Die deutsche Handball-Nationalmannschaft starten am heutigen Donnerstag in die Europameisterschaft. Die Sportler der Region trauen der Auswahl trotzdem einiges zu und haben Geheimtipps.
Das neue Jahr beginnt für die besten Handballer Europas gleich mit dem Kampf um die EM-Krone. Ab heute, 15. Januar, bis Sonntag, 1. Februar, kämpfen 24 Mannschaften in Dänemark, Schweden und Norwegen um den Pokal. Die bislang letzte deutsche Goldmedaille bei einer Handball-EM liegt zehn Jahre zurück. Bundestrainer Alfred Gislason hat einen schlagkräftigen Kader zusammen, Top-Favoriten sind allerdings andere Nationen. Wie weit kann es für Deutschland gehen? Ist Dänemark unschlagbar? Und wie steht es um das EM-Fieber in der Südlichen Ortenau? Dazu hat unsere Redaktion die Handballer der Region befragt.
Nico Baumann, Trainer der Damen des TuS Ottenheim: Der Ottenheimer Coach geht davon aus, dass die Dänen in dem Turnier das Nonplusultra sein werden. „Ich habe gelesen, dass sie ihren EM-Fluch besiegen wollen. Das wird ihnen auch gelingen. Dänemark und auch Frankreich sind den restlichen Teams schon voraus“, so Baumann. Trotzdem sieht er das deutsche Team nicht chancenlos. „So extrem schwierig finde ich unsere Gruppe nicht. Wenn wir dann weitergekommen sind, ist das Halbfinale sicher drin. Die zwei Testspiele gegen Kroatien haben Hoffnung gemacht“, meint der TuS-Trainer.
„Unser Tempohandball ist richtig gut und unsere jungen Akteure machen sich im Spiel auch nicht zu viele Gedanken. Zudem sind wir im Tor – zusammen mit Dänemark – am besten besetzt. Im Verbund mit der Abwehr ist dann schon vieles möglich. Im Positionsspiel haben wir aber noch unsere Schwierigkeiten“, hält Baumann beim Blick auf die Stärken und Schwächen der DHB-Auswahl fest.
Er will sich nicht nur die Spiele der deutschen Sieben ansehen. „Auch andere Partien sind sehr interessant. Ich bin auf Färöer gespannt und auch auf Italien mit Bob Hanning auf der Bank. Ich muss aber natürlich auch schauen, was meine Zeit zulässt. Die Kinder wollen auch noch bespaßt werden“, erklärt Baumann.
Alexander Velz, Spieler beim HTV Meißenheim: Der ehemalige Profi erlebt die Handball-EM direkt vor Ort. „Ich fahre mit ein paar Freunden nach Dänemark und wir sehen uns die Hauptrunde an. Vielleicht dann ja auch mit deutscher Beteiligung“, so Velz. Der 26-Jährige erwartet von der deutschen Mannschaft viel. „Das Halbfinale muss unser Anspruch sein. Auf dem Weg zum Titel wird allerdings an Dänemark kein Vorbeikommen sein“, mutmaßt der HTV-Spieler. „Dänemark hat durchweg Weltklasse im Kader. Die könnten vier Teams stellen und wären noch im Halbfinale. Warum sie derzeit so enteilt sind, ist aus der Ferne schwierig zu sagen. Da müssen in der Jugendförderung schon vor Jahren die richtigen Weichen gestellt worden sein“, meint Velz.
Die deutsche Mannschaft würde sich durch die große Breite im Kader auszeichnen. „Ein Nachteil könnte für uns sein, dass das Team sehr jung ist und dann auch Turniererfahrung fehlt“, so Velz.
Als Überraschungsteams hat er Färöer und Italien auf der Liste. „Die können befreit aufspielen“, sagt der Meißenheimer.
Robin Haller, Trainer des TuS Altenheim: „Zu den Top-Favoriten zählen wir nicht. Das war aber auch schon bei den Turnieren vorher nicht der Fall. Unsere junge Garde hat mittlerweile jedoch einen großen Entwicklungsschritt gemacht und auf ihnen lastet nicht so viel Verantwortung wie auf den Schultern von Johannes Golla oder Andreas Wolff. Hinter Dänemark ist die Tür für einige Mannschaften offen – und zu denen gehören wir auch. Ihr Potenzial hat die Mannschaft schon häufig unter Beweis gestellt“, meint der Trainer des Oberligisten aus dem Ried. „Die internationalen Topteams sind auf einem sehr hohen Niveau. Da entscheiden Torhüter und Tagesform über den Sieg“, vermutet der Coach.
Eine Position bereitet Haller beim DHB-Team allerdings noch Sorgen. „Ich hoffe, dass wir auf halbrechts nicht unsere Achillesferse haben. Dort war bei Olympia mit Renars Uscins noch unser Prunkstück“, erinnert sich der Altenheimer Übungsleiter.
Er will von dem Turnier so viele Spiele wie möglich verfolgen. „Sofern das möglich ist, denn wir starten auch bald selbst wieder mit dem Spielbetrieb“, schränkt er ein.
Gregor Roll, Trainer der HSG Ortenau Süd: “Es wird ähnlich wie bei den Turnieren zuvor für uns laufen. Das Halbfinale sollte das Ziel sein. Für mehr fehlt uns aber noch die internationale Erfahrung“, vermutet der Coach des Landesligisten. Mit Dänemark mithalten könnte wohl nur Frankreich, der Titel würde aber an die Dänen gehen. „Die sind auf allen Positionen unglaublich stark“, lobt Roll.
Er schaue sich so viele Spiele wie möglich an – aber der Spielplan ergebe ein Problem. „Deutschland spielt zu unseren Trainingszeiten. Da bleibt dann nur, sich die Wiederholung anzusehen“, so Roll.