Aquaplaning stellt eine Gefahr dar. Mit abgefahrenen Reifen wird es noch gefährlicher. Der Polizei ist nun selbst ein Unfall mit abgefahrenen Reifen passiert. (Symbolbild) Foto: milkovasa - stock.adobe.com/Milan Vasicek

Die große Kontrolle beim Trucker-Treffen in Haigerloch schlägt hohe Wellen. Jetzt wird bekannt: Kurz vorher baute die Polizei auf der A 81 bei Empfingen selbst bei einem Einsatz einen Unfall – mit abgefahrenen Reifen! Was sagt die Polizei zu diesem Unfall?

Ist das peinlich oder einfach nur Pech? Während die Polizei beim Trucker-Treffen in Haigerloch fast jede Schraube umdrehte und jeden Reifen inspizierte, baute sie selbst einen Unfall mit abgefahrenen Reifen.

Der Unmut in der Trucker-Szene ist eh schon groß. War die umfangreiche Kontrolle verhältnismäßig und fair? Organisatoren und Teilnehmer zeigten sich fassungslos. Die Polizei hatte am vergangenen Wochenende beim Salzbergwerk in Stetten und an der B 27 in Richtung Owingen Kontrollstellen eingerichtet. Verdächtige Fahrzeuge wurden rausgezogen. Spezialisten untersuchten, ob sie der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) entsprachen.

Und am Abfahrtstag wurde wieder kontrolliert. Diesmal am Empfinger Autobahnanschluss. Später teilte die Polizei unserer Redaktion die Ergebnisse mit.

Polizeistreife aus Horb war auf der A 81 im Einsatz

Doch nun könnte der Unmut noch einmal größer werden, wenn die Trucker erfahren, was der Polizei selbst passiert ist. Darüber informierte uns zuerst ein aufmerksamer Leser, der den Unfall wohl mitbekommen hat. Unsere Redaktion hakte nach und bekam nun die Bestätigung.

Geschehen ist der Unfall laut Polizeipräsidium Konstanz am Donnerstag, 30. März, gegen 4 Uhr, auf der Autobahn 81 zwischen Horb und Empfingen – also nicht weit entfernt von Haigerloch. „Eine Streife des Polizeireviers Horb war aufgrund eines Einsatzes auf der A 81, aus Richtung Stuttgart herkommend in Richtung Singen unter Inanspruchnahme von Sonderrechten unterwegs“, heißt es in der schriftlichen Antwort.

Polizistin leicht verletzt – Schaden liegt bei circa 30.000 Euro

Aufgrund von Aquaplaning sei der Mercedes ins Schleudern gekommen und prallte frontal in die rechtsseitige Schutzplanke. Durch die Wucht des Aufpralls habe sich die Fahrerin leicht verletzt. Höhe des Schadens: geschätzt rund 30.000 Euro.

Dann kommt es zur Bestätigung des Lesers: „Bei der Unfallaufnahme stellten die Beamten fest, dass die Reifen des Mercedes an der Hinterachse teilweise die vorgeschriebene Profiltiefe unterschritten.“

Verfahren gegen die fahrende Polizistin

Konsequenz: „Gegen die Autofahrerin (Polizeibeamtin) leiteten die Beamten der Verkehrspolizei Zimmern ob Rottweil ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Es wird zudem geprüft, ob sich auch Verantwortliche, die für die Wartung der Fahrzeuge zuständig sind, strafbar gemacht haben bzw. ordnungswidrig handelten.“

Wer ist für die Wartung der Fahrzeuge zuständig

Nachgehakt: Wer ist für die Wartung der Fahrzeuge zuständig? Gibt es eine Polizeiwerkstatt oder wird das extern vergeben? Die Polizeisprecherin des Polizeipräsidiums Konstanz: „Es gibt beide Varianten – intern und extern. Das ist aktuell Gegenstand der Ermittlungen, wie das zuständige Polizeipräsidium Pforzheim die Wartung der Fahrzeuge handhabt.“

In den Pressemeldungen kommt Unfall nicht vor

Und noch ein Punkt: Warum tauchte dieser Unfall nicht in den Polizeimeldungen der Pressestelle auf? Wollte die Polizei ihren eigenen Unfall unter den Teppich kehren? Die Polizeisprecherin antwortet: „Nein. Das ist eine Einzelfallentscheidung.“ Allerdings: Andere Unfälle dieser Art tauchten in der Vergangenheit sehr wohl in den Pressemitteilungen des Präsidiums Konstanz auf: zum Beispiel ein Aquaplaning-Unfall in Engen am 7. Juni 2022. Auch ein Aquaplaning-Unfall im August 2021 bei Rottenburg wurde vermeldet.

So sind die Regeln

Abgefahrene Reifen
Laut dem Internet-Portal „bussgeldkatalog.org“ lautet die Definition: „Reifen, die ein zu geringes Profil oder andere starke Abnutzungsspuren aufweisen, gelten in der Regel als abgefahren. Sie stellen ein Sicherheitsrisiko dar.“

Profiltiefe
Die Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm. „Liegt das Profil darunter, sind die Reifen abgefahren und müssen gewechselt werden.“

Bußgeld
Das Bußgeld für das Fahren mit abgefahrenen Reifen beträgt 60 Euro, wenn keine Gefährdung vorlag und es zu keinem Unfall kam. Kommt es zu einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer, erhöht sich das Bußgeld auf 75 Euro, bei einem Unfall auf 90 Euro. Außerdem gibt es jeweils einen Punkt in Flensburg.