Der Geschäftsführer der TSG Balingen, Jan Lindenmair, weiß um die Stärken seines Vereins. Foto: Kara

Zum zweiten Mal hat die TSG Balingen das WFV-Pokalfinale im Stuttgarter Gazi-Stadion auf der Waldau erreicht. Der Gegner ist erneut der übermächtig erscheinende Titelverteidiger SSV Ulm. TSG-Geschäftsführer Jan Lindenmair weiß um die Aufgabe, hat aber durchaus ein positives Gefühl. Auch vor der anstehenden vierten Saison in der Regionalliga Südwest ist dem 42-Jährigen nicht bange. 

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Bei der TSG Balingen geht es Schlag auf Schlag. Auf das Pokalfinale am Samstag folgen die letzten drei Regionalliga-Partien der zu Ende gehenden Spielzeit unter Pandemiebedingungen. Den Spielern winken dann vier Wochen Pause, ehe die Vorbereitung auf das vierte Jahr in der vierthöchsten deutschen Spielklasse beginnt. Wir haben mit TSG-Geschäftsführer Jan Lindenmair über die aktuelle Situation gesprochen. 

Herr Lindenmair, die TSG Balingen steht erneut im Finale des WFV-Pokals. Wie lukrativ ist das Erreichen des Endspiels für den Verein?

Jan Lindenmair: "In erster Linie ist es natürlich immer ein sportliches Highlight für Verein, Spieler, Trainerteam und alle, die der TSG die Daumen drücken. Neben der emotionalen Geschichte gibt es die wirtschaftliche Komponente. Die spielt immer auch eine Rolle, das darf man nicht verkennen. Aber das ist erst richtig lukrativ, wenn man in den DFB-Pokal einzieht." (etwa 130.000 Euro sind dann möglich, Anm. d. Red.)

Der SSV Ulm war in den jüngsten Spielen meist eine Nummer zu groß. Was stimmt Sie dieses Mal optimistisch?

"Schon allein mal die Statistik: Irgendwann müssen wir ja mal gewinnen, das ist statistisch einfach so. Wir sind gerade wieder ziemlich gut drauf, die Verletztensituation hat sich etwas entspannt. Wir haben in dieser Saison mehrfach gezeigt, dass wir gegen alle Mannschaften gewinnen können. Wir wollen unsere beste Leistung abrufen. Wir trauen es unserer Mannschaft absolut zu und hoffen natürlich, dass am Samstag dieser Tag ist, wo bei uns alles zusammenläuft. Dann sind wir sehr wohl in der Lage, Ulm das Leben schwer zu machen und zu gewinnen."

Balingen geht ins vierte Regionalliga-Jahr. Hat sich der Verein aus Ihrer Sicht schon in der vierthöchsten deutschen Spielklasse etabliert?

"Ja und Nein. Ja aufgrund der anhaltenden Zugehörigkeit zur Liga. Natürlich haben wir von den coronabedingten Rahmenbedingungen profitiert. Wenn man so will: Wer vier Jahr dabei ist, hat sich in gewisser Weise etabliert. Nein, wenn man bedenkt, dass die Liga zu großen Teilen aus Profimannschaften besteht. Dann haben wir uns natürlich noch lange nicht etabliert. Wir haben uns sicherlich weiter Richtung Regionalliga entwickelt, aber was Budget, Rahmenbedingungen oder Professionalisierungsgrad betrifft, können wir nicht mithalten. Der Spruch 'Geld schießt Tore' ist nicht ganz von der Hand zu weisen."

Wie stark wird in der kommenden Spielzeit der Balinger Kader sein?

"Wir versuchen aus der Situation das Beste zu machen. Wir kommen über Kampfgeist und Teamspirit und schaffen es mit unserer Art des Fußballs für unsere Verhältnisse erfolgreich zu sein. Wir haben die Philosophie, nur Geld auszugeben, das wir auch haben. Wir werden einen großen Teil des bestehenden Kaders zusammenhalten. Noch ist nicht alles zu hundert Prozent in trockenen Tüchern, doch wir sind fest davon überzeugt wieder eine Mannschaft zu haben, die sportlich in der Lage sein wird, wieder einen Schritt nach vorne zu gehen und dadurch den sportlichen Klassenerhalt zu schaffen. An der ein oder anderen Stelle werden wir noch nachjustieren. Es ist aber auch so, dass die Spieler, die jetzt schon da sind, mit dem vierten Jahr Regionalliga wachsen, sich weiter entwickeln und erfahrener werden. Wir wollen jeden Tag ein bisschen besser werden. Wenn uns das gelingt, dann sind wir genau auf dem richtigen Weg."

"Wir sind die TSG - wir geben niemals auf" lautet der Leitspruch der Kicker von der Eyach. Auf welche Tugenden setzt die TSG Balingen auch zukünftig?

"Regionalität und wirtschaftliche Nachhaltigkeit sicherlich. Die TSG-Familie ist bei uns keine leere Floskel. Die weitere Professionalisierung wird sicher eine große Herausforderung für den Verein werden. Gleichermaßen hat die Einbindung und Stärkung des Ehrenamtes bei der TSG einen hohen Stellenwert. Das Ehrenamt zeichnet die TSG Balingen maßgeblich aus und unterscheidet uns so auch von anderen Vereinen. Der Verein lebt aufgrund der sehr gewachsenen und sehr ambitionierten Ehrenamtsstruktur. Diese gelebte Praxis ist auch in unserem Leitbild fest verankert. Eine Tugend der TSG ist es auch kleine Schritte zu machen. So machen wir das beispielsweise auch in Sachen Neuzugänge - alles Schritt für Schritt."

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