Die Band Viazanka präsentierte ukrainische Pop- und Folkmusik. Foto: Wilhelm

Die ukrainische Band ist im Schlachthof aufgetreten. Zuvor hatten bereits „Sonic Circus“ dem Publikum eingeheizt. Die Einnahmen des Konzerts gehen an die Ukraine-Hilfe.

Es gibt Konzertabende, bei denen die Musik für sich spricht, und es gibt Abende, an denen sie zu einer lauten, unüberhörbaren Botschaft wird. Der Samstagabend im Lahrer Schlachthof gehörte definitiv zur zweiten Kategorie. Die Lahrer Rockwerkstatt, der Schlachthof und der Verein Gemeinsam Europa hatten zu einem Benefizkonzert für die Ukraine geladen – und das Publikum folgte dem Ruf zahlreich: Mehr als 140 Zuschauer kamen, um ein Zeichen für Frieden, Freiheit und gegen Repression zu setzen.

 

Den Grundstein des Abends legte die Band Sonic Circus. Mit einer Mischung aus Funk, Blues und Folk brachte sie das Publikum von der ersten Minute an auf Betriebstemperatur. Die Band um Leadsänger Joggi Kieltsch, der auch hinter den Keyboards stand, glänzte mit groovenden, handgemachten Eigenkompositionen. Mit dem bekannten Lahrer Gitarristen Tommy Sauter, Jochen Ress am Bass und einem extrem gut aufgelegten Markus Karotsch an den Drums präsentierten sie Songs, die rhythmisch direkt in die Beine gingen. Es erklangen aber auch atmosphärisch dichte Balladen.

Auf dem Konzert sind Jung und Alt vertreten

Bei einem sehr breiten Altersspektrum der Besucher überraschte die große Anzahl an jüngeren Jahrgängen, die den Lahrer Schlachthof unmittelbar in eine Dancehall verwandelten.

Das emotionale Herzstück des Abends war dann der Auftritt der ukrainischen Band Viazanka (zu Deutsch: „ein Bündel“). Die sechsköpfige Formation, die erst im Februar 2024 zusammenfand, machte ihrem Namen alle Ehre: Sie präsentierte dem Lahrer Publikum ein dicht geschnürtes Bündel aus geteilter Weltanschauung, purer Energie und greifbaren Emotionen.

Im Mittelpunkt standen die beiden stimmgewaltigen Sängerinnen Halena Simon und Katharina Schmidt, die beim mehrstimmigen Gesang immer wieder von „Teufelsgeigerin“ Nadiya Husar unterstützt wurden. Husar demonstrierte ihre Expertise an der Violine bei mehreren Instrumentalstücken im Zusammenspiel mit einer hervorragenden Band – bestehend aus dem Bassisten Tymur Bereznyi, Schlagzeuger Myroslav Vasyliuk und Dmytro Fedechko.

Übersetzung der Texte wird via QR-Code abgerufen

Musikalisch präsentierte die Band eine auf ganz eigene Art interpretierte ukrainische Pop- und Folk-Musik. Dabei glich das Set einer tiefgründigen Reise: Die Songs pendelten spürbar zwischen der Verzweiflung und Trauer über die Situation in der Heimat, um sich im nächsten Moment mit unbändigem Mut aufzubäumen. Für die Besucher lagen auf den Tischen QR-Codes aus, mit denen die Übersetzungen zu den Texten bequem auf dem Handy aufgerufen werden konnten.

Die Texte beschreiben inhaltlich einerseits das bäuerliche ukrainische Landleben, aber auch den Stolz und die Widerstandskraft der Kosaken, die als Ursprung des ukrainischen Volkes gelten. Am beeindruckendsten war jedoch die unerschütterliche Lebensfreude, die Viazanka ausstrahlten. Spätestens als die mitreißenden, tanzbaren Folk-Rhythmen den Saal füllten, feierte das Publikum ausgelassen mit.

Auch hinter den Kulissen griff alles ineinander. Die Technik der Rockwerkstatt sorgte für einen glasklaren Sound und eine stimmungsvolle Lichtinszenierung, die sowohl den treibenden Funk von Sonic Circus als auch die folkigen Nuancen von Viazanka hervorragend trug.

2000 Euro gespendet

Als die letzten Töne verklungen waren, blieb das Gefühl, Teil von etwas Wichtigem gewesen zu sein. Die Einnahmen des Konzerts kommen den Hilfsprojekten der Lahrer Ukraine-Hilfe zugute. Insgesamt wurden rund 2000 Euro an Spendengeldern gesammelt.