Florian Fuchs (links) und Mats Grambusch feiern im Viertelfinale den Doppeltorschützen Lukas Windfeder. Foto: dpa/Marijan Murat

Die deutschen Hockey-Männer greifen zum fünften Mal in Folge nach einer olympischen Medaille. Die Frage ist: Welches Gesicht zeigen Tobias Hauke, Florian Fuchs und Co. im Halbfinale gegen Topfavorit Australien?

Tokio - Vom Olympischen Motto „Dabei sein ist alles“, will man in der deutschen Hockey-Szene nichts wissen. Zum Selbstverständnis der Sportart in Deutschland gehören Medaillen bei Olympischen Spielen dazu wie das olympische Feuer ins Stadion. Aber, wer wie die deutschen Hockey-Männer seit 2004 immer im olympischen Halbfinale stand, hat auch allen Grund, nur so vor Selbstbewusstsein zu strotzen. Daher betont Bundestrainer Kai al Saadi vor dem Halbfinale gegen Australien an diesem Dienstag (12 Uhr, MESZ): „Wir haben noch nichts erreicht.“ Zwar war al Saadi vor fünf Jahren in Rio de Janeiro noch nicht als Bundestrainer an der Seitenlinie verantwortlich, den krachenden Halbfinal-K.-o. gegen den späteren Olympiasieger Argentinien (2:5) aber haben zehn seiner 15 Tokio-Fahrer auf dem Spielfeld miterlebt.

 

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Im Viertelfinale von Tokio war zuletzt wieder Argentinien der Gegner, und die deutsche Mannschaft zeigte, dass sie seit dem Gewinn der Bronzemedaille in Brasilien dazugelernt hat. Hinten kompakt und diszipliniert stehen, in hitzigen Situationen einen coolen Kopf bewahren, bei den Strafecken eiskalt zuschlagen – das waren die Erfolgsfaktoren beim 3:1-Sieg gegen die Argentinier. Oder wie es Stürmer Christopher Rühr nicht ohne Stolz ausdrückt: „Deutscher als wir gegen Argentinien kann man kaum spielen.“ Zwar ist auch dem Bundestrainer nicht entgangen, dass die spielerische Komponente gegen die Südamerikaner nicht gerade ausgeprägt war. Doch betont al Saadi: „Wir hätten gerne mehr Spektakel geboten. Aber für einen Trainer ist so ein stabiler Sieg immer ein bisschen wertvoller, weil er gezeigt hat, wie erwachsen wir gespielt haben.“

Reicht „erwachsen“ im Halbfinale?

Ob „erwachsen“ spielen gegen den kommenden Gegner reicht? Die Australier führen die Weltrangliste an, marschierten durch die olympische Vorrunde, zeigten aber im Viertelfinale gegen die Niederlande (3:0 nach Penaltyschießen) zum erste Mal, dass auch sie verwundbar sind. „Die Australier haben eine sehr, sehr souveräne Gruppenphase gespielt“, analysiert Rühr und warnt: „Sie sind sehr hart zu spielen, weil sie körperlich sehr stark sind.“ Aber gerade in den bisherigen Auftritten der DHB-Auswahl sieht der 27-jährige Kölner auch eine Chance, schließlich gelte es, sich von Spiel zu Spiel zu steigern: „Bei Australien sind die Ausschläge nicht so hoch. Bei uns ist noch viel mehr Potenzial da.“

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Diese Ausschläge sind es aber, die dem deutschen Team in Tokio zu schaffen machen. Negativer Höhepunkt war die 3:4-Niederlage in der Vorrunde gegen zweitklassige Südafrikaner. Erstmals in diesem olympischen Turnier voller Aufs und Abs ließ das deutsche Team im Viertelfinale einem starkem Auftritt, dem 3:1 gegen die Niederlande zum Vorrundenabschluss, auch eine weitere medaillenreife Leistung mit dem Sieg über die Argentinier folgen. Die Hoffnungen, nach Bronze (2016), Gold (2012), Gold (2008) und Bronze (2004) erneut eine Medaille zu gewinnen, sind am Leben.

Parallelen zu den Gold-Triumphen 2008 und 2012

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, auch bei den beiden Gold-Triumphen in London (2012) und Peking (2008) hatten die deutschen Mannschaften in der Vorrunde mit Problemchen zu kämpfen. Als es aber ab dem Halbfinale darauf ankam, war die Mannschaft vom damaligen Bundestrainer Markus Weise auf den Punkt da. Dieses Kunststück will die al-Saadi-Mannschaft wiederholen. „Jetzt Spannung aufbauen und dann die ganz dicken Spiele gewinnen. Wir wollen mit aller Gewalt ins Endspiel“, sagt der 44-jährige Bundestrainer vor dem Halbfinale gegen den WM-Dritten von 2019.

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Im ausgeschiedenen Frauen-Team ist man von einem Erfolg überzeugt. „Mein Bruder Tobias wird die Mannschaft mit seiner Siegermentalität pushen“, sagt Franzisca Hauke über Männer-Kapitän Tobias Hauke und prognostiziert: „Wenn sie das Halbfinale überstehen, dann holen sie Gold.“ Ihr Bruder, der wie sie in Rio Bronze gewonnen hatte, ist einer von drei verbliebenen Olympiasiegern von London im deutschen Team. Neben ihm gewannen noch Stürmer Florian Fuchs und Abwehrchef Martin Häner bei den Spielen in der englischen Hauptstadt Gold. Für alle Drei dürfte es die letzte Chance auf eine weitere Medaille sein. Entsprechend deutlich ordnet der 32-Jährige Häner den bisherigen Turnierverlauf ein: „Wenn wir hier als Vierter raus gehen, bringt uns das gar nichts.“

Es ist das Selbstverständnis einer Sportart, in der nicht nur die Verantwortlichen im Verband gerne betonen, dass ihr Sport die erfolgreichste deutsche Mannschaftssportart bei Olympischen Spielen ist.