Abgezogen: Maximilian Beier von der TSG Hoffenheim betreibt starke Eigenwerbung. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

27 Abschlüsse, aber kein Tor – nach dem Test gegen die Ukraine stellt sich die Frage, wer für die deutsche Nationalmannschaft während der Heim-EM die Tore erzielen soll.

Der Neuling strahlte. Maximilian Beier bekam das Grinsen einfach nicht aus dem Gesicht. Fast schon kindlich freute sich der 21-Jährige über seinen ersten Länderspieleinsatz im A-Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Verbunden mit seinen zwei Torchancen gegen die Ukraine. Einmal mit rechts und einmal mit links schoss der Hoffenheimer auf das Tor. Anspruchsvolle Aktionen, die kurz nach seiner Einwechslung an der Unterkante der Latte und bei Anatoliy Trubin endeten.

 

„Den zweiten habe ich auch super getroffen“, sagt Beier zu seinen verheißungsvollen Versuchen nach etwa einer Stunde, „der Ball kam schön flach. Aber der Torwart ist halt schnell unten. Den hält er gut.“ Nicht nur diesen Schuss. Trubin ließ keinen Ball passieren. Was nach dem 0:0 im Testspiel rund um die DFB-Elf die Frage aufwirft: Wer soll denn die Treffer während der anstehenden Heim-EM erzielen?

Was bringt Niclas Füllkrug?

An Offensivkraft fehlt es der Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann nominell nicht. Alles, was stürmen kann und auf dem Spielberichtsbogen stand, durfte sich auch probieren. 27 Abschlüsse beweisen das statistisch. Nur es mangelte an Effizienz. Jener Qualität, die auf höchster Clubebene Real Madrid demonstriert. Fast schon auf zynische Weise entscheidet der Champions-League-Rekordsieger Spiele. Ohne sich zu verkünsteln, wie es Jamal Musiala und Florian Wirtz gelegentlich passiert. Mit einer enormen Konsequenz, die Ilkay Gündogan, Deniz Undav und Chris Führich bei ihren Möglichkeiten diesmal vermissen ließen.

Chancenwucher nennt sich das. Doch für Nagelsmann gibt es kurz vor dem Turnier im eigenen Land keinen Grund zu zweifeln. Der Ansatz stimmt, in Toni Kroos und Antonio Rüdiger hält er königliche Trümpfe für die DFB-Mannschaft in der Hinterhand, und letzte Korrekturen sind vor dem offiziellen Euro-2024-Start in München noch vorzunehmen. „Es war ein gutes Spiel mit sehr viel Leidenschaft. Nach einer Woche Training haben wir sehr viel reingeworfen. Ich bin guter Dinge, dass wir diesen einen Moment noch kreieren, dass wir das Tor noch machen und dann weitere folgen lassen“, sagt der Bundestrainer zufrieden.

Wie zuvor bei den Erfolgen gegen die hoch eingeschätzten Franzosen und Niederländer – und am Freitag (20.45 Uhr/RTL) in Mönchengladbach gegen die unangenehmen Griechen? Zwei personelle Alternativen bieten sich in der letzten Begegnung vor dem EM-Eröffnungsspiel eine Woche später gegen Schottland noch an.

Niclas Füllkrug, der nach dem verlorenen Finale in der Königsklasse mit Borussia Dortmund pausierte. Der Mittelstürmer darf sich jedoch als ein heimlicher Gewinner des Unentschiedens fühlen. Denn als nach der Pause ständig Flanken in den Strafraum flogen, fehlte die Kopfballstärke des 31-Jährigen. Füllkrug bringt somit ein Element in das Spiel, das Kai Havertz auf dieser Position nur bedingt bietet. Der Stürmer des FC Arsenal verkörpert den spielenden Neuner. Ohnehin ist Füllkrug der erfolgreichste Torschütze unter Nagelsmann. Vier von elf Treffern gelangen ihm, zuletzt als eingewechselter Siegtorschütze beim 2:1 gegen die Niederlande.

Was ist mit Leroy Sané?

Bleibt noch Leroy Sané. Hochbegabt, aber zuletzt gesperrt und angeschlagen. „Er muss diese Woche schon trainieren. Und er muss auch gegen Griechenland spielen“, sagt Nagelsmann über den Flügelmann des FC Bayern. Schambeinprobleme behindern den Nationalangreifer, der zunächst wohl nur eine Jokerrolle erhält. „Er wird sicherlich nicht jedes Spiel für 90 Minuten in Betracht kommen“, sagt der Bundestrainer.

Schafft es Sané überhaupt, ein Faktor im DFB-Team zu werden? Zweifel begleiten den Münchner, weshalb Nagelsmann den aufstrebenden Beier nominiert hat. Der Hoffenheimer gilt als Ersatz für den Bayern-Star. Das bedeutet zugleich: Er zählt zu den potenziellen Streichkandidaten, wenn der Bundestrainer kurz nach der Generalprobe gegen die Griechen seinen endgültigen Kader benennen muss. Von den aktuell 27 Namen wird noch einer gestrichen.

„Die Jungs haben noch eine Woche Zeit, sich das Ticket zu verdienen. Bisher ist keiner dabei, der es verdient hat, nach Hause zu fahren“, sagt Nagelsmann. Mit Blick auf mögliche Torjäger heißt das: Vor den Mittelfeldwirblern Musiala und Wirtz hat der 36-Jährige in Havertz, Füllkrug, Führich, Undav, Sané, Beier und dem altgedienten Thomas Müller nicht nur viele, sondern zudem sehr unterschiedliche Spielertypen eingeladen.

Eine halbe Stunde hat Beier nun genügt, um Werbung in eigener Sache zu betreiben. Seine EM-Teilnahme sei wahrscheinlicher geworden, sagt Nagelsmann: „Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Er war sehr fleißig, auch defensiv. Er trainiert auch deutlich besser als im vergangenen März.“ Worte, die auch Beier hört – und die ihn weiter strahlen lassen.