Hinzu kamen noch vierte und fünfte Plätze.
Bekanntlich stammen die Namen der Disziplinen nach den unterschiedliche Waffenarten (Kurz- und Langwaffen). Sie bezeichnen gleichzeitig auch, ob es sich originale oder originalgetreu nachgebaute Vorderlader-Waffen handelt und aus welchen Epochen die Zündmechanismen stammen. Die 50-Meter-Distanzen werden stehend und kniend, die 100 Meter liegend geschossen.
Temperaturen machen das Leben schwer
Von Achim Bailer und Tanja Eichert bestätigt wurden die Probleme mit den schwierigen Wetterbedingungen in Portugal, mit denen die Teilnehmer zu kämpfen hatten: brütende Hitze nahe der 40-Grad-Grenze, hohe Luftfeuchtigkeit, abstürzende Temperaturen und insgesamt schwierigen Zündbedingungen. Denn nach den beiden Trainings- und den ersten Wettkampftagen schlug das Wetter völlig um. Die Temperaturen sanken auf nur noch 18 Grad und es war nebelig.
„Da machte es keinen Spaß mehr, morgens um 9 Uhr antreten zu müssen und buchstäblich durch den Neben zu schießen“, so Bailer. Doch wenn die (Aus-)Sicht und das „Trefferbild“ auch trübe waren, so ließ sich das deutsche Team nicht beeindrucken, sondern kehrte mit einer imposanten Medaillenbilanz zurück. Zum Austragungsort gelangten die EM-Teilnehmer mit dem Bus, der in Lützenhardt startete, weil 80 Prozent davon aus Süddeutschland stammen.
Mit dem Bus nach Portugal
Für die jeweils 2080 Kilometer lange Anreise und die Rückfahrt und jeweiliger Übernachtung in Bordeaux war die EM-Delegation dann jeweils zwei Tage unterwegs. Unterm Jahr schießen Achim Bailer und Tanja Eichert für die Historische Bürgerwehr Rottweil (HWR) und für den SSV Nordstetten. Bailer tritt in der Luftgewehr-Pokalrunde „zur Entspannung und zum Ausgleich“ noch für den Schützenverein Weitingen an.