Der Villinger Coach verrät vor dem SBFV-Pokalfinale am Sonntag gegen den Freiburger FC seine Erfolgsformel. Über die Bedeutung von Physis und Psyche in Bahlingen – und für wen die Spieler ein paar Extraprozente herausholen wollen.
Die Außentreppe zum VIP-Raum der MS-Technologie-Arena hoch, schnell wieder runter auf die andere Seite des Villinger Stadions, mit einem heißen Kaffee in der Hand erneut nach oben: Ins Schwitzen kommt Marcel Yahyaijan deshalb nicht. Auch Nervosität ist für den Coach des FC Villingen ein Fremdwort. Dabei bestreitet der 28-Jährige am Sonntag (15 Uhr) sein erstes Finale als Cheftrainer. Der Nullachter verrät auch, weshalb das Team mit einem extra Schub Motivation im Bahlinger Kaiserstuhlstadion gegen den Oberliga-Rivalen Freiburger FC antreten wird. Dies liegt auch an dem Mann, der zuvor den Kaffee zubereitet hat.
Marcel Yahyaijan, was macht dieses Finale für Sie so besonders?
Zunächst einmal ist jedes Endspiel etwas Besonderes. Die acht Monate lange Corona-Pause, dann die beiden Siege nach Elfmeterschießen innerhalb von 44 Stunden gegen Rielasingen und Oberachern – deshalb hat dieses Finale noch einmal einen ganz speziellen Charakter.
Beim letzten SBFV-Pokalsieg der Nullachter im Jahr 2019 waren Sie noch der Co-Trainer. Nun steht also das erste große Finale als "Chef" an. Was ist da anders?
Ich war 2019 auch schon stark in die Vorbereitung für das Endspiel gegen Rielasingen involviert. Der Unterschied ist, dass du als Cheftrainer letztendlich für die Entscheidungen verantwortlich bist. Dies geht bei der Startelf los. Vor allem betrifft dies aber die Entscheidungen im Spiel selbst. Gerade bei hitzigen Spielen muss man da auch einen kühlen Kopf bewahren. Am Ende muss der Cheftrainer eben für alle Entscheidungen den Kopf hinhalten.
Und wie sieht es in Sachen Nervosität aus? Oder ist dies eine Emotion, die Ihnen ohnehin fremd ist?
Ich muss echt sagen, dass ich selten nervös bin. Dagegen herrscht bei mir einfach eine totale Vorfreude. Was gibt es denn Geileres, als an einem Freitagabend – und nach der sehr langen Corona-Pause – alles abzuliefern, auf was man lange und intensiv hingearbeitet hat? Genauso groß ist nun die Vorfreude auf das Finale. Ich würde am liebsten sofort spielen, kann es nicht abwarten. Das macht mich als Wettkampftypen auch aus. Einige Spieler sehen dies übrigens genauso (lacht).
Werden Sie Ihren Spielern noch einmal die DVD vom Pokalsieg 2019 als Motivation zeigen?
Das könnte schon interessant sein. Witzigerweise habe ich vor dem Viertelfinale gegen Rielasingen die Mannschaftsvorstellung nicht wie sonst durchgegeben. Stattdessen habe ich jedem Spieler aufgezeigt, weshalb er persönlich den Pokal gewinnen sollte. Zum Beispiel ist da Mauro Chiurazzi, der im DFB-Pokalspiel gegen Schalke zwar im Kader stand, aber nicht zum Einsatz kam. Gegen Düsseldorf hat er im Oberliga-Spiel zuvor die Ampelkarte bekommen, war deshalb im DFB-Pokal gesperrt. So hat Mauro zweimal den Pokal gewonnen, aber noch keine Minute im DFB-Pokal gespielt. Das motiviert natürlich zusätzlich.
Sie wissen, wie man den Freiburger FC besiegt. Vor knapp zwei Wochen gab es im ersten Test seit der Corona-Pause einen 2:0-Sieg, in der Oberliga feierte der FC 08 am 16. September 2021 einen 1:0-Erfolg. Ein Vorteil?
Das sagt nicht wirklich etwas aus. So findet das Finale an einem neutralen Ort statt. Und es ist eben ein Endspiel, in dem es um sehr viel geht – im Vergleich zu einem Testspiel und auch zu einem Ligaspiel am siebten Spieltag.
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Auf was müssen Sie denn besonders bei den Freiburgern aufpassen?
Beide Teams kennen sich gut, viele Geheimnisse gibt es da nicht. Ähnlich wie im Viertelfinale und im Halbfinale wird es nach der langen Pause auf die körperliche Fitness ankommen. Ich denke, dass man gegen Rielasingen und Oberachern gesehen hat, dass wir in diesem Bereich herausragend gearbeitet haben. Es soll ja am Sonntag auch wieder sehr heiß sein. Wenn wir es dann schaffen, unser Niveau auch in der zweiten Halbzeit zu halten, dann kann dies der entscheidende Faktor sein. Freiburg besitzt eine fußballerisch gute Mannschaft, viele der Spieler wurden beim SC Freiburg ausgebildet. Ein Vorteil für uns könnte sein, dass von uns schon einige Spieler den Pokal gewonnen haben. Sie können mit dieser Stresssituation umgehen.
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Sie sprechen die Physis an. Welche Bedeutung hat aber die Psyche in einem Finale?
Eine ganz große. Diese ist ganz wichtig. Dies war auch in den Spielen gegen Rielasingen und Oberachern entscheidend. Ein Spruch, der mich geprägt hat, lautet: "Erfolg ist die Mischung aus guter Vorbereitung und auch Glück." Wir waren sehr gut vorbereitet – und werden sehr gut vorbereitet für das Finale sein. Wenn dies der Fall ist, dann spielt der Faktor Glück in Sachen Erfolg eine etwas geringere Rolle. Ein weitere Spruch, den ich unterschreiben kann, ist: "Und Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft." Das betrifft vor allem das Elfmeterschießen. Wir haben auch für diesen Fall alles durchgeplant. Unsere Schützen und die Reihenfolge standen vor dem Viertel- und Halbfinale also längst fest. So wird es auch am Sonntag in Bahlingen sein. Wir werden uns also bestmöglich auf das Endspiel vorbereiten, um den Zufall zu minimieren.
Eine "alte Weisheit" lautet: "Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften und Pokale." So war es ja auch im Viertelfinale und im Halbfinale vor wenigen Tagen. Gegen Rielasingen und Oberachern kassierte der FC 08 in zusammen 240 Spielminuten nur einen Gegentreffer. Sehen Sie die Defensive auch als Prunkstück Ihres Teams an?
(lacht) Ja. Ich glaube, dies liegt auch an mir. Alle Mannschaften, die ich bisher betreute, hatten eine gute Defensive. So haben wir mit unserer U23 dreimal in Folge die beste Abwehr der Landesliga gestellt. Ich erwarte von meinen Mannschaften immer, dass alle Spieler – dies fängt mit den Stürmern an – für die Defensive arbeiten, auch so denken. Auch in Ballbesitz sollte man dies nicht vergessen. Aber wir haben auch sehr gute Spieler im Kader, welche dies können. Es geht für mich darum, die Stärken des Kaders zu nutzen. Derzeit ist es eben das Defensivverhalten. Dies ist aber nicht meine grundsätzliche Idee des Fußballs. Ich denke, dies hat man auch in den beiden Pokalspielen gesehen. Aber wir arbeiten stets mit einer klaren Struktur, einer klaren Grundordnung und einer klaren Pressingidee.
Dagegen könnte die Offensive mehr Durchschlagskraft entwickeln. In den zwölf Spielen der abgebrochenen Oberliga-Saison gelangen den Nullachtern in zwölf Spielen ganze zehn Treffer, nun im Viertel- und Halbfinale nur einer. Was muss sich im Offensivspiel verbessern?
Ich weiß, dass wir unser Offensivspiel noch verbessern können – und wir werden dies auch angehen. Wir wissen aber auch, dass uns ein echter Mittelstürmer gut tun würde. Ich finde, dass es Danilo (Cristilli, Anm. d. Red.) vom Ansatz her schon gut macht. Aber nach seiner langen Pause ist er eben noch lange nicht bei 100 Prozent. Kamil (Yahyaijan) hat eine sehr gute Entwicklung gemacht. Aber er ist eben auch nicht dieser klassische Neuner. Für Sonntag müssen wir eben die Qualitäten, die wir derzeit haben, einbringen. Ich denke da auch an Nedzad Plavci, Erich Sautner oder Volkan Bak. Wir müssen versuchen, die Stärken dieser Spieler in den Vordergrund zu bringen. Und dann schauen wir, was im Sommer in Sachen Transfers noch passiert.
Falls der FC 08 am Sonntag den zehnten Pokalsieg in Südbaden feiert, dann wird dies mit der Teilnahme am DFB-Pokal ja auch finanziell belohnt. Also werden diese wohl sechsstelligen Einnahmen dann auch in einen Mittelstürmer investiert?
(lacht) Ich sage es mal so, unsere Optionen würden sich erhöhen.
Andrea Hoxha im Tor, Frederick Bruno, Dragan Ovuka, Patrick Peters und Mauro Chiurazzi in der Viererkette, davor Leon Albrecht, Erich Sautner, Mbem-Som Nyamsi und Thomas Kunz, im Sturm Kamran Yahyaijan und Nedzad Plavci - eine realistische Aufstellung?
(lacht) Dies ist eine Möglichkeit. Aber nicht nur Nico Tadic, der wieder fit ist, ist eine weitere Option.
Einfache Schlussfrage – was machen Sie am Sonntagabend?
Ich werde hoffentlich den Sieg mit meiner Mannschaft feiern! Und natürlich mit unserem langjährigen Betreuer Werner Felgenhauer, der Ende des Monats aufhören wird. Das motiviert extrem, wir wollen den Sieg auch für Felge holen! Übertreiben kann ich aber nicht, da ich am Montagmorgen gegen 5 Uhr nach Duisburg fahren muss. Dort muss ich in Sachen Trainerschein um 13.30 Uhr eine Präsentation halten. Ein Thema wird der Spielaufbau über die Flügel und Co. sein.